Brief an meinen Sohn

Mein lieber, kleiner Schatz…

Nun bist Du schon zwei Jahre alt und es ist unfassbar, wie schnell die Zeit vergangen ist und wie groß und selbstständig Du schon geworden bist. Manchmal geht mir das alles etwas zu schnell.

Aber es gab auch Zeiten, wo es mir nicht schnell genug gehen konnte…

Wir hatten keinen leichten Start. Du kamst auf diese Welt und hattest es wirklich schwer. Du hast geweint, unfassbar viel geweint und Papa und ich waren so ratlos, weil wir nicht wussten, was Dir fehlt und wie wir Dir helfen konnten. Die Ärzte sagten, alles sei in Ordnung mit Dir. Auch die Hebamme bestätige uns dies. Doch warum hast Du dann so viel geweint? Für mich war das besonders schwer, weil ich an mir als Mutter oft zweifelte. Weil ich einfach nicht in der Lage war Dich zu beruhigen und Du irgendwann nur vor lauter Erschöpfung eingeschlafen bist.

Das Einzige, was wir für Dich tun konnten, war Dich zu tragen und zu halten, Dir zu zeigen, dass Du nicht allein bist, tagein, tagaus. Ich habe unzählige Nächte mit Dir auf dem Sofa verbracht oder habe Dich durchs Wohnzimmer getragen, damit es Dir besser geht, und damit Papa sich ausruhen konnte – denn er musste ja arbeiten. Ich wusste, ich tat damit das Beste für Dich, was ich konnte. Und trotzdem kam es mir nie gut genug vor. Ich kam oft an meine Grenzen. Wenn Du geweint hast, habe auch ich geweint, weil ich einfach nicht mehr weiter wusste. Bis endlich jemand verstand, was Dir fehlte und Dir helfen konnte. Von da an ging es Dir – und auch mir – von Tag zu Tag besser. Es hörte zwar nicht schlagartig auf, aber es wurde besser. Du lerntest zu lachen, Dich für Dinge zu begeistern – und auch zu schlafen. Plötzlich konnten wir Dir dabei zusehen, wie Du immer wieder neue Dinge lerntest und wie stolz Du selbst warst, wenn Du etwas geschafft hast. Und auch wir waren so stolz auf Dich!

Die Abendstunden waren noch lange Zeit sehr schwierig, Du hast nach wie vor viel geweint. Und Dein Papa hat Dich getragen und getragen, um Deine Mama damit nach einem langen Tag zu entlasten. Papa ist nun mal der Beste! Kein Wunder, dass er Dein Held ist – er ist auch meiner!

Mit jeder Woche die verging, wurde es für uns alle einfacher und Du machtest uns sehr viel Freude. Schon mit sieben Monaten fingst Du an zu krabbeln und nur zwei Wochen später hast Du Dich an allem hochgezogen, was Dir in die Quere kam. Du hast Dich zwischen Sofa und Tisch langgehangelt, Mamas Deko von den Schränken gefegt, alle Schubladen und Türen geöffnet und mit Hingabe alles ausgeräumt. Nichts war mehr sicher vor Dir. Ich habe das alles mit einem Augenzwinkern betrachtet und soweit es möglich war, alles in Sicherheit gebracht. Meine Deko musste Deinem Spielzeug weichen – aber das ist auch gut so!

Wenn am Ende das Tages alle Spielsachen überall verteilt sind, bin ich zwar manchmal genervt, aber ich weiß, Du hattest einen ausgefüllten Tag. Und manchmal lasse ich einfach Fünfe gerade sein und räume die Sachen gar nicht erst weg – schließlich brauchst Du sie ja am nächsten Tag wieder!

Ganz besonders aufregend war die Zeit, als Du mit dem Laufen anfingst. Es war gerade mal zwei Wochen her, dass Du ein Jahr alt wurdest, und schon ranntest Du los. Am Anfang sah es noch so aus, als wärst Du ein kleiner Pinguin, aber mit jedem Tag wurdest Du sicherer und es dauerte nicht lange, da konntest Du schneller rennen als ich. Ich wäre fast geplatzt vor Stolz! Seitdem hält Dich nichts mehr. Du hast ständig Hummeln im Hintern und kannst keine zwei Minuten ruhig sitzen!

