Die Eigenheiten eines Zweijährigen

„Mama, Du machst im Moment aber auch wirklich alles falsch!“

Dieser Eindruck entsteht in letzer Zeit ziemlich oft. (Aber auch Papa macht alles falsch. Das ist eigentlich gerade egal.)

Es fängt schon am frühen Morgen an: Herr Sohn ist wach geworden. Ich betrete sein Zimmer und begrüße ihn freudestrahlend, säusle ein „Guten Morgen, mein Schatz!“

Bis dahin alles gut so weit. Manchmal. Manchmal antwortet er dann „Guten Morgen, Mama!“ Aber wenn nicht alles gut ist? Dann antwortet er „Nee, nicht guten Morgen!“ Und ab da nehmen die Dinge ihren Lauf.

Ich setze mich auf den Stuhl neben seinem Bett. Manchmal darf ich ihm über den Kopf streicheln, um ihn zärtlich zu begrüßen. Aber an vielen Tagen ist das schon zu viel des Guten. An solchen Tagen darf ich dann auch nicht das Rollo hoch machen. Das wird direkt mit einem kleinen Wutausbruch bestraft. Und der Gipfel ist dann das Anziehen. „Nein, nicht anziehen. Schlafsack anlassen. Weiter schlafen…“ Und diese Debatte kann sich dann eine halbe Stunde oder länger hinziehen. Eine Geduldsprobe. Jeden Morgen.

Versuche ich, ihn aus dem Bett zu heben (was zugegebenermaßen mit dem dicken Bauch inzwischen sehr schwierig ist, denn das Gitter ist eindeutig im Weg), wehrt er sich mit Händen und Füßen und macht sich ganz steif. Dann sagt er, ich soll allein frühstücken gehen. Ich frage sicherheitshalber noch mal nach. Ja, ich soll allein gehen.

Aber kaum bin ich unten in der Küche, geht oben im Kinderzimmer der Protest los. „Auch frühstücken!“ Natürlich. Ich gehe rauf, um ihn zu holen und schon schmeisst er sich wieder in sein Bett und meint, er wolle doch weiter schlafen.

Ich habe so das dumme Gefühl, dass Herr Sohn sich so langsam zum Morgenmuffel entwickelt. Von mir hat er das auf jeden Fall nicht. Nach langem Hin und Her darf ich ihn dann endlich aus dem Bett heben, nachdem er sich selbst den Schlafsack ausgezogen hat (ganz wichtiges Detail).

Das Anziehen selbst ist dann so ein Thema für sich. Es ist fast immer ein Kampf, auch wenn ich versuche ihm zu erklären, dass es doch viel schneller geht, wenn er mir hilft, anstatt sich zu wehren. Jedes einzelne Kleidungsstück, das auf dem Wickeltisch bereit liegt, fliegt erst mal im hohen Bogen durch die Luft. Nachdem die dicke Frau alles mühsam wieder aufgehoben hat, klappt es dann mit dem Anziehen. Vielleicht.

Das Frühstück läuft dann anfänglich immer recht harmonisch ab. Es sei denn, er kommt auf die Idee, mir zu sagen, ich solle sein Brot durchschneiden. (Wichtig: Immer noch mal nachfragen, ob man das wirklich tun soll!) Gesagt, getan! Aber das ist meistens ein Fehler. Denn dann soll ich es gleich immer wieder „zammbauen“. Alle Erklärungsversuche, dass das nicht möglich ist, sind vollkommen zwecklos!

Nach dem Frühstück lässt er mich immer in Ruhe die Küche aufräumen. Das hat nicht immer gut geklappt, aber inzwischen gehört das zu seinem, bzw. unserem Tagesrythmus.

Schwierig wird es wieder, wenn ich auf die Idee kommen sollte, mal ganz schnell ein kleines Mittagessen zu kochen. Auch wenn es nur 10 Minuten dauert. Nudeln mit Soße. Nein, das geht echt gar nicht. Da sitzt er in Küche, schmeißt sich auf den Boden. Er will nicht essen, sondern jetzt plötzlich viel lieber schlafen gehen. (Obwohl der Mittagsschlaf schon seit Monaten total out ist.)

Im Idealfall gibt es Reste-Essen, dass nur noch in die Mikrowelle muss. Aber diesen Fall haben wir meistens nur nach dem Wochenende. Sowieso ist Mittagessen gerade vollkommen überbewertet. Gegessen wird höchstens, wenn er ein Eis will und ich ihm zu verstehen gebe, dass es nur dann ein Eis gibt, wenn auch zu Mittag gegessen wurde. Dann isst man notgedrungen ein paar Gabeln – und stellt dann fest: es schmeckt ja doch!

Hausarbeit ist ebenso wie das Kochen nahezu unmöglich. Grundsätzlich will Herr Sohn alles selber machen. Vor allem Staubsaugen. Wenn er nicht darf, bzw. ich wieder übernehmen will: Protestgeschrei!

Auch beim Spielen gibt es so mancherlei Tücken. Mama darf nur mit einem bestimmten Spielzeugauto fahren. Er muss es aussuchen, ich darf mir nicht einfach eins nehmen. Und wehe ich fahre mal in die falsche Richtung! Das geht gar nicht. Auch darf ich die Leiter nicht ans Feuerwehrauto dran machen. Die muss ab!

Und wenn er sagt „Mama, singen!“, dann darf ich bloß nicht das falsche Lied anstimmen. Leider weiß man nie, welches gerade falsch ist. Das merkt man dann immer erst am Wutanfall.

So oder ähnlich sehen unsere Tage im Moment aus. Und ich kann Euch sagen: Es ist nicht einfach. Schon gar nicht für eine müde, unbewegliche und hochschwangere Mama. Es zerrt an den Nerven, wenn man es diesem kleinen Menschen einfach nicht recht machen kann. Und ich frage mich immer wieder, ob ich wirklich alles falsch mache.

Aber dann sehe ich manch andere Mutter mit einen gleichaltrigen Kind und stelle fest, dass die meisten von ihnen die gleichen Problemchen haben, mal mehr, mal weniger stark ausgeprägt. Und dann bin ich immer wieder ein wenig beruhigt und rede mir ein, dass es nur eine Phase ist. Dass es irgendwann sicher wieder leichter wird. (Hoffentlich sehr bald!)

Und es gibt auch genug Momente, in denen mir sehr deutlich bewusst wird, dass ich ganz sicher nicht alles falsch mache. Zum Beispiel, wenn mein Sohn mich freudestrahlend begrüßt, auch wenn ich nur eine halbe Stunde weg war. Oder wenn er sich an mich kuschelt und dabei „Och, Mama…“ sagt. Wenn er uns mit einem seiner Sprüche erheitert, was jetzt immer öfter vorkommt (wenn er nicht gerade wieder „Armes Monster“ zu mir sagt). Wenn ich Abends sein Zimmer verlasse und er mir sagt: „Liebe Dich, Mama!“

Unbezahlbare Momente…

2015-06-09-21-42-02-103

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