Schwachmom

Supermom war gestern. Schwachmom mit enormen Antikräften ist heute die Heldin des Alltags. Nicht. Schwachmom hat nämlich alles – nur keine Kraft.

Mag es daran liegen, dass ihr Sohn – auch gerne Kid Flash genannt – einfach zu viel Energie hat und aufgrund dessen am Vorabend erst um kurz vor 23.00 Uhr die Augen schloss? Oder war die Tatsache Schuld, dass um 03.00 Uhr der Wecker von Superdad klingelte, der eine wichtige Mission zu erfüllen hatte?

Genau so könnte es gewesen sein. Nachdem mein Mann sich in tiefster Nacht verabschiedet hatte, war ich gerade dabei wieder einzuschlummern, als mein Sohn nach mir rief, weil sein Hörspiel aus war. Ich stand auf, schaltete das Hörspiel ein und er schlief selig weiter. Ich. Aber. Nicht. Ich war wach. Einfach wach.

Ich wälzte mich ewig herum. Von links, nach rechts, auf den Rücken, auf den Bauch, bis schließlich nichts mehr bequem war. So vergingen dreieinhalb Stunden, bis letztendlich mein Wecker klingelte. Aufstehen wollte ich mal so gar nicht. Nützt aber ja nichts. Ich schleppte mich ins Bad und schüttete etwa 10 Liter kaltes Wasser über mein Gesicht. Hat auch nichts gebracht. Ich sah halt einfach wie ausgekotzt aus. Mit genügend Spachtelmasse hätte ich die Augenringe sicher wegzaubern können, aber allein schon aus Faulheit hatte ich da Mut zur Lücke.

Der Morgen verlief erstaunlich gut. Der Wildfang war im Kindergarten und die Kleine mit Oma spazieren. Und ich hatte tatsächlich so etwas wie Elan, was vermutlich daran lag, dass ich beflügelt war, weil ich heute Urlaub gebucht habe. Na ja – es dauert zwar noch verdammt lange, aber wir haben ein (wenn auch noch fernes) Ziel vor Augen. Im Juni geht es nach Kos. Und darauf bin ich echt gespannt, denn wir waren dort noch nie.

Mit dem Mittagessen habe ich mich so richtig ins Zeug gelegt. Es gab Tiefkühlpizza für alle! Bekomme ich dafür eine Medallie?

Und danach kam er: Der gefürchtete tote Punkt! Ich hatte zu nichts mehr Lust. Nur schlafen wäre voll mein Ding gewesen. Meine Schwiegermutter wollte aber spazieren gehen, die Kinder ebenso. Immerhin konnten wir uns darauf einigen, nur bis zum Spielplatz zu laufen, anstatt einmal die Welt zu umrunden.

Der frische Wind hat mich schließlich wieder ein bisschen wach gerüttelt und wir hatten eine schöne Zeit auf dem Spielplatz.

Als es aber dann echt zu kalt wurde, traten wir den Heimweg an und ich war richtig durchgefroren. Daran hat auch eine Tasse Tee nichts geändert. Etwas teilnahmslos saß ich dann eine Weile herum, bis ich mich schließlich aufraffte, um das Abendessen für die Kinder zuzubereiten. Gleich danach verabschiedete ich mich zu meiner wöchentlichen Massage und auf halber Strecke fiel mir Rabenmutter auf, dass ich ganz vergessen hatte, am Gartentor noch einmal anzuhalten, um meinen Kindern zu winken – so wie wir es immer machen. Ein starkes Anzeichen für geistige Umnachtung.

Als ich etwa 40 Minuten später wieder zu Hause aufschlug, entschuldigte ich mich für meine mangelnde Kompetenz. Die Kinder waren gerade umgezogen, da flogen ein paar lila-rosa Wolken am Kinderzimmerfenster vorbei. Ich sprang ans Fenster, rannte auf die andere Seite, aber wirklich gut sehen konnte man nichts. Auch oben aus meinem Büro war die Sicht auf den traumhaft schönen Abendhimmel doch stark eingeschränkt.

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Ich müsste raus gehen für ein tolles Foto. Mit den Worten „Ich bin in fünf Minuten wieder da!“ verabschiedete ich mich kurz, um Richtung Wald zu laufen, weil ich dort schon einige tolle Sonnenuntergänge fotografiert habe. Aber: Das war im Sommer. Jetzt ist Herbst und die Sonne geht viel früher – und daher auch an ganz anderer Stelle – unter. Wo ich aber jetzt schon mal draußen war, wollte ich unbedingt auch ein Bild machen. Und so rannte ich, und rannte, und rannte, und rannte… Je weiter ich lief, desto mehr Häuser und Bäume versperren mir die Sicht. Schließlich rannte ich den Berg runter ins Bruch und über den Feldern war die Sonne zwischenzeitlich schon verschwunden. Sie hinterließ nur das hier für mich.

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Und nun musste ich auch noch den ganzen Weg wieder zurücklaufen. Ich rannte los.

Mit Schnappatmung und Schmerzen in den Beinen stolperte ich schließlich wieder ins Kinderzimmer, wo die Kinder mit Oma gerade ein Buch lasen. Ich muss mindestens zwanzig Minuten weg gewesen sein.

Nach einer Weile bekam ich wieder Luft. Aber meine Beine sind hinüber. Meine Schienbeine sind wie gelähmt, die Muskeln darüber fühlen sich taub an und ich kann kaum noch die Füße heben. Jetzt sagt Ihr, an den Schienbeinen hat man doch gar keine Muskeln?! Sagt mein Mann auch immer. Aber ich habe Fibromyalgie. Und glaubt mir, man hat deutlich mehr Muskeln, als man erahnt. Ich kenne sie alle. Ich gleiche jetzt auf jeden Fall einem lahmenden Pferd. Mit Grazie hat mein Gang rein gar nichts mehr zu tun – und ich fürchte, ich werde noch ein paar Tage was davon haben. Isso.

Wer braucht schon Supermom, wenn er auch Schwachmom haben kann?

Hier ist jetzt endlich Ruhe eingekehrt und Schwachmom verabschiedet sich ins Bett, zu einer hoffentlich erholsamen Nacht. Und genau die wünsche ich Euch auch…

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