Besseresser. Nicht. Gutschläfer. Schongarnicht.

Essen. Schlafen. Ganz große und nicht gerade unkomplizierte Themen bei meinem Sohn. Ja, bestimmt sagt Ihr jetzt „Das ist doch vollkommen normal!“. Vielleicht habt Ihr sogar recht. Aber es klappte doch alles schon so gut.

Als wir damals mit der Beikost anfingen, aß mein Sohn alles, was man ihm unter die Nase hielt. Alles. Außer es war grün. Aber damit konnte ich leben. Auch als er dann vom Tisch mit aß, klappte das ziemlich gut. Reis, Kartoffeln, Nudeln. Kein Problem. Gemüse ging auch, besonders Erbsen. Und später entdeckte er seine Vorliebe für Fleisch. Klar, es gab immer mal etwas, das er nicht mochte. Aber jetzt? Mag er fast gar nichts mehr. Das Frühstück wird meistens schon verschmäht. Was vermutlich wohl eher daran liegt, dass er meistens zeitgleich mit seiner Schwester aufwacht und sie dann erst mal eine Flasche braucht. In der Zeit verdrückt er dann schon immer ein Knäckebrot und ein Quetschie. Wenn ich Glück habe, gesellt er sich danach doch noch irgendwann zu mir in die Küche und ist seinen Joghurt und beißt ein Mal in sein Brot. Meistens wird das alles jedoch ignoriert. Nur der Actimel-Drink geht eigentlich immer im Laufe des Vormittags weg.

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Natürlich will er dann immer etwas naschen zwischendurch. Und (zu) oft bekommt er auch etwas. Wobei er glücklicherweise auch einige zuckerfreie Knabbereien mag. Aber bevorzugt wird im Moment Schokolade und Ü-Eier. Freue mich schon, wenn die wieder Sommerpause machen. Dieser ganze Kleinkram, der hier immer so rumfliegt und sich unter meinen Füßen fest tritt. Tut.Verdammt.Noch.Mal.Ziemlich.Weh. Nur zu toppen von Lego-Steinen!

Zurück zum Essen. Viel Zeit zum Kochen habe ich ja eh nie, außer am Wochenende. Doch egal wann ich mir unter der Woche mal einen abbreche und doch was auf den Tisch zaubere: Er.Isst.Es.Nicht.

„Ich habe keinen Hunger!“ „Ich will nicht essen!“ „Ich bin gerade beschäftigt, ich muss noch spielen!“

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Es sei denn, seine Lieblingsnudeln stehen auf dem Tisch. Natürlich die mit der Tomaten-Sahne-Soße. (Ehrlicherweise mag ich die aber auch am liebsten.)

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Hackfleisch-Soße funktioniert auch immer. Pommes mit Ketchup. Oder eher gesagt Ketchup mit Pommes. Und Sauerkraut mit Kartoffelbrei. Mein Kind liebt Sauerkraut. Das hat er ohne zu zögern probiert. Erstaunlicherweise. An Gemüse isst er sonst nur noch Paprika. Die früher so heiß begehrten Erbsen sind plötzlich eklig. Fleisch wird auch nur noch selten gegessen. Koche ich Dinge, von denen ich genau weiß, er würde sie mögen, wie Gnocchi oder Knödel, werden die nicht mal probiert. Haben die Nudeln eine andere Form, wie üblich, werden sie nicht probiert. Reis ist auch eklig. Manchmal stellt er sich an, als würde ich ihm Würmer servieren. Wenn ich ihn bitte, es doch wenigstens ein Mal zu versuchen, artet das ganze in einen Wutanfall aus. Inzwischen sage ich ihm einfach nur noch, dass ich mich freuen würde, wenn er es isst, aber er muss es nicht, wenn er nicht will. Den Stress tue ich mir nicht mehr an.

Was jedoch total absurd ist: Alles was auf seinem Teller liegt – ob er es nun mag oder nicht – muss unbedingt dort liegen bleiben. Iss es niemals selber auf. Niemals! Und wirf es erst weg, wenn er im Bett liegt! So kannst Du den Vulkanausbruch vermeiden. Ansonsten: Rette sich wer kann!

Trotzdem ist er ja hungrig. Dann mampft er zwischendurch Äpfel, Bananen, Trauben, Gurken. Oder eben sein Standard-Essen: Das obligatorische Knäckebrot und ein Quetschie. Das geht eben immer.

Am Abend geht das Drama von vorne los. Denn er weiß: wenn es Zeit zum Abendessen ist, hat bald sein letztes Stündchen geschlafen. Trotz Hunger, wird dann oft genug ein Aufstand gemacht, denn er will ja auf gar keinen Fall ins Bett gehen.

Wo wir zum nächsten Thema kommen. Das Schlafen. Seit einigen Wochen ein absoluter Graus.

Den Schlafanzug will er auf gar keinen Fall anziehen. Gar nicht! Das ist unfair! Und Schwups! Ist er abgehauen. Unter unserem Bett verschollen. Wenn er (gefühlte Stunden) später endlich wieder rauskommt, ist er ganz schwarz von den ganzen Staubmäusen, die es sich unterm Bett gemütlich gemacht haben. Vor allem am Mund, wo noch die Reste vom Abendessen kleben. Rabenschwarz. Kriegt man nur mit einem Hochdruckreiniger wieder sauber.

Nach langem Hin und Her ist das Thema Schlafanzug und Zähne putzen schließlich irgendwann abgehakt. Anschließend wird noch ein wenig gespielt und gelesen. Zuerst geht seine kleine Schwester ins Bett. Und.Dann.Ist.Er.Dran.

