Die Kunst des Vergessens

Kinder haben eine besondere Gabe. Sie können vergessen. Von einer Sekunde auf die andere.

Sie streiten sich mit ihren Freunden um ein Spielzeug, sind beide sauer und nur fünf Minuten später spielen sie wieder friedlich miteinander, als ob nichts gewesen wäre.

Oder: Mein Sohn ist total wütend auf mich, weil er seinen Willen nicht bekommt, tobt und wütet, Eins kommt zum Anderen und schließlich verliere ich die Geduld, werde laut. Die Gemüter sind auf beiden Seiten dermaßen erhitzt, dass es die beste Lösung ist, sich für eine Weile aus dem Weg zu gehen. Er tobt eine Weile weiter vor sich hin, in mir brodelt es ebenfalls nach wie vor. Doch irgendwann taucht er wieder auf, fröhlich, als hätte er die Sonne verschluckt, plaudert mit mir, kuschelt sich an mich – als wäre niemals die Stimmung zwischen uns gekippt.

Ich beneide ihn darum. Denn ich fühle mich nach solchen Machtkämpfen erschöpft, ausgelaugt. Ich schaffe es nicht, einfach den Schalter wieder umzulegen. Ich knabbere noch eine ganze Weile am Geschehenen.

Und genauso kommt es doch auch im Umgang mit anderen Menschen immer wieder vor. Sei es unter Kollegen, Freunden oder auch in der Familie – kommt einem jemand quer, schleppt man es mit sich herum, ist nachtragend, hält es dem anderen ewig vor. Erwachsene können so furchtbar verbissen sein.

Sollten wir nicht vielmehr wie Kinder werden? Einfach vergessen und weiter machen, ohne nachtragend zu sein? Einfach den Schalter umlegen?

Unmöglich, sagt Ihr? Einfach ist das sicher nicht – aber wir könnten es versuchen. In solchen und vielen anderen Situationen könnten wir uns ein Beispiel an unseren Kindern nehmen. Völlig naiv und intuitiv machen sie so oft einfach das Richtige. Mit kindlicher Leichtigkeit.

Nicht nur wir sind Vorbilder für unsere Kinder – sie sind es genauso für uns.

3 Gedanken zu “Die Kunst des Vergessens

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