Und noch früher kamen auch schon Deine ersten Worte! Das allererste war „Papa“, gleich darauf folgte „Nein“ (vermutlich weil Du es in dieser Zeit so oft gehört hast) und erst dann kam „Mama“. Es dauerte nicht lange, da hast Du sämtliche Tierstimmen beherrscht. Opa sagt immer, Du wirst sicher einmal Tierstimmen-Imitator. Am schönsten ist immer noch der Elefant. Denn der sagt bei Dir nicht nur einfach „Törö“, sondern „Törötörötörötörötörötötö“! Der Esel machte lange Zeit a-i, a-i, anstatt i-a, i-a… Ja, das war so süß! Ich vermisse es fast schon ein bisschen. Wie ich auch so vieles andere vermissen werde, was Du anfänglich so niedlich falsch gesagt hast. Der Apfel zum Beispiel hieß bei Dir immer „Atze“, und „Fanta“ hatte verschiedene Bedeutungen, wie Elefant, Marmelade oder Fahrrad. Zu Nasentropfen sagtest Du „Naropfen“ – und wie Du das betont hast! Du hast uns damit immer wieder zum Lachen gebracht. Im Moment lernst Du jeden Tag neue Wörter, sprichst schon kleine Sätze, Du erkennst so viele Farben, beginnst zu zählen – und zu erzählen; all das, was Du so erlebt hast, egal wie lang es her ist. Du vergisst nichts und erinnerst uns immer wieder an die Dinge, die für Dich wichtig sind. Du verstehst alles was wir Dir sagen – außer wenn Du es gerade nicht willst – und wir können schon richtige kleine Unterhaltungen mit Dir führen! Das ist so unfassbar toll!

Sicher, es ist nicht immer leicht – für Dich, genauso wie für uns. Du bist in der letzten Zeit oft wütend und zeigst uns sehr deutlich, wenn Dir etwas nicht passt. Ich bin dann auch oft sehr schnell genervt – und es tut mir Leid! Denn ich will gar nicht sauer auf Dich sein, schließlich lernst Du diese Welt ja erst noch verstehen und musst noch lernen, mit Deinen Gefühlen umzugehen. Ich habe das schon gelernt. Eigentlich. Und trotzdem fällt es mir manchmal schwer, einfach entspannt zu sein und manche Dinge auszusitzen. Sei mir nicht böse, Mama ist auch nur ein Mensch. Und ich versuche Tag für Tag an mir zu arbeiten – für Dich! Für uns alle.

Sicher wird es sehr bald noch einmal ganz besonders schwer für Dich. Denn bald bekommst Du ein Geschwisterchen und ich werde nicht mehr so viel Zeit für Dich haben wie jetzt. Du musst dann oft warten, lernen geduldig zu sein. Sicher wirst Du oft zurückstecken müssen, denn ein Baby braucht am Anfang so viel Zeit. So war es bei Dir auch. Aber ich werde mein Bestes geben, dass es für Dich so leicht wie möglich wird. Das verspreche ich Dir! Und Dein Geschwisterchen wächst schnell und bald kommt die Zeit, in der Ihr miteinander spielen und toben könnt. Ich bin mir sicher, Ihr Zwei werdet Euch sehr lieb haben. Und Papa und Mama werden Euch beide noch umso mehr lieben!

Danke, für die Liebe und das blinde Vertrauen, das Du uns Tag für Tag entgegenbringst. Danke, für all die wunderschönen Momente, die wir schon mit Dir verbringen durften. Danke, dass Du uns die Welt durch Deine Augen sehen lässt und uns zeigst, dass auch die kleinen Dinge im Leben sehr wichtig sind. Danke, dass Du uns immer wieder zum Lachen bringst, auch wenn uns manchmal gar nicht zum Lachen zumute ist.

Wir sind sehr stolz auf Dich und es gibt nichts Schöneres, als Dir beim Wachsen und Lernen zuzusehen und Dich auf Deinem Weg begleiten zu dürfen.

Du bist das Beste, was uns je passiert ist!

Deine Mama

Danke, dass Du uns so unfassbar reich machst!
Danke, dass Du uns so unfassbar reich machst!

7 Gedanken zu “Brief an meinen Sohn

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