Das Drama geht in die nächste Runde. Er will sich nicht in den Schlafsack legen. Mehrfaches (nervtötendes) Zureden oder (noch mehr nervtötendes) Einfangen des Kindes, Wutanfall inklusive. Wir entscheiden uns in der Regel für Variante Nr. 1! Ist das auch endlich abgehakt, nimmt meistens Papa ihn auf den Arm, dann wird noch mal gekuschelt, es gibt von jedem für jeden einen Gute-Nacht-Kuss und dann geht es ab ins Bett. Eigentlich wird dann nur noch gebetet, was auch meistens der Papa machen muss, und dann ist Zapfenstreich. Eigentlich.

Was früher kein Problem war ist jetzt eins. Denn seit Wochen muss Papa immer noch bei ihm bleiben, sich auf den Boden legen, wird in lebenswichtige Gespräche verwickelt. Papa darf dann irgendwann nur gehen, wenn er mir Bescheid sagt, dass ich auch noch mal kommen soll, um mit ihm zu beten. Haben wir gesagt, dass es nicht jedes Mal so ein Hin und Her gibt, endete das wieder in einem Drama. Und er wuselt ewig rum, kann nicht einschlafen. Manchmal zwei Stunden lang. Warum das so ist? In unseren Gesichtern seht Ihr pure Ratlosigkeit.

Er nimmt über das Babyphone Kontakt zu uns auf, guckt mit großen Augen in die Kamera und erzählt uns Dinge wie „Ich war auf dem Kartoffelfest, Mama. Da bin ich auf einem Pony gereitet und geritten und da waren ganz viele Tiere. Wirklich, Mama!“ Das ist fast ein Jahr her. Er erinnert sich an alles und dieses Wissen wird unter anderem in solchen Momenten ausgepackt. Das ist zwar lustig. Aber.Es.Ist.Auch.Echt.Anstrengend.

Irgendwann hat er eingesehen, dass wir ihn nicht die halbe Nacht unterhalten können, sondern auch mal Feierabend brauchen. Augenscheinlich. Er fand einen anderen Weg, damit doch noch mal jemand zu ihm rauf kommt. Er zog sich seinen Schlafsack wieder aus. So ging es jetzt wochenlang jeden Abend.

Am Samstag war ich es satt. Ich habe ihm schließlich eine Bettdecke gegeben. Meine Sorge war jedoch immer, dass die Wühlmaus entweder die ganze Nacht ohne Decke da liegt oder sie sich über den Kopf zieht. Beides ist der Fall. Ich schleiche daher öfter in sein Zimmer, ziehe ihm die Decke aus dem Gesicht, decke ihn wieder zu. Aber immerhin kann er sich die Decke nicht „ausziehen“.

Die nicht. Dafür aber die Schlafanzughose. Seit gestern Nacht ist sie völlig verschollen. Hinterm Bett vermutlich. Ich gebe es auf. Offenbar ist es ihm einfach zu warm. (Jetzt lasse ich ihm nachts immer den Body an. Gibt es aber bald nicht mehr in seiner Größe.) Damit wenigstens sein Rücken bedeckt ist.

Wo er früher problemlos von Acht bis Acht schlief, schläft er heute von 21.30 bis 00.00 Uhr. Und wacht dann fast jede Nacht schreiend auf. Gehe ich zu ihm, um ihn zu beruhigen, mache ich die Sache nur noch schlimmer. Denn er will Papa. Immer nur Papa. Wenn ich ihm dann sage, dass Papa schläft und er doch morgen früh aufstehen muss, wird es noch dramatischer. Am Ende wird Papa dann doch meistens wach und kommt, um ihn zu trösten. Demnächst wecke ich ihn lieber gleich.

Weil die Nacht so kurz war, schläft er entsprechend lange. Oft bis 09.00 oder länger. Komme ich in sein Zimmer, will er natürlich nicht aufstehen. Oder er will sofort spielen. Entweder im Bett oder im Dunklen auf dem Boden. „Komm, ich ziehe Dich erst an!“ Das ist grundsätzlich ein Fehler. Er braucht morgens immer seine Zeit, um richtig wach zu werden und im neuen Tag anzukommen. Ganz fatal ist es, wenn er und seine Schwester gleichzeitig wach werden, was sehr oft der Fall ist. Denn dann heißt es beeilen! Und damit kommt er morgens so gar nicht klar. Das war aber schon immer so. Wie soll das nur werden, wenn er in die Kita kommt und morgens einfach nicht mehr so viel Zeit ist?

Wenn er denn überhaupt noch einen Platz in der Kita bekommt. Denn beide haben inzwischen abgesagt, dabei habe ich ihn bereits angemeldet, als gerade mal 9 Monate alt war. Jetzt wird er bald 3 Jahre alt und hat keinen Platz. Er ist ebenso enttäuscht wie ich. Einen kleinen Hoffnungsschimmer haben wir aber noch, bevor wir uns mit den Ämtern herumschlagen müssen. Am Montag dürfen wir uns kurzfristig in einer weiteren Kita vorstellen. Hoffentlich haben wir dort Glück.

Es wäre echt wichtig für ihn, wieder mehr unter andere Kinder zu kommen, mehr gefördert zu werden, denn obwohl er tagsüber wieder ausgeglichener ist, fällt ihm einfach die Decke auf den Kopf. Und dann übermannt ihn doch immer mal wieder die Wut. Was ich verstehen kann.

Also hoffe ich sehr, dass doch noch alles klappt. Und dann steht noch ein weiteres großes Thema an: Mission Windelfrei!

Davon will er momentan einfach noch nichts wissen. Er will nicht Bescheid sagen, wenn er muss. Verkriecht sich für seine Geschäfte lieber in Ruhe in den Flur.

To be continued…

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2 Gedanken zu “Besseresser. Nicht. Gutschläfer. Schongarnicht.

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