Wir sind

„Hallo, wir sind…!“ Ja, wer sind wir denn eigentlich? Vielleicht weißt Du schon eine Menge über uns, liest unsere Geschichten über den Alltag, das Leben, die Liebe.

Nicht? Dann erzähle ich Dir jetzt ein bisschen von uns.

Wir sind vier. Die klassische Familie. Papa, Mama, Sohn und Tochter. So normal und unnormal wie jede andere Familie auch.

Am Anfang gab es nur uns zwei – meinen Mann und mich. Wir hatten einen etwas holprigen Start und dann ging alles Hals über Kopf. Wir heirateten, genossen unser Leben zu zweit in vollen Zügen. Wir gingen viel aus, lieben gutes Essen und das Kino. Wir reisen gern, erkunden die Welt, gern auch abseits der vorgezeichneten Wege. Wir sind Entdecker und Abenteurer.

Wir lieben Musik. Er lässt seine Finger mit Leichtigkeit über die schwarz-weißen Tasten gleiten, ich versuche mich am Gesang. Früher machten wir das oft gemeinsam, heute fehlt dafür die Zeit.

Wir kauften ein kleines Häuschen aus den 80ern, bereiteten uns ein gemütliches Nest. Richtig fertig wird es aber wohl nie. Wir stellten fest, dass es immer etwas zu tun und zu verändern gibt, in den eigenen vier Wänden. Das Problem ist das nötige Kleingeld.

Mein Mann ist oft beruflich unterwegs, ansonsten arbeitet er aber im HomeOffice. Das ist toll, auch wenn die Geräuschkulisse sich für ihn so manches Mal als Problem darstellt.

Ich arbeite nicht, denn wir haben entschieden, dass die Kinder in den ersten drei Jahren nicht in den Kindergarten gehen sollen. Die wichtigsten Jahre sollten sie mit den für sie wichtigsten Menschen verbringen. Eine gute Entscheidung. Es fühlt sich einfach richtig an. Angestellt bin ich trotzdem noch, jedoch weiß ich nicht, ob ich in diesen Beruf zurückkehren werde. Diese Entscheidung hat noch etwas Zeit.

2013 wurde aus dem Paar eine kleine Familie – unser Sohn wurde geboren. Wir dachten gerade erst ernsthaft über Familienplanung nach, da kündigte er sich schon an. Und dann kam er schließlich, nach einer langen, schweren Geburt. Wir hatten wirklich keinen leichten Start. Schon bald stellte sich heraus, dass er ein Schreibaby ist. Drei Monate später wussten wir endlich, was ihn quälte. Er litt am KiSS-Syndrom. Er wurde von einer Osteopathin behandelt und von da an ging es steil bergauf. Er holte seine Defizite in Windeseile auf, krabbelte früh, fing bald darauf an zu laufen. Sein Wortschatz explodierte von einem Tag auf den anderen und er redet so klar, so überlegt, so witzig. Er liebt Dinosaurier über alles, spielt gern mit Lego Duplo, schaut gern Filme an, lernt Englisch, gewinnt immer beim Memorie, Sticker-Alben stehen hoch im Kurs. Er liebt baden, aber hasst Haare waschen. Er nascht zu viel und ansonsten will er immer nur Nudeln. Er geht bereitwillig ins Bett, steht dann aber noch mindestens fünf Mal auf. Er singt oder redet den ganzen Tag. Er läuft ständig weg oder er läuft gar nicht. Im Indoorspielplatz ist er kaum zu bremsen. Er will nie in den Kindergarten, erzählt mir aber jeden Tag, dass es ihm gut gefallen hat. Er erinnert sich an alles. Elefantengehirn. Er will ständig in den Urlaub fahren. Das hat er von mir. Er ist oft wütend. Das ist manchmal ganz schön schwer, für uns alle. Er braucht viel Nähe, auch wenn er manchmal das Gegenteil behauptet. Früher wollte er nie kuscheln, heute dafür umso mehr. Er liebt meine selbsterfundenen Geschichten. Über Dinosaurier natürlich. Er ist wild und laut und ungestüm. Ein echter Junge eben.

