Eifelzauber

Erinnert Ihr Euch? Im Mai kam meine Freundin aus Argentinien zu Besuch und ich war erfüllt von großer Vorfreude. Zehn lange Jahre hatten wir uns nicht gesehen. Das Wiedersehen war wunderschön. Wir haben erst mal drei bis vier Runden geheult und uns immer wieder freudig umarmt. Nun galt es, zehn Jahre innerhalb kurzer Zeit nachholen. Es gab so viel zu bereden. Daher hatte ich einen Tag nur für uns allein geplant – ein Tag an dem wir viel Zeit hatten, um uns auszutauschen.

Da ich mich letztes Jahr in unserem Urlaub total in die Eifel verliebt habe, plante ich einen schönen Ausflug dorthin. Ich holte meine Freundin an einem Samstag Morgen bei ihrer Schwester zu Hause ab und wir machten uns auf den Weg Richtung Eifel. Über unser Ziel hatte ich jedoch nichts verraten – ich habe ihr nur gesagt, welche Ausrüstung wir für diesen Tag brauchten. Bequeme Schuhe waren das A und O.

Unser erstes Ziel war die Burg Eltz in Wierschem. Ich wusste, dass das die perfekte Überraschung für sie wäre, denn sie liebt das Mittelalter und Burgen genauso sehr wie ich. Während der knapp zweistündigen Fahrt rätselte sie immer wieder, wo es denn wohl hingehen könnte – bis sie schließlich die Beschilderung zur Burg Eltz sah; da machte es plötzlich klick und sie freute sich wahnsinnig. Eine Weile später – nach einer kleinen Irrfahrt – parkten wir den Wagen auf dem Parkplatz der Burg Eltz. Von hier aus gibt es zwei Fußwege zur Burg. Wahlweise kann man auch den Shuttlebus nutzen. Wir entschieden uns, den 1,3 km langen Waldweg zu gehen.

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Wir treten ein, in den leuchtend grünen Wald…
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Glücklich, dass wir uns nach so langer Zeit wieder haben…
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Wir genießen die Schönheit des Waldes…

Und dann warteten wir gespannt, wann sich uns der Blick auf die Burg eröffnet.

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Und da ist sie – in voller Pracht
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Meine Freundin ist begeistert!
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Wie im Märchen…

Diese wundervolle Burg aus dem 12. Jahrhundert, überstand unbeschadet alle Kriege und ist seit ihrer Erbauung in Besitz einer einzigen Familie.

Wenn Ihr die Burg besuchen möchtet, rate ich Euch vor 11.00 Uhr dort zu sein. So könnt Ihr lange Wartezeiten vermeiden, wenn Ihr an einer Führung teilnehmen möchtet.

Genau das haben wir auch getan. Mit einer kleinen Gruppe von sieben Personen wurden wir durch die Burg geführt und tauchten in längst vergangene Zeiten ein. Als wir etwa 45 Minuten später wieder ins Freie traten, wurden wir von einer großen Menschenansammlung empfangen, die alle darauf warteten, ebenfalls an einer Führung teilzunehmen. Wir hatten also alles richtig gemacht.

Wir aßen dann noch auf der Burg noch zu Mittag – Currywurst mit Pommes – traditionell mittelalterlich. Gut gesättigt machten wir uns wieder auf den Weg. Da wir am diesem Tag noch einige Kilometer vor uns hatten, waren wir in diesem Moment gnädig mit uns selbst und nutzen den Shuttlebus, anstatt den steilen Aufstieg zu Fuß zu meistern. Wieder am Parkplatz angekommen, setzten wir unsere Reise fort.

Es ging ins 16 km entfernte Trimbs. Von dort aus wollten wir den Traumpfad Nette-Schieferpfad wandern. Dieser 9,2 km lange Rundweg ist mit „mittelschwer“ gekennzeichnet. Leicht kann ja jeder, dachte ich! Da wir aber beide keine geübten Wanderer sind, sollte dieser Weg die ein oder andere Herausforderung für uns bereithalten.

Wir starteten ab dem Dorfplatz (Auf dem Reusch) in Trimbs und waren zunächst ein wenig orientierungslos, weil uns nicht ganz klar war, in welche Richtung wir gehen mussten.

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Wir suchten erst einmal Orientierung…

Schließlich gingen wir los, hielten uns links. Zuerst ging es unter einer Brücke entlang. Kurz darauf kamen wir in den Wald und es wartet ein erster – heftiger – Anstieg auf uns.

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Was auf dem Bild so harmlos aussieht, entpuppt sich als große Herausforderung – der erste Aufstieg von vielen…

Ich japste regelmäßig nach Luft und meine Beine schmerzten. Das fängt ja gut an! Aber schlapp machen gilt nicht. Wir gingen tapfer weiter, auch wenn wir immer wieder anhalten und durchatmen mussten.

Oben angekommen eröffnete sich uns dieser Blick auf Trimbs.

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Anschließend ging es eine Weile vorbei an Feldern und Wiesen.

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Saftiges Grün an strahlendem Blau

Nach einer Weile passierten wir den Aussichtspunkt Burgkopf und genossen einige Minuten den Blick ins Tal, bevor es wieder in den Wald ging.

