Kann man eine Geburt planen?

Daran scheiden sich sicherlich die Geister. Ich persönlich denke, die Antwort lautet „Nein„.

Es sei denn, man legt tatsächlich einen Termin für einen Wunschkaiserschnitt fest. Und selbst dann weiß man nicht genau, ob sich das Baby nicht doch noch entscheidet, früher auf die Welt zu kommen.

Die Geburt meines Sohnes verlief nicht besonders schön. Einen Tag vor dem errechneten Termin hatte ich in den frühen Morgenstunden einen Blasensprung. Bis dahin war alles in Ordnung. Ich war sehr entspannt, nahm noch ein Bad und dann machten wir uns auf den Weg in die Geburtsklinik. Es gab noch keine richtige Wehentätigkeit. Das fing erst am frühen Nachmittag an, doch weil der Muttermund sich nicht öffnete, wurde dann eine Einleitung durchgeführt.

Stillstand. Die Wehen wirkten sich nicht auf den Muttermund aus. So wurde am nächsten Tag erneut eingeleitet und dennoch tat sich nichts. Schmerzmittel gab es kaum; das bisschen, was ich bekam, half mir nicht im Geringsten. Erneut verging eine Nacht mit wenig Schlaf und vielen Schmerzen.

Am nächsten Morgen war davon die Rede, einen Kaiserschnitt durchzuführen, da sich die Werte zwischenzeitlich verschlechtert hatten. Ich war dafür.

Eine erneute Untersuchung ließ die Ärzte jedoch zu dem Schluß kommen, dass ein Wehentopf jetzt die richtige Wahl wäre. Da ich mit meinen Kräften schon längst am Ende war, bat ich um eine PDA. Und das war auch gut so. Denn so bekam ich endlich die Gelegenheit, ein wenig zu verschnaufen.

Doch trotz des Wehentropfs zog sich alles noch um mehrere Stunden hin.

Wieder wurde ein Kaiserschnitt in Erwägung gezogen, doch die Entscheidung der Ärzte fiel letztlich wieder dagegen. Als unter Geburt die PDA weggenommen wurde, sah ich mich außer Stande die Situation zu meistern.

Ich weiß nicht mehr wie, aber ich schaffte es dennoch. Doch selbst der Moment, als ich meinen kleinen, bezaubernden Sohn zum ersten Mal in den Armen hielt, ließ mich nicht vergessen, was in den vergangenen drei Tagen passiert war.

Dieser Augenblick war nicht magisch – so wie ich es mir erhofft habe und wie alle anderen es immer erzählen. Ich war glücklich, dass er jetzt endlich da war, aber vor allem war ich froh, dass ich diese „Tortour“ endlich hinter mich gebracht habe.

Das war die Kurzfassung. Denn die Erinnerung an die Geburt gehört nicht zu meinen Lieblingsthemen. Das war lange Zeit so. Die Erlebnisse rannten mir hinterher. Wochenlang. Monatelang. Bis ich versuchte, es einfach zu verdrängen.

Nicht darüber reden, nicht darüber nachdenken…

Doch das war offensichtlich ein Fehler. Ich hätte besser mit jemandem drüber reden sollen.

Denn so gut es irgendwann mit dem Verdrängen klappte, so schlagartig erfassten mich meine Ängste wieder, als ich erneut schwanger wurde. Wird es wieder genauso werden? Sollte ich besser gleich einen Kaiserschnitt durchführen lassen?

Ich sprach mit meiner Hebamme darüber. Sie war der Auffassung, dass ein Vorgespräch in der Geburtsklinik mir über meine Bedenken hinweghelfen könnte.

Meine Ärztin war allerdings der Meinung, dass mich das nicht weiterbringen würde – eine Gesprächstherapie wäre die bessere Wahl gewesen. Zu dem Zeitpunkt jedoch war es dafür bereits zu spät.

Die Geburtsplanung

In der 34. Woche hatte ich daher einen Termin zum Geburtsplanungsgespräch im Krankenhaus. Ich sprach mit der Oberärztin über meine Sorgen und Bedenken und über den Wunsch, dass ich – sollte es wieder so sein, dass der Muttermund sich nicht öffnet – keine Einleitung möchte, sondern mir in dem Moment die Option auf einen Kaiserschnitt offen steht.

