Was machst Du eigentlich den ganzen Tag? Februar 2021

06.45: Der Wecker reißt mich unwirsch aus meinem abgefahrenen Sience Fiction-Traum. Nur noch zehn Minuten, dann stehe ich auf.

07.36: Herzlichen Glückwunsch! Sie sind wieder eingeschlafen. Na wunderbar! So hatte ich mir das nicht gedacht. Die Kinder schlummern ebenfalls beide noch. Schnell haste ich ins Bad, Haare waschen und so. Bis ich endlich mit allem fertig bin, sind wir eine Dreiviertelstunde weiter. Ich bin viel zu träge, um schneller zu sein. Obendrein muss ich zwischen den inzwischen ebenfalls aufgewachten Kindern bereits den ersten Streit schlichten. Der Große regt sich auf, weil die Kleine nach dem Spielen einen Lego-Stuhl nicht zurückräumen möchte. Einen Lego-Stuhl! Großer Aufstand um eine klitzekleine Sache. Das soll mal einer verstehen.

08.29: Endlich unten in der Küche angekommen, bereite ich das Frühstück zu. Die Kinder streiten immer noch. Die Kleine will ausziehen und steht bereits mit Stiefeln und Winterjacke bekleidet in der Tür. Im Schlafanzug, wohlgemerkt. Ich meine „Ohne Frühstück kann man doch nicht ausziehen!“ und nehme sie tröstend in den Arm. Danach gibt es erst einmal ein Brot mit extra viel Erdbeermarmelade, während mein Sohn den Hungerstreik antritt. Er wolle nicht mit ihr an einem Tisch sitzen. Fünf Minuten später vertragen sie sich endlich.

09.13: Ich komme oben im Büro an. Das Schulkind will sich nicht an seine Aufgaben setzen. Yeah! Die Party geht weiter! Mir ist gerade allerdings die Energie flöten gegangen und die Lust auf Diskussionen hält sich in Grenzen. Also atme ich tief durch, weise ihn darauf hin, dass er alles, was nicht fertig wird, am Wochenende erledigen müsse – und dann geht er wieder spielen. Und jetzt weiß ich auch nicht. Daher setze ich mich einfach an mein Manuskript und lege los. So ein Buch schreibt sich schließlich nicht von selbst. Und einen neuen Versuch, mein Kind zu seinen Schulaufgaben zu motivieren, unternehme ich in einer Viertelstunde wieder.

09.33: Das Schulkind kommt freiwillig rauf, um sich das erste Erklärvideo anzuschauen. Danach setzt er sich an seine Deutsch-Hausaufgaben. Ich versuche weiterzuschreiben, während die Kleine neben mir sitzt und sich ein Video auf dem Tablet anschaut. Call me Rabenmutter! Aber dieses Buch muss irgendwie fertig werden. Zwei Minuten später ist das große Kind wieder da. Er könne nicht arbeiten, weil sein Bleistift nicht da sei. Irgendeiner von uns müsse ihn weggetan haben, schließlich lag er gestern noch auf seinem Schreibtisch und er hätte schon überall gesucht. Innerhalb von zehn Sekunden finde ich den Stift. Unter seinem Schreibtisch. Jetzt aber weiter im Text.

10.19: „Mama, ich finde den Zettel mit meinen Schulfaufgaben nicht!“, tönt es aus dem Kinderzimmer. Das gleiche Spiel wie vorhin. Ich komme runter, und schwups, ist der Zettel wieder da. Der lag nämlich nur unter dem Arbeitsheft. Aber das mit dem Suchen ist scheinbar ein schwieriges Unterfangen.

10.57: Jetzt aber schnell! Jeden Moment fängt die Videokonfenrenz mit der Lehrerin an. Einmal pro Woche gibt es ein Online-Meeting, gemeinsam mit einer handvoll Schülern. Während der Konferenz male ich mit meiner Tochter gemeinsam in ihrem Zimmer.

