In den eigenen vier Wänden – Woche 1

Die Corona-Krise. Sie verlangt viel von uns ab. Die Kindergärten und Schulen sind geschlossen, was für viele Eltern eine extreme Herausforderung darstellt. Vor allem für die berufstätigen Eltern, die ohne eine Betreuung ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen können. Nun gehöre ich zu denjenigen, die sich darum nicht sorgen müssen. Und dennoch: Einfach ist anders. Das brauche ich wohl keinem von Euch zu erzählen. Wir sitzen gerade alle im selben Boot. Und trotzdem ist es gut so, denn nur so ist es möglich, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Die meisten von uns verstehen das, sehen ein, dass es keinen anderen Weg gibt.

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Leider gibt es da draußen immer noch zu viele, die es nicht kapiert haben. Und das ist mir völlig unverständlich. Wir bleiben zu Hause. Warum können die anderen das nicht auch? Ist es Leichtfertigkeit? Trotz? Egoismus? Dummheit? Ein bisschen von allem vielleicht. Wir jedenfalls haben uns eingeigelt. Und so sieht das bei uns aus …

Montag, 16.03.2020

Wir starten gemütlich in den Tag. Es ist zwar erst 06.40 Uhr, als Wildfang mich weckt, aber die Kinder kuscheln sich eine Weile zu mir und gehen schließlich spielen. Gegen 08.30 Uhr sitzen wir am Frühstückstisch. Währenddessen warte ich auf Infos von der Schule. Es sollte ein Plan mit Aufgaben kommen, welcher dann auch tatsächlich irgendwann kommt, dann jedoch wieder zurückgezogen wird. Es soll ein einheitlicher Plan für alle Schüler erstellt werden. Für diesen Tag bekommen die Kinder daher erst einmal vorläufige Aufgaben gestellt. Für die Kleine drucke ich ein paar Schwungübungen aus. Um 10.00 Uhr versammeln wir uns um den Esstisch im Wohnzimmer.

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Lasset das Homeschooling beginnen.

Erst einmal klappt es besser als erwartet. Zumindest so lange, bis die Kleine mit ihren Schwungübungen durch ist. Dann wird sie nörgelig und es wird chaotisch. Wir legen eine Pause ein.

Gegen Mittag fährt mein Mann los, um das Nötigste zu besorgen. Im Supermarkt ist kein Toilettenpapier zu bekommen. Gähnende Leere.

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Sie sehen: Nichts.

Von einer anderen Kundin hört er, dass sie bereits alle anderen Läden nach Klopapier abgeklappert hat. Überall das gleiche Bild. Noch haben wir drei Rollen und hoffen, in den nächsten Tagen etwas zu ergattern.

Nach dem Mittagessen spielen die Kinder. Um 14.00 Uhr ist Lesezeit angesagt. Wildfang arbeitet in seinem Lies Mal 1 Heft, welches er an diesem Tag beendet. Glücklicherweise habe ich für zu Hause bereit Lies Mal 3 + 4 gekauft, in denen er nun weiterarbeiten kann. Anschließend zieht das frühlingshafte Wetter die Kinder in den Garten. Sie spielen eine ganze Weile, ohne sich zu streiten. Den ersten Tag haben wir also Recht gut überstanden.

Dienstag, 17.03.2020

Am zweiten Tag setze ich die Kinder nach dem Frühstück erst einmal in die Badewanne. Anschließend geht es direkt ans Homeschooling.

Der Plan für den Großen ist immer noch nicht da, also arbeiten wir dort weiter, wo wir am Tag zuvor aufgehört haben. Für die Kleine habe ich Bücher mit Schwungübungen und Buchstaben nachschreiben geordert. Heute klappt es schon deutlich besser als gestern. Noch während wir an den Aufgaben sitzen, kommt endlich der Plan aus der Schule. Etwa zwanzig Seiten im Buchstabenheft sowie ein großer Packen Arbeitsblätter sollen in den kommenden Wochen erledigt werden. Täglich sollen die Kinder 30 Minuten arbeiten, zusätzlich jeden Tag etwas lesen. Schon jetzt weiß ich, dass wir täglich länger arbeiten müssen, um das Pensum zu schaffen. Konzentriertes Arbeiten ist nämlich mit der kleinen Schwester einfach nicht möglich. Fertig wird er trotzdem irgendwann.

Den Nachmittag verbringen wir bei herrlichem Wetter im Garten. Vergeblich versuche ich unser Trampolin vom Grünbefall zu befreien. Daraus wird nicht viel. Es ist nur unwesentlich sauberer geworden.

