Tatort Sandkasten: Wenn aus Spiel Gewalt wird

Es ist ein sonniger Nachmittag. Wir toben auf dem Spielplatz, schaukeln, rutschen, buddeln im Sand. Ein perfekter Moment. Nicht wahr?

Nein. Es ist eben nicht wahr. Denn dieser Moment wird gestört. Von Kindern.

Während ich mit meiner einjährigen Tochter im Sand sitze, landet gleich hinter ihr ein Junge auf dem Boden, der nicht etwa gestolpert ist. Nein, er wurde von einem anderen Kind geschubst. Was an sich nicht weiter schlimm wäre. Rangeleien unter Kindern sind normal. Nicht normal ist es jedoch, dass dem am Boden liegenden Jungen anschließend von dem anderen in den Bauch getreten wurde. Und schon vorher ging es eine ganze Weile so.

Eine Gruppe von sechs bis sieben Kindern verschiedenen Alters, Mädchen und Jungen, prügelten sich schon eine ganze Weile. Was scheinbar im Spaß anfing, wurde zunehmend agressiver. Lag einer am Boden, traten gleich mehrere Kinder auf denjenigen ein. Am Ende lag einer da, und ein kleiner Junge von vier, vielleicht auch fünf Jahren, saß auf ihm und schlug mit der Faust in sein Gesicht.

Ich war geschockt und sprachlos und wäre am liebsten einfach sofort gegangen. Doch mein Sohn spielte ein paar Meter abseits gedankenverloren im Sand und wir waren doch gerade erst da. So nahm ich meine Tochter aus der Gefahrenzone und schaute mich vergeblich nach den Eltern dieser Kinder um.

Fehlanzeige. Sie waren allein dort und konnten ihrer Aggressivität freien Lauf lassen. Tatsächlich wirkte es nicht so, dass diese Kinder untereinander Streit hatten. Sie prügelten sich einfach zum Spaß, keiner weinte, keiner wurde in irgendeiner Weise verletzt. Zumindest nicht äußerlich.

Was die Sache für mich nicht weniger schlimm macht. Denn aus Spiel kann auch ganz schnell Ernst werden. So wird Gewalt geschürt. Sie hatten sichtlich Gefallen daran. Und das erschüttert mich. Es sind Kinder! Was muss in ihrem Leben nicht richtig laufen, dass sie an so etwas Gefallen finden? Was ist mit den Eltern? Kümmert es sie nicht, was da passiert? Oder wird ihnen womöglich Zuhause Gewalt angetan?

Doch was noch viel wichtiger ist: Wie kann ich mein eigenes Kind vor solchen Übergriffen schützen?

Es kann überall passieren, auf dem Spielplatz, auf dem Schulweg, selbst auf dem Schulhof, wo es sogar eine Aufsicht gibt, konnte es geschehen, dass ein Junge von drei anderen krankenhausreif geprügelt wurde. Solche Nachrichten hört man immer häufiger und es ist mehr als erschreckend.

Noch sind meine Kinder klein und gehen nie ohne Begleitung aus dem Haus. Doch irgendwann kommt die Zeit, wo auch sie allein losziehen. Und wenn ich an die Situation auf dem Spielplatz denke, bereitet mir das Bauchschmerzen. Ich möchte nicht, dass meinen Kindern so etwas je passiert. Genauso wenig möchte ich, dass sie selbst irgendwann anderen weh tun.

Ich habe einen Artikel gelesen, in dem einige gute Tipps angeführt wurden. Ich werde in Zukunft versuchen, meine Kinder dazu anzuhalten, bedrohlichen Situationen aus dem Weg zu gehen, Orte zu meiden, an denen häufig gewaltbereite Kinder zusammenkommen. Doch immer kann man solchen Situationen sicher nicht aus dem Weg gehen.

Was tun, wenn plötzlich eine Gruppe von Kindern da steht und eine Prügelei anzetteln will?

Beine in die Hand nehmen, wäre eine Möglichkeit. Oder cool bleiben, nicht auf Sticheleien eingehen. Selbstbewusst sagen, dass man keinen Ärger will und der Bande den Rücken kehren. Das wichtigste ist aber, dass das Kind ruhig bleibt, ansonsten wird es schnell zum Opfer.

In der Theorie klingt das ziemlich einfach. Ich selbst war ein sehr ängstliches Kind und habe so manches Mal weinend die Flucht ergriffen.

Wir müssen unseren Kindern helfen, ein gutes Selbstwertgefühl aufzubauen, ihnen erklären, warum solche Kinder schnell zuschlagen – nämlich weil sie Probleme haben, sei es mit sich selbst oder in der Familie, und weil sie so ihren Frust abbauen oder sich beweisen wollen. Vielleicht werden sie aber auch von anderen zu solchen Taten gedrängt oder wollen damit beeindrucken.

Und wenn wirklich mal etwas passiert?

Ein körperlicher Angriff kann das Selbstwertgefühl eines Kinders stark beeinträchtigen. Das wichtigste ist, dass wir unser Kind dann trösten und ihm niemals Vorwürfe machen. Unsere Kinder müssen wissen, dass es meist nichts Persönliches ist, wenn es zum Opfer wird, sondern dass die Täter oft einfach nur jemanden suchen, der jünger oder anders ist und deshalb in deren Augen schwächer erscheint. Und wir müssen unseren Kindern unbedingt dabei helfen, ihr Selbstbewusstsein wieder zu stärken. Das könnten wir zum Beispiel durch Rollenspiele machen:

„Spielen Sie deshalb mit Ihrem Kind eine Bedrohungssituation zu Hause einmal durch. Versuchen Sie als Angreifer Ihr Kind zu provozieren und gehen Sie verschiedene Reaktionsmöglichkeiten durch. Das könnte Ihrem Kind helfen, in einer Gewaltsituation taktisch klug zu reagieren.“ Quelle: Kinder.de

Gewalt unter Kindern – etwas, das ich nie verstehen werde und das mich zutiefst erschüttert. Warum passiert so etwas?