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Anschließend kamen wir zum Lehnen-Viadukt und durchquerten den etwa 250 Meter langen Tunnel „Hausen 2“.

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Tunnelblick

Wir genossen danach die Aussicht vom Nette-Viadukt und gelangten nach stetigem Auf und Ab an die Nette.

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Wir folgen eine Weile dem Fluss…
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…bis wir schließlich zum Wasserfall kommen.

Danach verließen wir den Wald und erreichten nach einem erneuten Anstieg die Trimbser Schweiz. Wir wanderten an Schiefer-Felsen entlang und uns eröffneten sich immer wieder fantastische Weitblicke.

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Die Anstrengung lohnte sich…

Nach einer ganzen Weile erreichten wir einen ganz wundervollen Aussichtspunkt. Dort stand extra für uns eine Liege bereit. Ein Platz an der Sonne. Wir machten es uns dort gemütlich und redeten und redeten – so wie wir es eigentlich schon den ganzen Tag taten, wenn wir nicht gerade an Schnappatmung litten. All die Jahre und die Entfernung standen nicht zwischen uns. Es war fast so, als wäre sie nie weg gewesen.

„So stelle ich mir das Paradies vor!“, sagte ich schließlich zu meiner Freundin, bei diesem herrlichen Ausblick.

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Was für ein friedlicher Ort…

Wir blieben fast eine Stunde dort oben sitzen und waren die ganze Zeit allein. Andere Wanderer trafen wir nur sehr selten. Wir genossen die herrliche Ruhe. Man hörte nichts weiter, außer den Klang der Natur. Als wir schließlich merkten, wie sehr die Sonne brannte, rafften wir uns wieder auf. Das Laufen fiel nun noch ein kleines bisschen schwerer. Zwischenzeitlich wurde der Weg dann jedoch etwas einfacher und führte uns an leuchtend gelben Rapsfeldern vorbei. Wir konnten nicht anders, als hinein zu gehen.

Schon bald wurde der Weg wieder holpriger und man musste gut aufpassen, weil überall Geröll lag.

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Die Schuhe – mein größter Fehler…
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Langsam ging es wieder abwärts…

Wir merkten, dass sich unsere Wanderung langsam dem Ende zuneigte, als wir wieder an die Nette kamen. Wir gönnten unseren geschundenen Füßen eine kleine Abkühlung. Was für eine Wohltat!

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Eine Abkühlung war dringend nötig…
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KAAAALT!!! Aber sowas von…
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So idyllisch…

Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie gut das tat! Danach lief ich (fast) wie auf Wolken. Weit hatten wir es dann aber auch nicht mehr. Nach einem guten Kilometer kamen wir wieder am Parkplatz an.

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Geschafft!

Wir traten schließlich die Heimfahrt an – müde, aber glücklich.

Alle Highlights der Wanderung auf dem Traumpfad Nette-Schieferpfad, könnt Ihr hier in meinem Video anschauen.

Die Wanderung hat sich wirklich gelohnt, auch wenn sie für uns Ungeübte doch ziemlich anstrengend war. Was ich bereue? Dass ich die falschen Schuhe getragen habe. Ich hatte meine bequemsten Sneakers gewählt, doch der Druck auf den großen Zeh war bei den unzähligen Abstiegen enorm groß und sehr schmerzhaft. Ich habe sogar heute noch was davon – der Nagel ist nach wie vor blau. Bei meiner Freundin übrigens auch. Wir Profis, wir… Ich empfehle Euch daher unbedingt Trekkingschuhe. Ich habe mir inzwischen auch welche gekauft. Sowas passiert mir nicht noch einmal.

Es war ein wirklich toller Tag. Vier Monate sind seitdem vergangen und meine Freundin ist längst wieder in ihrer Heimat. Die dreieinhalb Wochen, die sie hier in Deutschland verbracht hat, vergingen viel zu schnell. Ich hoffe, dass ich nicht wieder zehn Jahre auf ein Wiedersehen warten muss. Bis es soweit ist, werde ich mich noch ein wenig im Wandern üben.


Beim Schreiben dieses Posts fiel mir dann übrigens auf, dass wir den Rundweg falsch herum angetreten haben. Der steile Aufstieg zu Beginn, hätte eigentlich ein Abstieg sein sollen. Wie herum ist es besser? Das könnt Ihr nun herausfinden, falls Ihr diesen Weg gehen wollt.

5 Gedanken zu “Eifelzauber

  1. Eigentlich ist bei den Traumpfaden die Richtung egal. Ausgeschildert ist aus beiden Richtungen. Wir erkletterten lieber die Trimbser Schweiz von unten als sie von oben herab zu steigen, aber das ist Geschmackssache. Habt ihr an der Trimbser Schweiz den kürzeren aber schwereren Weg gewählt oder den längeren aber sanfteren Umweg? Wir haben in der Ecke mal gewohnt und ich bin viele Traumpfade erwandert. Der mit der Burg Elz ist auch wunderschön. Ich vermisse diese ganz wunderbar ausgeschilderten und gepflegten Rundwanderwege hier in Polen ganz schrecklich 😢.

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