Heiter bis wolkig – unser neuer Alltag

Drei Wochen. Seit drei Wochen haben wir nun ein Schulkind und damit hat sich für uns so einiges geändert. Aber ganz von vorne. Bevor der Ernst des Lebens losging, dachten wir uns, das sollte mal so richtig ausgelassen gefeiert werden. Und das haben wir auch getan. Mit Freunden, Familie, einer Hüpfburg und ganz viel Kinderlachen. (Und noch viel mehr Essen.) Wildfang hat die Gäste hochstpersönlich ausgewählt. Zumindest so lange, bis ich ihn gebremst habe. Es wurden einfach zu viele.

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Ob wir mit der Hüpfburg ein kleines bisschen übertrieben haben? Ach, was!

So sehr ich persönlich gestresst war, wegen all der Organisation (Alpträume inklusive), so sehr genossen die Gäste den Tag und am Ende waren alle rundum zufrieden. Nun würden nur noch wenige Tage vergehen, bis mein großer Junge eingeschult werden sollte. Da mein Mann Urlaub hatte und wir noch ein paar Ausflüge gemacht haben, verging die Zeit bis zum großen Tag wie im Flug.

Endlich ein Schuldkind

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Und dann war der Moment auch schon gekommen!

Ausgestattet mit Ranzen, der ultracoolen Minecraft-Schultüte, die meine Freundin gestaltet hat (Danke, danke, danke!) und Taschentüchern, machten wir uns nervös auf den Weg in zur Schule. Bevor die Kinder zum ersten Mal in die Klassen gingen, wurde auf dem Schulhof von anderen Schülern noch etwas aufgeführt und dann ging es auch schon in die erste Schulstunde. Das ging alles so schnell, dass mir gar keine Zeit zum Heulen blieb. Eine Stunde später konnte ich meinen Sohn wieder in Empfang nehmen und er zeigte sich vor allem über seine Lehrerin sehr begeistert. Und da stimme ich ihm zu. Sie ist wirklich sehr nett. Denn Rest des Tages verbrachten wir im Kreis der Familie und es war schwierig nach all der Aufregung wieder zu Ruhe zu kommen. Doch am nächsten Tag ging es ja schon früh wieder raus aus den Federn.

Der Wecker – der Feind

Schon um 06.00 Uhr schrillte es mir in den Ohren. Adieu, Du schöne Kita-Zeit. Denn von nun an ist früher aufstehen angesagt. Und zwar eine Dreiviertelstunde eher als sonst. Klingt jetzt nicht so dramatisch – ist es aber. Wenn man an chronischer Müdigkeit leidet, kämpft man um jede Minute. Doch von nun an ist Pünktlichkeit oberstes Gebot. Das bedeutet vor allem für meinen Sohn, dass er von nun an eine halbe Stunde früher ins Bett gehen muss als sonst. Der Haken an der Sache: Er schläft trotzdem nie vor 21.30 Uhr ein. Er kommt einfach nicht früher zur Ruhe, auch wenn ihm morgens der Schlaf doch rein theoretisch fehlt. Was noch schlimmer ist: Meine Tochter, die grundsätzlich immer einige Minuten vor dem Klingeln meines Weckers bei mir auf der Matte stand, tut dies nach wie vor genauso. Deshalb ist sie Abends trotzdem nicht müder als sonst. Ich bin demnach offenbar die Einzige, der der verlorene Schlaf fehlt. So viel dazu.

Der Herbst – noch so ein Feind

Mal abgesehen davon, dass wir nun deutlich früher aufstehen müssen, haben wir noch mit anderen Dingen zu kämpfen. Der Herbst hält spürbar Einzug. Das bedeutet: Zieht Euch warm an! Mit der Kleinen fechte ich nun wieder jeden morgen den immer selben Kampf aus – den Kampf mit den Socken. Jede Socke – ist sie noch so weich oder so groß – ist ihr zu eng, stört sie, ist ungemütlich. Jeden Morgen wird deswegen geweint, jeden Morgen wird getröstet und gut zugeredet. Dann geht es weiter mit der Hose. Auch die ist zu eng oder zu unbequem. Auch wenn sie ihr fast ausfällt, weil sie zu weit ist. Trösten Runde 2. Ist das kleine Kind endlich fertig (und knöttert meist noch vor sich hin), geht es wieder von vorne los. Denn dass der Sommer vorbei ist, will so gar nicht akzeptiert werden. Das große Kind will grundsätzlich kurze Hosen und T-Shirt tragen. Okay, bei 9 Grad ließ er sich dann mal von mir zu langer Kleidung zu überreden, aber grundsätzlich ist er dagegen. Wenn ich merke, dass er so gar nicht von wärmeren Klamotten zu überzeugen ist, lasse ich ihn gewähren. Bedingung sind jedoch Socken und Turnschuhe. Sandalen sind in den kühlen Morgenstunden gestrichen. So haben wir uns etwas arrangiert.

Der Schulweg

Nach dem Frühstück geht es dann los. Um 07.30 Uhr verlassen wir das Haus. Die Schule wäre zwar fußläufig zu erreichen, doch wir fahren etwa die halbe Strecke mit dem Auto. Zu den Gründen komme ich gleich. Ab da geht es dann zu Fuß weiter. Ihr hört es schon? Genau. Ein neues Drama bahnt sich an. Die Kleine ist zu müde zum Laufen, ihr ist zu kalt, die Beine tun weh. Das ist einer der Gründe, warum wir einen Teil der Strecke mit dem Auto zurücklegen. Wir gehen jedoch nur wenige Minuten bis zur Schule und ich finde es sogar schön, morgens ein bisschen Frischluft zu tanken (wenn man die Ohren dabei mal verschließt).

