Zauberhaft und turbulent – unsere ersten Tage zu viert

10 Tage ist sie nun bei uns, unser kleines, zauberhaftes Mädchen. Die ersten Tage vergingen wie im Flug.

Außer die Zeit im Krankenhaus. Dort war es etwas anstrengend.Ich hatte eine wirklich nette Zimmernachbarin. Ein Glück. Denn eigentlich hatte ich mir ja ein Einzelzimmer gewünscht. Jedoch waren alle Zimmer voll belegt. Und es war wie befürchtet: man kommt nicht wirklich zur Ruhe. Schon als ich gerade aus dem Kreißsaal ins Zimmer geschoben wurde, hatte sie Besuch. Ich hätte mich so gerne ausgeruht. Und da sie gleich einen zauberhaften kleinen Doppelpack hatte, war die Wahrscheinlichkeit umso größer, dass immer ein Kind schrie. An Schlaf war also nicht wirklich zu denken.

Am Nachmittag fuhr mein Mann dann nach Hause, um unseren Sohn abzuholen, damit er seine kleine Schwester kennenlernen konnte. Und es kam, wie ich es erwartet und nicht wie ich es mir erhofft hatte: er sah mich im Bett liegen und wollte sofort wieder gehen. Er wollte seine Schwester nicht mal richtig ansehen. Mir war zum Heulen zumute. Das Eis brach erst ein wenig, als er das Geschenk bekam, das seine Schwester ihm mitgebracht hatte – den Lego Duplo Bauernhof. Das kam super an! Trotzdem wollte er nicht lange bleiben. So schickte ich meine beiden Männer schweren Herzens nach Hause.

Die erste Nacht war kurz. Ich habe vielleicht drei Stunden geschlafen. Deswegen wollte ich am nächsten Tag eigentlich das Krankenhaus verlassen. Doch die Visite kam erst um 18.30 Uhr, daher hatte ich keine Chance mehr auf eine Abschlussuntersuchung. Vielleicht auch gar nicht so verkehrt, da ich starke Nachwehen hatte. Unser Großer war auch an diesem Tag wieder da und es klappte schon etwas besser, denn er wollte die Kleine immerhin streicheln und schließlich sogar auf dem Arm halten. Ein wenig Erleichterung machte sich breit.

Wir blieben nun eine weitere schlaflose Nacht und nahmen am nächsten Tag noch die U2 mit, bei der alles in bester Ordnung war. Und schließlich war ich dann auch noch dran und so konnten wir am späten Nachmittag die Fahrt nach Hause antreten. Heute war die Pusteblume sehr entspannt und verschlief den ganzen Tag, die Heimfahrt, die Ankunft Zuhause und die ganze Nacht und meldete sich nur, wenn sie hungrig war. Mein Großer hat mich freudestrahlend mit „Mama wieder da!!!“ empfangen und darüber war ich sehr froh.

Der Rest des Tages verlief zunächst ruhig und harmonisch. Meine Mutter hatte für uns gekocht und wir haben uns ordentlich den Bauch vollgeschlagen. (Übrigens fühlte es sich an, als würde mein Magen in ein bodenloses Loch fallen!) Nur dann ging es ans zu Bett bringen unseres Wildfangs. Er protestierte heftig und wehrte sich mit Händen und Füßen. Klar, er wusste ja, dass die Kleine noch unten bei uns bleibt, er ist ja nicht blöd. Daher passte es ihm überhaupt nicht, dass er nun schlafen gehen sollte. Verständlich. Aber nach langen Überredungskünsten gelang es uns schließlich doch. Der Abend war dann sehr still und entspannend und in der Nacht habe ich endlich mal wieder richtig gut geschlafen.

Am nächsten Morgen kam meine Hebamme zum ersten Mal und stellte – vermutlich genauso überrascht wie ich selbst – fest, wie entspannt ich bin. Als mein Sohn geboren wurde sah das ganz anders aus. Sie guckte sich die Pusteblume an, warf einen kurzen Blick auf meinen Bauch und konnte sich nach kurzer Zeit wieder auf den Weg machen, denn bei uns war alles in bester Ordnung. Meine Mutter entführte unseren Sohn dann zum Spaziergang und wir nutzen die Zeit, seine Spielecke umzugestalten. Das sperrige Bällead musste weichen und Platz machen für seine neue Holzeisenbahn. Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie groß seine Freude darüber war, als er wieder nach Hause kam! Die Mühe hat sich also absolut gelohnt!