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Am Abend färbt der Himmel sich wunderschön ein. Eine Weile bleibe ich allein im Garten stehen und genieße den Anblick.

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Als die Kinder im Bett sind, schauen mein Mann und ich The Masked Singer. Wir lieben es mitzuraten, wer sich unter den Masken verbirgt. Zu klaren Ergebnissen kommen wir nur beim Drachen, hinter dem sich unserer Meinung nach Gregor Meyle versteckt. Das Faultier lässt uns grübeln, ich tippe auf Sascha. Und die Karkalake wir Angelo Kelly sein. Mal sehen, ob ich falsch liege. Schaut das jemand von Euch? Nennt mir Eure Vermutungen.

Mittwoch, 18.03.2020

Da ich an diesem Morgen einen Termin habe, muss ich die Kinder mit einpacken. Gleich nach dem Frühstück verlassen wir das Haus. Sie mitzunehmen funktioniert erstaunlich gut. Auf dem Rückweg halte ich beim Drogeriemarkt an, weil wir immer noch Toilettenpapier benötigen. Fehlanzeige. Immerhin bekomme ich noch Seite, aber auch die ist verdammt knapp. Anschließend ist direkt Homeschooling angesagt, dieses Mal eben eine Stunde später als gewohnt. Die Kleine ist jedoch sehr schnell unzufrieden, weil sie keine Lust hat, an ihren Heften weiterzuarbeiten, jedoch unbedingt Hausaufgaben machen möchte. Es ist mehr als schwierig, denn sie will auch nichts anderes. Wildfang kann dich in Folge nicht konzentrieren und wir sitzen dementsprechend lange an den Tagesaufgaben.

Das Mittagessen geht zum Glück fix, weil noch Reste vom Vortag da sind. Um 14.00 Uhr kommt meine Mutter, die es sich nicht nehmen lassen will, uns zu sehen. Sie bringt uns vier Rollen Klopapier mit. Wir kommen also erst einmal über die Runden. Zur Oma bleiben wir jedoch auf Abstand und entscheiden uns für einen Waldspaziergang. Ich komme ganze einhundert Meter weit, bis das Tochterkind einen Wutanfall bekommt und die ganze Straße zusammenbrüllt. Der Verschluss vom Fahrradhelm stört sie und da ist auch nichts zu machen. Dann läuft sie auch noch weg. Das Ende vom Lied? Ich gebe Oma und Wildfang bescheid, dass sie allein weitergehen müssen und trage zuerst das Fahrrad und anschließend das lauthals schreiende Kind zurück nach Hause. Ich hätte heulen können. Wie sehr hatte ich mich doch darüber gefreut, mal rauszukommen. Denn genau wegen solcher Situationen ziehe ich grundsätzlich nicht allein mit den beiden zu einem Spaziergang los. Und dann das …

Zu allem Überfluss schreit sie eine geschlagene Stunde weiter. Als sie sich endlich von mir trösten lässt, stößt auch schon bald wieder ihr Bruder zu uns. Wir bauen ein Labyrinth aus Lego Duplo und alles normalisiert sich wieder ein wenig.

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Dennoch ist der Tag für mich gelaufen und ich bin mehr als froh, als abends endlich Ruhe einkehrt. Immerhin komme ich endlich dazu, die letzten paar Seiten meines Buches zu lesen. In den Tagen davor stand mir danach einfach nicht der Sinn.

Am späten Abend sage ich eine Verabredung mit Freunden ab – schweren Herzens wohlgemerkt. Wir wollten uns zum Spaziergang im Wald treffen, doch ruhigen Gewissens konnte ich das leider nicht machen. In Zeiten wie diesen müssen wir alle vernünftig sein und nicht an uns selbst denken. Sonst bringen all die Maßnahmen, die bisher getroffen wurden rein gar nichts.

Donnerstag, 19.03.2020

Früh am Morgen unternimmt mein Mann erneut einen Versuch Klopapier zu ergattern. Er war bei REWE: Fehlanzeige. Anschließend unternimmt er das waghalsige Unterfangen, es bei ALDI zu versuchen.

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Ein Auszug aus unserem Chat …

Tatsächlich gibt es dann auch Klopapier. Aber nur eine handvoll Pakete. Und, ihr ahnt es sicher schon, mein Mann bekommt nichts davon ab. Anschließend unternimmt er einen letzten Versuch bei dm. Auch hier: Fehlanzeige.