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Auf dem Weg

In der ersten Woche habe ich meinen Großen noch bis zum Klassenzimmer begleitet. Inzwischen bringe ich ihn bis zur Glastür, an der ein Schild mit der Aufschrift „Ab hier schaffe ich es alleine!“ hängt. Der nächste Step wäre das Schultor und irgendwann mal, dass er das Stück, dass wir momentan gemeinsam gehen, allein zurücklegt. Aber so weit sind wir noch nicht. Sobald Wildfang im Schulgebäude ist, geht es für die Kleine und mich wieder zurück zum Auto.

Auf zum Kindergarten

Dann geht die Fahrt weiter zum Kindergarten, der ja im Nachbarort liegt. Das ist der zweite Grund, weshalb wir ein Teilstück mit dem Auto fahren. Denn komplett zu Fuss zur Schule und wieder zurück, um dann ins Auto zu steigen, wäre einfach nicht machbar. Nicht nur, weil der Weg für die Kleine zu weit wäre, sondern auch, weil wir dann nicht mehr pünktlich im Kindergartren sein könnten.

Die Kleine geht nun also ohne ihren Bruder in den Kindergarten. Unberechtigterweise hatte ich die Befürchtung, dass das nicht allzu gut laufen würde. Doch ich bin erstaunt. Zwar muss ich mir während der Autofahrt immer mal wieder anhören, dass sie nicht in den Kindergarten will, doch sobald wir drinnen ankommen, hat sie das längst vergessen. Leider ist ihre Lieblingserziehrin nicht mehr da und sie vermisst sie sehr. Trotzdem klappt es gut.

Abholzeiten – Chaos im Kopf

Hier wird es für mich knifflig. Ich bin ja ein Gewohnheitstier. Wo ich sonst um 12.10 Uhr das Haus verließ, um beide Kinder auf einen Streich abzuholen, sieht das heute schon vollkommen anders aus. Wildfang hat an zwei Tagen pro Woche nämlich nur drei Stunden Schule, an zwei Tagen vier Stunden und an einem Tag sogar sechs Stunden. Wie soll ich mir das alles bloß merken? Sicherheitshalter habe ich mir täglich Erinnerungen ins Handy eingestellt, damit ich keine Abholzeit verpenne. Leider sind die Schulzeiten so gar nicht kompatibel mit der Abholzeit im Kindergarten. Das bedeutet, dass ich an den Tagen mit nur drei Stunden Schule meinen Sohn abhole und eventuell gemeinsam mit ihm einkaufen gehe, oder nach Hause fahre, damit er schon mal in Ruhe Hausaufgaben machen kann. Manchmal gehen wir aber auch ein Eis essen. Sind vier Stunden angesagt, müssen wir jedes Mal etwa 20 Minuten überbrücken, bis wir zum Kindergarten können, denn dort können wir vor 12.00 Uhr nicht aufkreuzen. Am Sechs-Stunden-Tag hole ich zuerst die Kleine, fahre nach Hause, koche, hole dann den Großen. Ich habe das Gefühl, nur noch hin und her zu fahren. Ihr seht schon: Kindergarten war für Anfänger, Schule ist für Fortgeschrittene. Nur das ich nicht so ganz fortgeschritten bin. Die Tage sind allesamt chaotisch und mir bleiben an manchen Tagen gerade mal 1,5 Stunden, um an meinen Büchern zu arbeiten. Und der Haushalt will ja auch immer was von mir.

Und wie ist es denn so in der Schule?

Von langweilig über doof bis toll ist alles dabei. Am liebsten macht Wildfang offensichtlich Mathe (das hat er garantiert nicht von mir) und Sport oder Schwimmen. (Ist er wirklich mein Kind?) Kunst gefällt ihm auch sehr gut. (Aaaahhhh, ja. Da kommen wir der Sache schon näher…) Er hasst allerdings das stupide Runterschreiben der immer selben Zahlen oder Buchstaben. Er möchte, dass es schneller voran geht, wünscht sich schwierigere Aufgaben, aber die kommen schon noch schnell genug.

Nach wenigen Tagen hatte er bereits eine Freundin gefunden und das beruht ganz offensichtlich auf Gegenseitigkeit. Darüber bin ich mehr als froh. Und wir hatten sogar schon eine erste Spielverabredung mit einem Klassenkameraden. Was die Schule an sich angeht, können wir also ziemlich zufrieden sein. Wenn denn da nicht …

… die Hausaufgaben wären.

Hier spielen sich beinahe jeden Tag ein bis drei Dramen ab, bis wir überhaupt erst einmal damit anfangen können. Und das funktioniert dann auch nur, wenn ich daneben sitze. Und dabei wird dann rumgehampelt, gequasselt, Radau gemacht und permanent gesungen. „Hausaufgaben sind doof, langweilig und davon wird mir schlecht“, war nur eine der Ausreden. Bisher hat er sie nur ein Mal freiwillig gemacht und nur ein einziges Mal, haben sie ihm sogar Spaß gemacht. Während dieses täglichen Theaters fragt die Kleine mindestens zehn Mal, wann ich endlich mit ihr spielen kann. Das wäre dann jetzt der Zeitpunkt, wo ich mich bitte klonen lassen möchte.

Alles in allem läuft es aber doch wirklich gut. Nur ich muss mich noch an den neuen, chaotischen Alltag gewöhnen, an all die neuen Zeiten und an Dinge wie Sporttasche, Schwimmbeutel und Milchgeld denken. Aber das schaffe ich auch irgendwann. Ganz bestimmt.

 

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