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Der Nachmittag wurde dann leider etwas schwieriger. Das kleine Zaubermädchen quälte sich ganz offensichtlich mit Bauchschmerzen. Sie weinte viel und nichts half ihr wirklich. Das erschwerte die Situation mit oder für unseren Sohn umso mehr. Er weinte, wenn sie weinte, wenn auch total aufgesetzt. Er forderte unsere Aufmerksamkeit. Gar nicht so einfach beiden gerecht zu werden.

Doch es gibt auch ganz andere Momente. Momente, die das Herz zum Schmelzen bringen. Zum Beispiel, wenn die Kleine in der Wiege liegt und weint, rennt der große Bruder zu ihr und sagt „Keine Angst, Baby!“ Oder neulich streichelte er ihr über den Rücken und sagte „Ich hab‘ Dich lieb!“ Ist das nicht schön?

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Dennoch ist es oft eben schwierig. Und genauso liefen die nächsten paar Tage leider ab. Abends wurde viel geweint und es half nur, wenn die Kleine auf meinem Bauch lag. Nur so kam sie zur Ruhe. Und ich genoss es natürlich mit ihr zu kuscheln. Wisst Ihr eigentlich noch, wie gut Babys riechen? Ich hatte das völlig vergessen. Der Duft eines Babys entlohnt die Mama für vieles. Das hat Gott sich schon wunderbar ausgedacht! Immer wieder muss ich an der Kleinen schnuppern, es ist fast schon eine Sucht.

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Doch so schön die Kuschelzeit auch ist, genauso zerrissen fühle ich mich auch. Denn ich möchte doch auch für meinen Sohn da sein, will ihn nicht vernachlässigen. Und wenn ich ihn dann sehe, wie er allein für sich spielt oder sich Filme auf dem Tablet anguckt, bricht es mir jedes Mal ein bisschen das Herz und es fühlt sich an als würde ich ihn im Stich lassen. Etwas besser fühle ich mich, wenn Papa mit ihm spielt. Aber wie wird das wohl, wenn Papa wieder arbeiten muss? Bis dahin sind zum Glück noch zwei Wochen Zeit… und Papa kümmert sich so toll und entlastet mich wo er kann! Er ist und bleibt nun mal einfach der Beste!

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Die letzten drei Abende waren wesentlich besser, denn da hat die Zwergin friedlich in ihrer Wiege geschlafen und wir konnten unser Abendritual wie gewohnt mit unserem Sohn durchführen. Er wollte zwar trotzdem nicht wirklich ins Bett, aber es war schon wesentlich einfacher als an den vorigen Tagen. Und die Nächte? Die sind erstaunlich gut. Sie meldet sich alle 3 – 5 Studen zum Essen und schläft dann in der Regel relativ schnell wieder ein.

Letzten Freitag war ich zum ersten Mal wieder vor der Tür. Wir mussten noch mal zum Krankenhaus, denn der Hörtest musste noch durchgeführt werden. Und auch das erste Babyshooting haben wir dort noch gemacht. Es hat alles super geklappt, nur unser Wildfang wollte nicht mit seiner Schwester aufs Foto. Er hat sich strikt geweigert. Ganz am Ende haben wir dann aber doch noch ein Familienfoto geschafft. Ich bin schon sehr gespannt auf die Fotos. Danach war ich noch einkaufen und habe einen Gutschein für Babyklamotten im Kinderladen eingelöst. Es gibt ja sooo tolle Sachen! Das Geld war schnell weg. Am Ende des Tages merkte ich dann aber doch, dass alles ein bisschen viel war. Bin halt doch noch etwas schlapp, gönne mir viel zu wenig Ruhe. Aber es wird jeden Tag etwas besser.

Und die Waage? Die hat mir heute Morgen erzählt, dass ich bereits 10,1 kg verloren habe. Noch 4,3 kg – dann bin ich wieder auf dem Startgewicht. Und dann dürfen gerne noch 10 weitere Kilos runter. Aber so richtig werde ich mich darum erst Anfang nächsten Jahres kümmern. Noch brauchen wir alle ein bisschen Nervennahrung.

Mal sehen, wie es weitergeht. Ich denke wir werden eine Weile brauchen, bis wir einen neuen Rhythmus gefunden haben. Und sicher werde ich schon bald wieder am Rande des Wahnsinns stehen, wenn mein Mann wieder arbeiten muss. Bis dahin genieße ich meine eigene unverhoffte Lockerheit und hoffe, dass ich mir auch für die Zukunft ein Stück davon bewahren kann.

Ich hatte große Angst – vor der Geburt, vor der ersten Zeit mit Baby, vor der Reaktion meines Sohnes, der doch selbst eigentlich auch noch so klein ist. Und ich muss feststellen : Es ist alles gar nicht so schlimm! Alles wird gut! Und wenn es doch mal nicht so gut läuft, dann rufe ich mir einfach in den Sinn: Es geht vorbei…

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