Wenn das Leben die letzte Ausfahrt nimmt

Gestern war ein turbulenter Tag. Vormittags waren wir in der Spielgruppe und auch am Nachmittag hatte mein Sohn eine Verabredung mit seinen kleinen Freunden. Spielen, herumalbern und toben, begleitet von Geschrei und dem wundervollen Klang von Kinderlachen. Und abends kam Papa endlich nach Hause. Da war die Freude groß.

Doch während wir den ganzen Tag von Trubel umgeben waren, ist woanders für immer Stille eingekehrt.

Am Abend erhielten wir die Nachricht, dass ein lieber Nachbar gestorben ist. Er war schon über 90 Jahre alt und es hatte sich in den letzten Tagen schon abgezeichnet. Und trotzdem ist man traurig und schockiert. Auch wenn ich ihn nicht wirklich gut kannte. Aber es hat mich jeden Tag aufs Neue berührt, wenn ich ihn und seine Frau sah, wie sie händchenhaltend bei mir am Fenster vorbei liefen.

Viele werden sagen, er hatte ein „gesegnetes Alter“. Aber ist das ein Trost?

Ich habe schon viele Menschen gehen sehen. Die meisten davon kannte ich mein ganzes Leben lang. Manche davon sind viel zu früh gegangen. Schicksale, die man nie vergisst.

Eine junge Frau, die plötzlich in der Nacht stirbt, in der sie ihr Kind zur Welt gebracht hat.
Ein liebender Ehemann und Familienvater, der eigentlich noch mitten im Leben stand, aber den Kampf gegen eine schwere Krankheit verloren hat.
Eine alleinerziehende Mutter, die ihren 12-jährigen Sohn zurückgelassen hat.
Ein Mann besten Alters, der mit Beschwerden das Krankenhaus aufsuchte und wieder nach Hause geschickt wurde, weil es angeblich nur ein Schwächeanfall war. Und in der Nacht einem Herzinfarkt erlag.
Eine alte Dame, die schon sehr, sehr lange krank war und irgendwann friedlich einschlief…

Es tut weh. Egal wie und wann es passiert. Auch, wenn derjenige schon alt und krank war. Es spielt keine Rolle für diejenigen, die zurückbleiben. Der Schmerz ist immer der Gleiche.

Und was ist, wenn Du selbst derjenige bist, der bald nicht mehr da sein wird?

Ich kenne eine junge Frau, die sehr schwer krank ist. Ihr bleibt nicht mehr viel Zeit. Sie hat zwei kleine Kinder und weiß, dass sie sie bald verlassen muss. Es ist ein Alptraum. Es zerreißt mich, wenn ich daran denke. Gerade noch mitten im Leben, und dann…

Seit ich selbst Mutter bin, kommt die Angst, dass einem von uns einmal etwas passieren könnte, immer wieder hoch. Eigentlich will ich gar nicht daran denken. Aber ein Kind verändert Dein Leben. Ich weiß nicht, ob es Euch auch so geht. Aber ich lebe seitdem etwas vorsichtiger und bewusster. Irgendwann nicht mehr mit meinen Lieben zusammen sein zu können, würde mich innerlich zerreißen. Ich versuche, solche Gedanken immer schnellstmöglich wieder wegzuschieben – aber ich versuche auch jeden Tag umso mehr zu zeigen, wieviel sie mir bedeuten und wie groß meine Liebe für die wichtigsten Menschen in meinem Leben ist.

Ich weiß – das ist alles andere, als ein schönes Thema. Doch der Tod gehört leider zum Leben dazu. Diese schmerzhafte Erfahrung musste sicher jeder von Euch schon einmal machen.

Glaubt Ihr an Gott? Ich tue es, und deswegen glaube ich auch an ein Wiedersehen. (Johannes 6,40)

 

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