Ein Abschiedsbrief

Mein lieber Freund…

Gestern erhielt ich die schreckliche Nachricht. Ein Unfall und dessen Folgen. Plötzlich hörte sich die Welt auf zu drehen. Deine Welt. Du bist nicht mehr da. Und ich bin fassungslos. Wie so viele andere auch.

Wir haben uns in letzter Zeit selten gesehen, viel zu selten. Und das tut mir Leid. Seit ich Mutter bin, laufen meine Uhren anders. Meine Freunde kommen oft viel zu kurz. Vor allem die, die nicht um die Ecke wohnen, so wie Du. Doch jetzt ist mir schlagartig bewusst geworden, wie schnell alles vorbei sein kann.

Schon als wir uns vor vielen Jahren kennen lernten, hatten wir gleich sehr viel zu lachen. Denn Du hattest immer lustige Sprüche parat. Manchmal rotzfrech, immer mit einer Spur Ironie. Aber ich konnte sehr gut kontern. Es hat sehr viel Spaß gemacht Wortkämpfe mit Dir zu führen.

Ich glaube, jeder der Dich kannte, mochte Dich. Denn es war wirklich schwer, Dich nicht zu mögen. Auch wenn Du jeden auf die Schippe genommen hast. Du warst der einzige, der sich sogar über meine überflüssigen Pfunde auslassen durfte, ohne dass ich Dir hätte böse sein können. Das warst halt einfach Du. Und das war gut so!

Du hast mich sogar dann zum Lachen gebracht, wenn mir gar nicht danach zumute war. Wenn Du wolltest, konnte man mit Dir aber auch ernste Gespräche führen. Doch meistens wolltest Du nicht.

Du warst mir all die Jahre ein guter Freund. Wir telefonierten ein Mal im Monat. Immer wieder Donnerstags. Wir trafen uns „regelmäßig“ zwei Mal im Jahr. Wir gingen zusammen essen, shoppen, Bowling spielen, ins Kino. Wir kochten zusammen in Deiner klitzekleinen Küche, in der all die Zeit eine Packung Zwieback stand, die schon seit Jahren abgelaufen war. Wir spielten gerne 10.000, und meistens habe ich verloren. Zeit und Raum standen nie zwischen unserer Freundschaft.

Als mein Sohn zur Welt kam, änderte sich vieles. Trotzdem brach der Kontakt nie ab. Als Du das letzte Mal bei uns warst, hast Du uns die Pläne für Dein Haus gezeigt, das Du bauen wolltest. Pläne, die nun für immer auf Eis liegen.

Das letzte, das ich von Dir hörte vor einigen Wochen, waren Urlaubsgrüße aus der Türkei, ein Foto mit dabei. Ich habe die Nachricht bedenkenlos gelöscht, wusste ich doch nicht, dass es das letzte war, was ich je von Dir hören würde.

Wir hatten grob das Frühjahr angepeilt für unser nächstes Treffen. Es wird nun nicht mehr stattfinden. Und ich bin tieftraurig darüber.

Wenn jemand stirbt, ist das immer schlimm. Aber Du bist verdammt nochmal viel zu früh gegangen.

Zum Abschied möchte ich Dir Danke sagen. Danke dafür, dass Du mich immer zum Lachen gebracht hast. Danke, dass Du mir immer ein guter Freund warst. Ohne Dich ist die Welt ein Stückchen trauriger. Du wirst mir fehlen!

Bis wir uns wiedersehen…

Deine Krümi

„Denn dies ist der Wille meines Vaters, daß jeder, der den Sohn sieht und Glauben an ihn ausübt, ewiges Leben habe, und ich will ihn am letzten Tag zur Auferstehung bringen.“ Johannes 6,40

 

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13 Gedanken zu “Ein Abschiedsbrief

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