Von schlaflosen Nächten, Dauer-Geschrei und hinterlistigen Spuck-Attacken — Leben mit einem Schreibaby und was uns half…

Da war er nun endlich, unser kleiner Sonnenschein! Doch leider schien die Sonne eher selten. Von Anfang an schrie unser kleiner Mann sehr, sehr viel. Und er spuckte, was das Zeug hielt. Im hohen Bogen, ohne Vorwarnung, immer und überall. Anfangs dachte ich, das wird sich bestimmt bald legen – er muss sich erst mal an seine neue Umgebung gewöhnen und daran, dass er nicht mehr gut geschützt im warmen Wasser schwimmt. Aber so war es leider nicht. Es wurde eher schlimmer, als besser und so schrie er oft fünf bis sechs Stunden ohne Unterbrechung – manchmal 12 Stunden am Tag. Und er weinte nicht einfach nur, sondern wurde regelrecht hysterisch, überstreckte sich, verkrampfte am ganzen Körper.

Wir machten uns Sorgen, doch die Hebamme und auch der Kinderarzt sagten, er sei vollkommen in Ordnung. Manche Kinder schreien halt viel. Und das mit dem Spucken sei auch nicht unnormal. Keine befriedigende Antwort. Ich war mir sicher, irgendwas musste ihm doch fehlen, wusste mir aber auch keinen Rat, wenn nicht mal der Arzt das Problem erkannte.

Und so weinte er und weinte – und ich weinte mit! Den ganzen Tag haben wir ihn getragen und versucht ihn zu beruhigen. Doch nichts half. Wenn er endlich einschlief, dann vermutlich nur aus Erschöpfung – und nur eng an Mama oder Papa gekuschelt. Ich frage mich bis heute, woher er die Kraft nahm, sich so lauthals zu beschweren, ohne große Pausen. So verbrachte ich die Nächte oft mit ihm auf dem Sofa oder rannte im Delirium unzählige Kilometer durchs Wohnzimmer und wiegte ihn, damit mein Mann in Ruhe schlafen kann. Er musste ja schließlich fit sein für den Job. An den Wochenenden konnte ich mich dann ausruhen. Trotzdem – ich ging am Stock. Verheult, besorgt, übersät mit Babykotze, völlig verwahrlost und auch genervt. Irgendwann kann man einfach nicht mehr.

Einen Tipp, den mir die Hebamme gab, war den Kleinen zu pucken. Als sie einmal bei uns war und er wieder so sehr weinte, wickelte sie ihn in ein Tuch und dann: Stille! Es war fast schon unheimlich. Aber so blieb er dann liegen und wir konnten zum ersten mal in Ruhe zusammen etwas essen.

Da ich jedoch zu blöd war, das Pucken mit einem Tuch hinzukriegen, besorgte ich mir einen Pucksack. Mit dem war es viel einfacher. Und es hat tatsächlich ein bisschen geholfen. Wenigstens in der Nacht konnte er so ein bisschen besser schlafen, so richtig schön eingemummelt. Doch das allein hat nicht unser Problem behoben. Die Spei-Attacken schon mal gar nicht. Er spuckte mir regelmäßig in den Ausschnitt, verzierte unser komplettes Sofa, den Teppichboden – alles was ihm in die Quere kam.

Natürlich habe ich mit anderen darüber gesprochen, wie es uns mit dem kleinen Stinker ergeht. Viele wollten mir gar nicht glauben, meinten, ich würde übertreiben. Andere sagten „Lass ihn doch einfach schreien, das schadet ihm nicht! Er hört schon irgendwann auf!“ „Speikind, Gedeihkind!“ Ja, Ihr habt gut reden, Ihr solltet es selbst mal erleben!

Aber irgendwann erhielt ich tatsächlich einen brauchbaren Rat: „Geh doch mal mit ihm zum Osteopathen!“ Zuerst fragte ich mich, was das schon bringen soll! Aber weil ich irgendwann nicht mehr weiter wusste, beherzigte ich diesen Rat – und das war unsere Rettung!

Ich hatte Glück – ich bekam relativ kurzfristig einen Termin. Die Osteopathin machte ein paar Handgriffe und wusste schon was ihm fehlt. Diagnose: K.I.S.S.-Syndrom! Der obere Nackenwirbel/Atlaswirbel war eingeklemmt! Das war also der Übeltäter! Es war die Ursache dafür, dass der Bewegungsapparat stark eingeschränkt war – und auch das Spucken fand hier seinen Ursprung. Die Osteopathin machte Druckmassagen, bog ihn in jede erdenkliche Richtung – was natürlich nur unter großem Protest vonstatten ging. (Und es brach mir auch fast das Herz, das mit anzusehen.) Aber danach legte ich ihn in seinen Kinderwagen und plötzlich war er ruhig und schlief tief und fest ein. Tränen der Erleichterung kämpften sich bei mir durch! Endlich wussten wir, was unserem kleinen Schatz fehlt. Endlich kann ihm geholfen werden!!!

Und tatsächlich wurde es schon kurz nach der ersten Behandlung schlagartig besser. Er weinte zwar immer noch viel, aber deutlich weniger. Er wurde mobiler, machte motorisch plötzlich riesige Fortschritte – die Handbremse war gelöst!

Zwergi war nun fast drei Monate alt. Bisher verweigerte er die Bauchlage komplett, weil er sicher Schmerzen hatte. Das machte sich auch schon am platt gelegenen Hinterkopf bemerkbar. Aber es wurde ja nun für Abhilfe gesorgt.

Nach jedem weiteren Termin konnte man den Fortschritt eindeutig erkennen. Die Behandlung war jeden Cent wert! Leider ist es nicht ganz billig und die wenigsten Krankenkassen übernehmen die Kosten für Alternativ-Medizin. Aber welche Rolle spielt das schon, wenn es meinem Kind hilft?!

Heute geht es ihm super, er ist sehr lebhaft und lernt unglaublich schnell. Der Kopf ist wieder in Form und auch das Spucken hatte irgendwann ein Ende!

Also, wenn Ihr ein Schreikind habt, geht mit ihm zum Osteopathen! Sicher ist das nicht immer die Lösung, aber es ist ein Versuch, dem kleinen Krümel zu helfen. Wenn dort nichts festgestellt wird, wisst Ihr wenigstens, dass in dem Bereich alles in Ordnung ist.

Als weitere Lösung bleibt noch ein Besuch in der Schreiambulanz. Sicher gibt es auch in Eurer Nähe eine Anlaufstelle. Adressen findet Ihr im Internet.

Ich war oft am Rande der Verzweiflung. Die wenigsten Mütter geben das gerne zu. Aber es ist verständlich und auch nicht schlimm. Wichtig ist, dass ihr nach einer Lösung sucht – so lange, bis ihr eine gefunden habt.

Bleibt tapfer – alles wird gut!


Buchtipp: So beruhige ich mein Baby von Christine Rankl – Hier findet Ihr auch Anschriften von Schreiambulanzen!

Schlaftipp: Puckhilfe Swaddle me, einfach in der Handhabung!

Infos über das K.I.S.S.-Syndrom gibt es hier.

 

4 Gedanken zu “Von schlaflosen Nächten, Dauer-Geschrei und hinterlistigen Spuck-Attacken — Leben mit einem Schreibaby und was uns half…

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