Nach dem Frühstück heißt es wie immer: Schule! Für die Kleine drucke ich einige Arbeitsblätter aus dem Internet aus. Als sie keine Lust mehr darauf hat, beschäftigt sie sich ruhig und allein. Ich bin erstaunt darüber, wie gut es heute funktioniert. Dennoch zieht es sich wieder extrem in die Länge.

Eine willkommene Pause bietet da der Lieferant vom Baumarkt, der uns unsere neue Sichtschutzwand bringt. Sturm Sabine hatte nämlich erst kürzlich den alten Sichtschutz gekillt und seitdem liegt er auf unserer Terrasse herum. Nun haben wir also endlich eine neue Wand, was auch Zeit wurde. Weiter geht es mit den Schulaufgaben. Währenddessen erhalte ich einen Anruf von meinem Vater, dessen Begrüßung wie folgt lautet: „Hey! Brauchst Du Arschpappe?“ Unwillkürlich verfalle ich in lautes Gelächter. Und ob ich Arschpappe brauche. Mein Vater hat doch tatsächlich in einem anderen Ort noch ein paar Rollen Klopapier für uns ergattert.

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Die heilige Arschpappe

Während ich damit beschäftigt bin, das Mittagessen zuzubereiten, schneiden die Kinder eine Gurke klein. Anschließend versammeln sich alle um den Tisch zum Mittagessen.

Gerade als wir fertig sind, klingelt es an der Tür. Mein Vater bringt uns das versprochene Klopapier. Es ist ungewohnt, ihn nicht reinzubitten, doch wir alle wissen, dass es jetzt sein muss. Wir reden kurz darüber, dass mit Sicherheit bald eine Ausgangssperre verhängt wird. Mir graut davor, auch wenn ich weiß, dass es vonnöten ist. Als mein Vater sich verabschiedet hat, packen die Kinder die Bastelsachen aus. Die Kleine möchte eine Bühne für ihre Barbies bauen und beklebt dafür einfach einen Karton mit allerlei Dingen, die sie so findet. Wildfang möchte auch so einen großen Karton haben, jedoch habe ich nur noch einen kleinen im Angebot. Doch dafür kommt mir eine gute Idee, die auch meinen Sohn begeistert. Wir bauen einen Robotor.

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Los geht’s!
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Die „Bühne“ ist fast fertig.
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Und Robi ist es auch. Er guckt ein bisschen grimmig, vermutlich, weil ihm bereits schwant, dass ihm demnäscht ein Arm abfallen wird.

Wildfang ist ziemlich stolz auf sein Kunstwerk. Nachdem es fertigestellt ist, gehen wir nach draußen in den Garten. Die Kinder laufen in Sommerkleidung und barfuß herum, als hätten sie nur darauf gewartet, dass sie die langen Klamotten endlich loswerden können. Dabei zieht es sich bereits ein wenig zu.

Als mein Mann nach Feierabend zu uns stößt, beginnt er damit, die Sichtschutzwand zu kürzen. Diese ist nämlich zwei Zentimenter zu breit. Eine passende war leider nicht zu finden. Ich gehe ihm dabei zur Hand, doch als wir überlegen, wie wir die Wand am besten befestigen sollten, ziehen wir unsere direkten Nachbarn zu Rate. Der Sichtschutzzaun trennt nämlich unsere Terrassen optisch voneinander. Schließlich finden wir die richtige Lösung. Nun muss nur noch das passende Befestigungsmaterial geordert werden. Anschließend gibt es Abendessen und dann geht es für die Kinder ins Bett.

Freitag, 20.03.2020

Ein neuer Tag in den eigenen vier Wänden. Wir starten gemütlich. Inzwischen hat sich ein gewisser Rhythmus eingependelt. Gegen 08.30 Uhr früstücken wir, ab 10.00 Uhr geht es ans Lernen. Wildfang wird jedoch zwischendurch kribbelig und ich schicke ihn ein paar Minuten aufs Trampolin. Danach kann er deutlich konzentrierter weiterarbeiten. Außerdem bin ich Herrin über die Wäscheberge geworden. Nur noch zwei Körbe warten darauf, gewaschen zu werden. Gut – ich muss noch jede Menge zusammenlegen und einräumen, aber das passt schon.

