Das hat ja gar nicht mal so gut geklappt

Ich freute mich. Es war Samstag und Freunde kamen zu Besuch. Doch in meine Freude mischten sich auch ein paar leise Bedenken, wie es denn wohl klappen würde. Es war das erste Mal seit wir Eltern sind, dass wir abends Besuch bekamen. Bisher haben wir das doch lieber Nachmittags gemacht.

Daher hatte ich auch noch keinen Plan, wie wir es schaffen würden, die Kinder währenddessen ins Bett zu kriegen.

Experiment: Nur teilweise erfolgreich!

Aber von vorne. Der Tag war im Allgemeinen sehr geschäftig. Während Papa das große Kind badete, schlief die Kleine in ihrer Wiege. Ich wirbelte durch die Küche, machte klar Schiff. Räumte ein wenig das Wohnzimmer auf und dann sprang ich kurz in die Badewanne. Einkaufen musste ich auch noch ein paar Teile. Zwischendurch machte ich drei Maschinen Wäsche, schaute Bücher an mit meinen Sohn, bespaßte die Kleine. Papa musste noch schnell zum Friseur.

Als er wieder da war, versuchte ich erneut das Wohnzimmer aufzuräumen. Aber dann kam ein Wutanfall und ein schreiendes Baby dazwischen. So kümmerte sich jeder erst mal um ein Kind und dann musste es gleich weitergehen.

Die Zeit wurde langsam knapp. Ich musste dringend das Essen vorbereiten. Also hechtete ich in die Küche, schnibbelte Gemüse, würzte Fleisch, rührte Soße. Papa saugte in der Zeit.

Als das Essen schließlich im Ofen war, versuchte ich den Tisch zu decken. Doch mein Sohn legte mir Steine in den Weg. Gerade alles an seinen richtigen Platz gestellt, waren die Teller auch schon wieder verschoben. Er wollte sich auch nicht wirklich von Papa beschäftigen lassen. Doch auch das war dann irgendwann schließlich geschafft und ich war unendlich froh, dass ich nicht auch noch Salat schnibbeln und ein Dessert zubereiten musste. Das hat meine Freundin übernommen. Ein Glück!

Sie und ihr Mann waren dann schließlich auch bald da, und von dem Moment an quatschte mein Sohn sie ohne Punkt und Komma zu. Natürlich hatten sie auch gleich bei ihm einen Stein im Brett, denn sie brachten ihm Überraschungseier mit und Kinder-Maxi-Mix mitsamt einem Erdmännchen aus Plüsch.

Darf ich vorstellen: Das ist Eddy!

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Für die kleine Pusteblume gab es zuckersüße Puschen. Außerdem Tulpen für Mama! Da ist gleich Frühling angesagt. Wundervoll!

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Piep! Piep! Piep! Das Essen ist fertig! Und wie kann es anders sein? Pünktlich bekommt die junge Dame auch Hunger und verlangt nach einer Flasche. Läuft ja wie am Schnürchen! Papa hat sich geopfert, mit dem Ergebnis, dass das Essen auf seinem Teller kalt wurde. Und da unsere Teller nicht in die Mikrowelle passen, hat er es eben anschließend kalt gegessen.

Mein Sohn hatte in der Zeit schnell ein paar Nudeln verdrückt, nur damit er „unbedingt“ noch ein Ü-Ei und ein KinderCountry hinterherschieben konnte.

Obwohl die Kleine nun satt war, war sie dennoch nicht zufrieden. So saß sie auf meinem Schoß, während ich versuchte, meinen inzwischen auch kalt gewordenen Reis aufzuessen und sie gleichzeitig davon abzuhalten mit den Fingern auf meinem Teller herumzumatschen.

Nun war die Zeit auch längst reif, mit den Kindern nach oben zu gehen. Mein Sohn verabschiedete sich ausgiebig von unseren Freunden, die wir schließlich ein paar Minuten sich selbst überlassen mussten.

