Aufpassen, zuhören und gleichzeitig entspannen?

Genau das kann nicht. Zumindest nicht, wenn Herr Sohn und ich uns in einem Raum aufhalten, wo nichts vor ihm sicher ist. Da wo man so unglaublich viel Blödsinn anstellen kann, was ja auch toll ist, denn in einem fremden Haus gibt es ja sooo viel zu entdecken. So auch gestern, als wir eine Freundin und ihre kleine, süße Tochter besuchten…

Die kleine Motte krabbelt noch nicht, das heißt, sie räumt bisher zuhause noch keine Schränke aus. Sie macht noch nicht die Gegend unsicher und läuft auch noch nicht Gefahr die Treppe herunterzukullern.

Aber das macht es für mich umso stressiger. Denn mein Sohn räumt ALLES aus. Er reißt überall dran rum, macht sämtliche Schränke und Schubladen auf, fummelt an Steckdosen herum, reißt Sachen vom Tisch. Er hat halt nur Ussel im Kopf. Das ist ja auch verständlich, schließlich ist er ja dabei die Welt zu erobern, da muss man alles abchecken. Aber das geht nun mal nicht immer und überall. Das musste er gestern am laufenden Band feststellen. Egal wofür er sich gerade interessierte – ich habe ihn gleich wieder davon abgehalten, habe ihn keine Sekunde aus den Augen gelassen.

Denn er ist der Zerstörer! Und er ist schnell!

Alle 5 Sekunden musste ich ihm irgendwas verbieten. Das tat mir gleich doppelt Leid: Für meine Freundin, weil ich einfach „keine Zeit“ dazu hatte, ein vernünftiges Gespräch mit ihr zu führen. Weil ich immer nur mit halbem Ohr zugehört habe, und ich meine Augen nur auf das nächste nahende Unheil gerichtet hielt, um rechtzeitig zu vermeiden, das irgendwas zu Bruch ging. Sie sagte irgendwann „Du erzählst ja gar nichts!“ Ja, ich weiß. Das ist so schwierig und ich wünschte, ich könnte das irgendwie abstellen. Entweder unterhalte ich mich in Ruhe und hinter mir wird die ganze Bude abgerissen, oder ich bin stets um Schadensbegrenzung bemüht und habe die Ohren deswegen auf Durchzug gestellt. Ich war sowas von unentspannt dabei, dass ich den Nachmittag fast gar nicht genießen konnte.

Und zum anderem tat es mir auch für den kleinen Mann so Leid, dass ich ihm alles verboten habe und nur hinter ihm her war. Und dass ich auch für ihn nicht wirklich Zeit hatte. Ich hatte ihm zwar ein wenig von seinem Spielzeug mitgebracht, aber dafür interessiert man sich ja in der Regel nicht, wenn man gerade im Entdeckermodus ist, um eine neue Umgebung zu erkunden. Doch das Babyspielzeug interessierte ihn natürlich ebenfalls nicht. DVD-Hüllen, Fernbedienungen, Kabel, Gläser…all das war doch viel cooler! Und verboten!

Zuhause weiß er inzwischen genau Bescheid, was er darf und was nicht. Er hat seine Schublade, die er ein- und ausräumen darf. Er darf auf dem Sofa herumhüpfen, mit seinem Bobbycar gegen sämtliche Wände und Schränke donnern (nur bitte nicht ganz so doll), er darf Taschentücher in 1.000 Kleinteile zerfetzen…dafür ist er halt Kind. Und alles was „verboten“ ist, haben wir vor ihm gesichert. Da ist es schwer zu verstehen, dass er nicht auch woanders schalten und walten kann, wie er will.

Nach nur zwei Stunden machten wir uns schon wieder auf. Und dann noch die 50 minütige Heimfahrt im Dunklen bei Nieselregen… Das hat es auch nicht besser gemacht. Ich bin quasi nachtblind und muss mich sowieso schon immer anstrengen, und dann findet Herr Sohn das Autofahren eh nicht so toll, erst recht nicht, wenn er nix sieht. Darum habe ich die Innenbeleuchtung angemacht, damit er wenigstens seine Bücher gucken konnte. Was mir die Sache mit der Sicht umso mehr erschwerte.
Zuhause angekommen warf ich mir erst mal eine Kopfschmerztablette ein. Mein Nacken war auch total verspannt.

Das Schlimmste aber war ein zweifaches schlechtes Gewissen! Ich hätte so gern mehr aus dem Tag gemacht – für meine Freundin UND meinen Sohn – aber ich war einfach viel zu gestresst. Nicht böse sein! Bestimmt klappt es beim nächsten Mal besser.

Ich werde darum bemüht sein. Ich versuche mir anzutrainieren gleichzeitig zuzuhören und meinen Sohn zu unterhalten. Denn das fällt mir in letzter Zeit viel zu oft auf: Ich bin kein guter Gesprächspartner, wenn mein Sohn dabei ist. Denn ich habe den Blick stets auf ihn gerichtet, wenn er da ist, dreht sich meine Welt um ihn – er ist die Hauptperson!

Ist das verkehrt? Sicher nicht. Aber dennoch fühle ich mich nicht gut dabei, dass alles andere oft nur „so nebenher“ läuft.

Daher muss ich es irgendwie schaffen, beides zu verbinden: Ein guter Freund zu sein, während ich eine gute Mutter bin. Oder umgekehrt!

Das kriegen andere doch schließlich auch hin…

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