Nach dem Mittagessen wird eine kleine Pause eingelegt, bevor Wildfang um 14.00 Uhr in seine Lesezeit startet. Das anschließende gemeinsame Spielen gestaltet sich heute schwierig. Die Geschwister werden sich nicht einig und ich stehe dazwischen. Letztendlich verzieht sich der große Bruder genervt in den Garten und ich bin darum bemüht, dass die Stimmung nicht endgültig kippt. Später dürfen sie etwas naschen und fernsehen und als Papa Feierabend macht, belagern sie ihn sofort. Ich verziehe ich in mein Büro – zum ersten Mal in dieser Woche. Das Schreiben fehlt mir, doch ich kann mich nicht so richtig konzentrieren. In der wenigen Zeit, die mir noch bleibt, werde ich eh nicht viel schaffen. Also muss meine Geschichte weiterhin warten. Vermutlich für eine sehr lange Zeit.

Samstag, 21.03.2020

Nachdem alle aufgewacht sind, macht mein Mann sich auf den Weg zum Bäcker. Dort findet er eine etwa einhundert Meter lange Schlange vor. Zwischen jeder Person ein Abstand von circa zwei Metern. Es funktioniert. Es ist in den Köpfen der Leute angekommen. In allen Köpfen? Leider immer noch nicht in allen. Denn nur wenige Meter entfernt findet sich eine Gruppe mehrerer Kinder und Eltern. Was läuft da falsch? Wir frühstücken ausgiebig wie immer, anschließend macht mein Mann sich auf den Weg in den Supermarkt. Toilettenpapier gibt es immer noch nicht. Es ist einfach nicht zu fassen.

Am frühen Nachmittag entscheiden wir uns für einen Spaziergang im grenznahen Wald. Wir begegnen recht vielen Menschen, zum Teil auch in etwas zu groß geratenen Gruppen. Dennoch halten alle gebührenden Abstand. Es tut unheimlich gut nach all den Tagen zu Hause mal wieder vor die Tür zu kommen. Bestimmt zwei Stunden sind wird unterwegs.

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Wir spazieren durchs Schwalmbruch
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Wie süß sie manchmal zusammen sind …
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„Hier ist eine schöne Pinkelstelle“, meinte die Kleine ganz trocken. Äh, ja …
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Wir haben diesen hohlen Baumstamm bestaunt.
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Wie schön es hier ist!

Überall gibt es etwas zum Klettern, Entdecken, Erobern.

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Über Baumstämme balancieren …
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Baumwurzeln bearbeiten …
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Rinde abschälen und Krabbeltiere beobachten …
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…und am liebsten ins Wasser springen wollen.
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Saftiges Grün …
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Hand in Hand
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Nicht immer einfach, die Balance zu halten.
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Wir treten langsam den Rückweg an.
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Ich fühle mich entspannt nach dem Waldbad.
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Ich mache mir Sorgen, dass sie jeden Moment im Wasser landet. Doch es geht alles gut.
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Noch mehr Grün.
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Wildfang rennt voraus.

Kurz vor dem Wanderparkplatz treffen wir auf meinen Bruder mit seiner Familie. Mit Sicherheitsabstand plaudern wir eine Weile, bevor wir schließlich nach Hause fahren. Dort angekommen essen wir eine Kleinigkeit, telefonieren mit Oma und Opa und puzzeln noch eine Runde, bevor wir nach oben gehen und die Kinder bettfertig machen.

Sonntag, 22.03.2020

Der neue Tag beginnt viel zu früh und ich bin unfassbar müde. Obwohl ich mich noch einmal im Bett umdrehe, finde ich keinen Schlaf mehr. Träge scrolle ich mich durch meine Timeline auf Instagram und checke die neusten Infos zum Coronavirus. Nach einem Bad frühstücken wir ausgedehnt. Danach spiele ich mit der Kleinen ein paar Spiele, während die Männer am Computer zocken. Anschließend schreibe ich eine Rezension für den Roman Noen Manor. Gegen 12.30 Uhr koche ich uns Nudeln mit Hähnchen-Geschnetzeltem. 

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Es ist angerichtet!

Das schöne Wetter schreit erneut nach einem Waldspaziergang. Wieder suchen wir einen Wald aus, den wir bisher nicht kennen.

Nachdem wir wieder heimgekehrt sind, hocke ich mich mit meiner Kuscheldecke aufs Sofa. Mir will einfach nicht mehr warm werden. Gegen 18.00 Uhr muss ich mich jedoch wieder aus meiner Decke schälen, immer noch fröstelnd. Doch es ist Zeit fürs Abendessen.

So endet unsere erste Woche in sozialer Isolation. Zu einem richtigen Lagerkoller ist es bisher nicht gekommen. Hoffen wir, dass es so bleibt. Und jetzt sagt mir: Wie habt Ihr die Zeit durchlebt?

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