11.39: Mir fällt ein, dass ich dringend Sperrmüll anmelden muss. Das ist schnell erledigt, allerdings erfolgt die Abholung erst am 12. März. Na ja, hätte ja klappen können. Aber auf ein paar Wochen mehr oder weniger kommt es nun auch nicht mehr an. Anschließend bringe ich den Müll raus, hole die gelbe Tonne rein, sprühe die Terrasse mit dem Schlauch ab, nachdem die Kinder dort ihr Unwesen getrieben haben.

12.11: Rasch setze ich Wasser auf. Die Kinder haben sich Nudeln zum Mittagessen gewünscht, die bis 12.30 Uhr auf dem Tisch stehen sollten, da mein Mann um 13.00 Uhr die nächste von hundert Telefonkonferenzen hat. Mein Sohn geht derweil duschen, anstatt seine Aufgaben zu machen. Und wenn er freiwillig duschen geht, zeugt das von extrem großer Unlust. Prokrastination ist schon jetzt das Wort des Jahres! Pünktlich zum Mittagessen ist er aber sauber und duftig.

13.02: Ein neuer Versuch, meinen Sohn zu motivieren. Ich gehe mit ihm gemeinsam rauf und schaue, was noch getan werden muss. Plötzlich ist die Seite im Mathe Arbeitsheft blitzschnell erledigt. Ich bleibe eine Weile bei ihm, doch das funktioniert auch nicht so super. Denn: Er verwickelt mich immer wieder in Gespräche. So wird das nichts.

13.47: Ich drucke für die Kleine die Beschäftigungsaufgaben vom Kindergarten aus, die per Mail gekommen sind. Anschließend werden diese sofort erledigt. Sie ist da irgendwie motivierter als ihr Bruder. Aber ihre Sachen sind ja auch eher spielerisch. Und kommen nur einmal pro Woche. Ich kann ihn schon verstehen. Mich würde das Homeschooling auch nerven.

14.31: Wir haben uns am Wohnzimmertisch eingerichtet, damit mein Großer sein Kunstprojekt machen kann. Auch die Kleine malt mit Wasserfarben. Während der Hintergrund trocknet, spielen die Kinder im Garten. Mein Sohn barfuß in Sommerkleidung, meine Tochter in Schlafanzug und Winterstiefeln. Im Februar.

16.06: Nun muss mein Sohn sich aber mal richtig anziehen, denn er hat noch einen Termin. Wenig später machen wir uns auf den Weg in die Fußgängerzone, er mit dem Roller, ich zu Fuß. Die Kleine bleibt bei Papa im Büro. Ich liefere mein Kind an seinem Zielort ab und mache einen Spaziergang bei diesem herrlichen, nahezu frühlingshaften Wetter.

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17.10: Ich hole meinen Großen wieder ab und wir genießen den gemeinsamen Heimweg. Sogar ein Wettrennen machen wir – bis ich Schnappatmung bekomme. Wieder zu Hause stellt er sein Bild fertig.

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Ich spiele derweil mit der Kleinen mit Barbies.

18.15: Wir finden und zum Abendessen in der Küche ein. Auch mein Mann ist zwischenzeitlich zu uns gestoßen. Die Kinder sind total überdreht und beide, wie immer, nicht hungrig. Immerhin reicht es für einen Joghurt. Meine Zahnschmerzen gehen in die nächste Runde und werden schlagartig so schlimm, dass ich bereit bin, mir den Zahn auf der Stelle ziehen zu lassen. Da sich keiner opfert, muss eine Ibuprofen reichen. Für mich gibt es danach ein heißes Bad. 

19.45: Während mein Mann und mein Sohn gemeinsam Lego spielen, lese ich der Kleinen zwei Geschichten vor. Dann wird gelüftet und das Licht ausgeknipst. Wie neuerdings üblich läuft nun ein Leo Lausemaus Hörspiel. Dabei müsste sie die so langsam schon in- und auswendig können. Ich liege daneben und lese ein Buch auf meinem eReader, in der Hoffnung, dass das kleine Mädchen bald die Augen schließt. In diesem Sinne: Gute Nacht!

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