Die Auszeit am Meer

Manchmal, wenn einem alles über den Kopf zu wachsen scheint, kann eine kleine Auszeit sehr heilsam wirken. Mit sich allein zu sein und sich nur um sich selbst zu kümmern hilft ungemein, die Akkus neu aufzuladen, Energie zu tanken. So zog es mich in die Abgeschiedenheit der winterlichen Strände von Westkapelle. Lange, ausgedehnte Spaziergänge, bei denen der Wind mir nicht nur die Haare zerzauste, sondern auch störende Gedanken mit sich fort trug.

Nach einer etwa dreistündigen Autofahrt kam ich an meinem Ziel an. Wobei von fahren nicht wirklich die Rede sein konnte. Cruisen trifft es wohl besser, denn neuerdings gilt in den Niederlanden nur noch Tempo 100. Zwischendurch beschlich mich das Gefühl, dass ich wohl niemals ankommen würde. Dennoch war ich zu früh dort, um direkt im Hotel einchecken zu können, also führte mein Weg mich zunächst direkt ans Meer.

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Der Aufgang zum Strand
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Angekommen …

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Eine Weile genoss ich einfach den Ausblick, dem auch die grauen Wolken nicht viel anhaben konnten. Am Meer zu sein verleiht mir das Gefühl von Leichtigkeit. Wie erwartet, verfehlte es seine Wirkung nicht. Dennoch kehrte ich schon bald um, denn ich wollte im Hotel einchecken. Bei der Suche nach einer geeigneten Unterkunft hatte ich mich sofort in dieses kleine Hotel verliebt. Leider war es nicht gerade günstig, doch nachdem ich es sah, wollte mir kein anderes mehr gefallen.

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Boutique Hotel Charley’s Westkapelle
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Meine Suite
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Mit Badewanne im Zimmer

Hier muss man sich doch wohlfühlen, oder? Etwa eine halbe Stunde blieb ich auf meinem Zimmer und richtete mich ein wenig ein, bevor es mich wieder an den Strand zog.

Eine ganze Weile lief ich über den Strand am Wasser entlang. Der Wind zerrte erbarmungslos an mir, doch davon ließ ich mich nicht abhalten. Vielmehr genoss ich die Abgeschiedenheit, denn viele Menschen begegneten mir nicht.

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Fundstücke

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Dieses Mal bin ich mit Mütze unterwegs. Ohne war es kaum auszuhalten in der steifen Briese.

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Als es zu ungemütlich wurde, entschied ich mich, den Rückweg anzutreten. Dieser führte mich hinter den Dünen entlang eines windstillen Weges. Hier und da ist die Natur bereits zum Leben erwacht.

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Auf stillen Wegen …

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Der Frühling hält bereits Einzug.

Doch dann zog es mich doch noch einmal an den Strand.

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Und das hatte ich nun davon. Die Welle rollte schneller auf mich zu, als ich gucken konnte.

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Ich mag diese Stimmung …
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Und ich mag die Vögel, die mit dem Wind ziehen.

Nun galt es jedoch, nicht nur etwas für meine Seele zu tun, sondern auch für meinen Magen. Ich hatte bereits ein Restaurant ins Auge gefasst, doch als ich dort aufschlug, teilte man mir mit, dass die Küche geschlossen sei, bevor die Gäste zum Abendessen kommen würden. Es war gerade 17.00 Uhr und es ärgerte mich, dass ich kein Glück haben sollte. Doch dann drückten sie für mich ein Auge zu und bereiteten mir dennoch etwas zu essen. Mir war das unangenehm, dennoch war ich sehr dankbar dafür.

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Es gab einen köstlichen Burger mit Pommes und Salat.
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Neuen Lesestoff hatte ich auch dabei.

Eigentlich wollte ich zum Sonnenuntergang noch einmal Richtung Strand gehen, das trübe Wetter hielt mich jedoch davon ab. Vermutlich hätte sich dank der grauen Wolken eh nichts am Himmel abgespielt. Stattdessen lief ich zum Hotel zurück und ließ mir ein heißes Bad ein. Als ich mich wieder richtig aufgewärmt hatte, machte ich es mir auf dem Bett gemütlich und widmete mich wieder meinem Buch und ein paar Süßigkeiten. Bis kurz nach Mitternacht las ich weiter, bis schließlich die Müdigkeit überhand gewann.

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Am nächsten Morgen erwachte ich bereits vor 07.00 Uhr. An Schlaf war nicht mehr zu denken. Also nahm ich wieder mein Buch zur Hand und las darin weiter. Eine gute Stunde später machte ich mich fertig und begab mich nach unten ins Restaurant zum Frühstück. Ein Buffet gab es leider nicht, wegen des Coronavirus. Doch was mir stattdessen aufgetischt wurde, übertraf meine Erwartungen. Es mangelte mir an nichts. Im Gegenteil.

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Mein persönliches „Buffet“

Leider konnte ich nicht alles essen, was mir gebracht wurde. Obwohl ich es gern gewollt hätte. Mehr als gut gesättigt ging ich wieder auf mein Zimmer. Bis halb elf machte ich es mir noch mit meinem Buch gemütlich, dann kam die Zeit zum auschecken. Nachdem ich mein Köfferchen im Auto verstaut hatte, machte ich mich auf den Weg zum Leuchtturm. Es war noch stürmischer als am Tag zuvor. Der Hinweg war erträglich.

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Der Rückweg jedoch bedeutete vor allen Dingen eines: Gegenwind. Ich musste regelrecht dagegen ankämpfen und trotz Mütze bekam ich Ohrensausen. Als ich endlich das angestrebte Strandpavillon erreichte, war ich mehr als froh.

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Ziel erreicht.
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Ich lasse mich nieder und gönne mir einen Kakao mit Sahne und lese noch ein wenig.

Dann spüre ich, wie mich Müdigkeit überkommt. Aufgrund des Wetters entscheide ich mich, die Heimfahrt etwas früher als geplant anzutreten. Auf dem Weg zum Auto genoss ich noch ein letztes Mal den Blick aufs Meer.

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Über die hohen Dünen wanderte ich zurück.

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Dann verabschiedete ich mich vom Meer.

Der Abschied fiel mir ein wenig schwer, hatte ich doch den Gedanken im Kopf, das Meer so bald nicht wiederzusehen. Es tat gut, dort zu sein und brachte mich ein wenig zur Ruhe. Und manchmal reicht die eigene Gesellschaft einfach aus. Nicht reden. Nicht kümmern. Außer um sich selbst. Kraft tanken für die Familie und die bevorstehenden Wochen. Die Wiedersehensfreude war groß, als ich meine Lieben wieder in die Arme schloss. Ob ich sie vermisst habe? Selbstverständlich.

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