Ich nahm die Kleine und mein Sohn schnappte sich Eddy und außerdem noch ein trockenes Brötchen, das noch vom Mittag auf dem Küchentisch lag. Papa folgte ihm. Nachdem ich das Töchterchen bettfertig gemacht hatte, sagte ich meinem Sohn Gute Nacht, gab ihm einen Kuss und ging mitsamt Baby wieder runter zu meinen Freunden. Papa blieb noch eine Weile beim Wildfang und zog das übiche Abendritual durch. Ich legte die Kleine wie üblich in ihre Wiege, doch an Schlaf war nicht zu denken. Nein, es war ja mal wieder viel zu spannend, was da so alles vor sich ging und neugierig wie sie ist, lauerte sie über den Rand ihrer Wiege zu uns herüber. Das ging eine ganze Weile so, doch schließlich schlief sie ein. Um kurz nach Acht kam auch Papa wieder runter. Der Große schlief natürlich noch nicht, aber das waren wir ja gewohnt.

So saßen wir eine Weile gemütlich da, plauderten in Ruhe, tranken unseren Wein. Es war richtig schön. Plötzlich tauchte neben mir das U-Boot wieder auf. Zwei große Augen blicken wieder zu uns über den Rand der Wiege. Da wollte wohl jemand wissen, ob es irgendwas gibt, das man vielleicht verpassen könnte. Aber nach etwa 10 Minuten war ihre Neugier gestillt und sie schlief schließlich weiter.

Mein Sohn hingegen turnte immer noch in seinem Bett herum. Über das Babyphone sah ich entsetzt, dass er das Brötchen in der Hand hatte. „Oh, das lag vorhin noch auf dem Stuhl neben dem Bett!“, sagte Papa. Na ja, jetzt wohl nicht mehr. Und es dauerte auch nicht lange, bis wir zwei große Augen vor der Kamera sahen: „Mama, da sind Krümel in meinem Bett!“ Ach! So ging ich rauf, wischte das Gröbste aus dem Bett. Aber das war natürlich nicht gut genug und überhaupt wollte er lieber den Papa. Der kam dann auch, ich ging wieder runter. Wir saßen dann da und beobachteten das Schauspiel, das sich oben abspielte über das Babyphone. Kino könnte nicht besser sein. Mein Mann nahm letztendlich nämlich die ganze Matratze aus dem Bett, damit auch wirklich alle Krümel restlos entfernt waren. Aber selbst dann durfte er trotzdem noch nicht gehen und eine ganze Weile weinte mein Sohn. Doch irgendwann kam er schließlich zur Ruhe. Was für ein turbulenter Abend! Und ziemlich chaotisch. Doch trotzdem war es schön und ich habe das gemütliche Beisammensein richtig genossen, ist es doch wirklich zur Seltenheit geworden.

Irgendwann verabschiedeten sich die beiden und wir ließen den Abend auf dem Sofa ausklingen. Als wir da so saßen, sagte ich zu meinem Mann: „Das hat ja gar nicht mal so gut geklappt heute!“ Und wir lachten beide.

Die Ruhe währte auch nicht allzu lange. Gegen 01.00 wachte mein Sohn wieder schreiend auf, lange Zeit nicht ansprechbar und überhaupt nicht zu beruhigen. Völlig machtlos versuchten mein Mann ebenso wie ich, ihn zur Ruhe zu bringen. Das hat echt lange gedauert. Denn auch als er aufhörte zu weinen, durfte keiner von uns gehen. Um 01.45 war ich dann schließlich wieder im Bett, Papa blieb noch eine Weile bei ihm.

Als mein Sohn heute morgen wach wurde, ging ich in sein Zimmer – die anderen schliefen noch – und wir setzen uns auf den Boden und lasen ein Buch. Da findet er doch plötzlich…den Rest von dem Brötchen. Und diesen musste er dann unbedingt auch noch vertilgen. „Aber das ist doch total hart und trocken!“, sagte ich. „Ich kann das trotzdem essen, Mama!“ Okay. Die Krümel sind jetzt wirklich überall.

Ich geh dann jetzt mal sein Zimmer saugen.

 

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