Sie erklärte mir, dass die zweite Geburt zu 90 % wesentlich einfacher verläuft als die erste und versuchte mich von meinen „Wünschen“ abzubringen – mit den Kaiserschnitt also auszureden. Sie sagte, ich solle versuchen, mich zu entspannen, denn das macht die Sache nur schwerer.

Bei der dortigen Untersuchung stellt sich dann heraus, dass die kleine Bauchbewohnerin sich wieder gedreht hat und ich Beckenendlage liegt. Das würde die Situation komplett verändern, sollte es so bleiben. In dem Fall sollte ich mich in der 37. Schwangerschaftswoche erneut dort melden.

Doch was tun bei Beckenendlage?

Das Krankenhaus entbindet auch spontan, wenn das Kind falsch herum liegt. Sie haben Erfahrung mit solchen Geburten. Das macht die Geburt natürlich komplizierter und langwiehriger. Keine schöne Vorstellung.

Meine Hebamme riet mir, in dem Fall eine äußere Wendung durchführen zu lassen. Dies passiert im Krankenhaus (jedoch nur mit OP-Bereitschaft, falls etwas schief gehen sollte). Dennoch sollte ich diese Option in Betracht ziehen, denn es wäre besser als eine Geburt aus Beckenendlage.

Als meine Ärztin davon hörte, schlug sie gleich die Hände über dem Kopf zusammen und riet mir unbedingt davon ab. Denn: durch die äußere Manipulation könnte es passieren, dass sich das Baby die Nabelschnur um den Hals wickelt und dann würde ich sofort eine Vollnarkose bekommen und in den OP geschoben werden. Und das wäre sicherlich noch traumatischer und würde meine Gefühlswelt nur noch mehr ins Wanken bringen. Für sie wäre dann nur ein geplanter Kaiserschnitt die richtige Wahl.

Drei Stühle, drei Meinungen. Und ich mittendrin.

Ratlosigkeit und Bangen

Ich machte mir nun ernsthafte Gedanken, welche Wahl ich treffen würde, wenn sich herausstellt, dass die junge Dame sich noch nicht in die richtige Position gelegt hat. Platz hatte sie immer noch und ich spürte immer sehr viel Bewegung in meinem Bauch. Sicherlich war da auch die ein oder andere Drehung mit dabei. So fühlte es sich auf jeden Fall an und jeden Tag fühlten sich die Bewegungen anders an.

Die 37. Schwangerschaftswoche – Erleichterung

Da sind wir heute. Es stand wieder ein Vorsorgertermin an. DER Vorsorgetermin – der darüber entscheiden sollte, wie es weiter geht. Und ich wurde entgegen meines Gefühls beruhigt, denn sie liegt wieder richtig herum. Und die Wahrscheinlichkeit, dass sich das noch mal ändert, wird zunehmend geringer. Denn der Platz wird immer weniger.

Ich bin froh, dass mir eine Entscheidung somit erspart bleibt. Vorerst.

Aber ich gehe einfach mal davon aus, dass jetzt alles so bleibt, wie es ist, auch wenn sie noch nicht fest im Becken sitzt.

Dennoch bleibt die Frage, wie die Geburt nun tatsächlich verlaufen wird. Ich versuche mich so gut es geht zu entspannen.

Im Krankenhaus wurde mir zugesichert, dass eine spontane Geburt nicht mehr auf Biegen und Brechen erzwungen wird, so wie beim letzten Mal. Ein kleiner Lichtblick.

Trotz des Gesprächs habe ich alle meine Wünsche für die bevorstehende Geburt noch einmal zu Papier gebracht und einen Geburtsplan verfasst.

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Das habe ich damals auch schon bei meinem Sohn gemacht, jedoch habe ich ihn nicht im Krankenhaus abgegeben, weil ich mir irgendwie blöd dabei vorkam. Dumm, nicht wahr?! Ja, genau. Deswegen habe ich mir vorgenommen, dieses Mal den Mund aufzumachen, sollte etwas nicht so laufen, wie ich mir das vorgestellt habe. Dann kann man wenigstens darüber reden und vielleicht eine Lösung finden. Sprechenden Menschen kann geholfen werden.

Was ich also nun tun soll?

Versuchen zu entspannen, meine Ängste zu besiegen und mich auf die Geburt besser einlassen. Und reden, wenn mir etwas nicht passt, oder wenn es mir zu viel wird. Nur nichts mehr stillschweigend hinnehmen.

Dann wird sicher alles gut laufen.

37. Schwangerschaftswoche
37. Schwangerschaftswoche

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