Zuerst dachten wir, wir wären mit einem Kind glücklich. Aber es blieb das Gefühl, dass jemand fehlt. Und tatsächlich wird immer jemand fehlen, denn 2014 erlitt ich eine Fehlgeburt.

Etwa vier Monate später wurde ich wieder schwanger und so wurde unsere kleine Familie komplett, als 2015 unsere Tochter geboren wurde. Ich hatte panische Angst vor der Geburt und davor, dass die ersten Monate wieder so schwierig werden könnten. Doch es kam alles anders. Alles war so leicht und ich völlig tiefenentspannt. Das kleine Mädchen schlief den ganzen Tag, nur hin und wieder quälten Bauchschmerzen sie. Sie trank schlecht, war aber offenbar zufrieden. Sie war mit allem etwas langsamer, als ihr Bruder, krabbelte erst zwei Monate später, zog sich spät hoch, bekam spät die ersten Zähne. Aber dann kam alles auf einmal. Plötzlich lief sie los, kletterte überall hoch und ist seitdem nicht mehr zu bremsen. Dennoch macht sie alles überlegt, vorsichtig und mit Bedacht. Sie liebt Bücher, Käse, Quetschies und Gummiringe. Sie will ständig, dass ich Tierstimmen imitiere, etwas vorsinge, ihr den Kopf kraule. Sie rennt den halben Tag mit Mütze herum und ohne Socken. Wenn sie ein Feuchttuch in die Finger bekommt, wischt sie damit jedem den Mund ab. Sie nennt jeden Mama. Sie beantwortet jede Frage mit einem kurzen, knappen „Ja!“. Sie kuschelt für ihr Leben gern. Sie kommt gerade in die erste Trotzphase. Ich bete, dass es bei ihr glimpflich abläuft. Sie liebt Schuhe. Ihre Augen sind strahlend blau. Sie ist ein richtiges Mädchen und ich hätte nicht gedacht, dass es tatsächlich so viele Unterschiede gibt.

Das sind wir. Wir sind eine Familie, die lebt, liebt und lacht. Wir sind nicht perfekt. Es ist nicht immer alles harmonisch, auch wenn wir uns danach sehnen. Manchmal kracht es, aber danach vertragen wir uns wieder. Manchmal stehen wir am Rande des Wahnsinns. Meistens jedoch tanzen wir durchs Leben. Wir entdecken und überdecken. Wir kaufen zu viel Spielzeug und Essen zu viel Schokolade. Wir versinken im Chaos und Staub und Dreck fühlen sich bei uns heimisch. Wir träumen Träume, auch wenn sie manchmal unerreichbar sind. Hauptsache wir haben Träume. Wir haben einen Blick fürs Schöne, aber es wird nichts geschönt. Wir sind echt, wir sind wir. Mit all unseren Stärken und Schwächen.

Und davon erzähle ich Euch hier. Zu selten, das stimmt. Denn das echte Leben geht vor. Doch freue ich mich über Euch. Und ich hoffe, dass unsere Geschichten Euch gefallen, dass Ihr Euch bei uns wohlfühlt. Schaut doch öfter mal vorbei, hinterlasst einen Gruß und erzählt mir doch von Euch. Denn Ihr gehört dazu!

Eure Nadine 

4 Gedanken zu “Wir sind

  1. Liebe Nadine,

    schön so viel von euch zu erfahren.
    Unglaublich wie ähnlich unsere Familien sich sind, außer dass bei uns der Papa und die Tochter fehlen. Aber ich erkenne mich oder uns in vielem wieder.

    Nudeln…Finni könnte immer Nudeln essen. Sobald ich mit der Soßen Kelle ankomme, schüttelt er wild mit dem Kopf.
    Naja dann bekommt er halt hinterher noch ein paar Süßigkeiten um die fehlenden Nährstoffe zu holen 😀

    Liebe Grüße,
    Swantje

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