Ich hoffe, dass meinen Kindern eine solche Situation erspart bleiben wird. Ich wünschte, ich könnte sie ihr Leben lang vor allem Übel schützen. Ich werde mein Bestes geben, damit stark und selbstbewusst durchs Leben gehen können.

 

 

Das kleine Glück

Es ist überall

Schau genau hin

Dann wird es Dir begegnen

Das kleine Glück

Es steckt in einer winzig kleinen Blume

In einer liebevollen Umarmung

In einem Bild

Gemalt von kleinen Kinderhänden

In einem Lächeln

In der wundervollen Schöpfung

Lass den Moment nicht unbeachtet vorüberziehen

Genieße

Die Farben der Natur

Den Abendhimmel

Eingetaucht in leuchtendes Rot

Das Funkeln der Sterne

In einer klaren Nacht

Eine Blumenwiese

Bunt, satt und wild

An einem milden Frühlingstag

Ein bunt gefärbtes Blätterdach

In einem verträumten Wald

Schmecke

Den Geschmack des Lebens

Lass ihn auf Deiner Zunge tanzen

Lausche

Den Wellen des Meeres

Dem Rauschen der Blätter im Wind

Einem schallend lauten Kinderlachen

Stimme mit ein

Sei albern

Lass Dich vom Leben mitreißen

Erfreue Dich an Kleinigkeiten

Verschenke ein Lächeln

Und Du wirst Sonne ernten

Beachte es stets

Das kleine Glück

Denn in seiner Summe

Wird es zu etwas Großem

Und das Glück erschließt sich Dir

In seiner ganzen Schönheit

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„Der Dosenöffner“ oder „Kleine Gesten versüßen den Alltag“

Neulich klingelte es an der Tür und vor mir stand meine über 90jährige Nachbarin, eine Dosensuppe in der Hand. Sie leidet an Parkinson und lebt allein, seit ihr Mann im letzten Jahr verstorben ist. Sie schaffte es nicht, diese Dose selbst zu öffnen und bat mich daher um Hilfe, dankbar dafür, dass ich eigentlich immer zu Hause bin. Natürlich helfe ich ihr gerne. Sie nahm die nun geöffnete Dose freudestrahlend entgegen, machte sich mit zittrigen Händen wieder auf dem Weg zu ihrem Haus. Ich hatte Angst, dass ihr unterwegs die Hälfte der Suppe verloren geht, fragte, ob ich sie begleiten solle. Aber sie winkte dankend ab. Ich sagte ihr, sie kann jederzeit vorbeikommen, wenn etwas sein sollte.

Es ist selbstverständlich ihr zu helfen. Aber sieht das jeder so? Es ist so einfach anderen – und damit gleichzeitig auch sich selbst – den Alltag zu verschönern. Wie?


Durch kleine Gesten

Wie zum Beispiel eben für jemanden eine Dosensuppe zu öffnen. Oder für den Nachbarn die Mülltonne mit rauszustellen, wenn man eh schon dabei ist. Die schweren Einkäufe ins Haus tragen. Einer kleinen, alten Dame helfen, etwas aus dem obersten Supermarktregal herauszunehmen. Oder dem älteren Herrn das Kleingedruckte auf der Packung vorlesen. Auch wenn er nicht gefragt hat. Aber wenn man mit offenen Augen durchs Leben geht, bekommt man ein Gespür dafür, wo Hilfe Not ist. Es sind nur Kleinigkeiten, die für andere jedoch vielleicht ein Problem darstellen. Warum nicht einfach eine helfende Hand reichen?

Zeit schenken

Wie das? Heutzutage haben die meisten Menschen zu wenig Zeit, sind immer gestresst, hetzten von A nach B. Sicher, daran kann ich als Außenstehender nicht viel ändern. Aber wenn ich zum Beispiel im Supermarkt an der Kasse stehe und hinter mir jemand, der nur zwei, drei Teile hat, dann lasse ich ihn grundsätzlich vor. Manchmal auch sogar zwei Leute. Denn bis ich meinen Familieneinkauf aufs Band geladen habe, ist derjenige meist schon längst weg. Beide haben gewonnen: einer etwas Zeit, der andere Dankbarkeit.

Durch ein hörendes Ohr

Neulich an der Kasse im Drogeriemarkt: die Kundin vor mir wollte etwas umtauschen, stellte unzählige Fragen und erschwerte den Vorgang ungemein. Als ich an der Reihe war, flüsterte die Kassiererin mir zu: „Noch eine Stunde, dann habe ich endlich Wochenende! Die Kunden sind heute echt anstrengend, jeder will etwas von mir, alle nerven nur. Ich bin echt gestresst. Nicht jeder Kunde ist so ein Lichtblick wie sie!“ Ich freute ich über dieses Kompliment, dabei habe ich ja nichts getan, außer unkompliziert gewesen zu sein. Und sie war sichtlich froh, dass sie mal jemandem sagen konnte, dass sie einen bescheidenen und anstrengenden Tag hinter sich hatte. Sie hat in mir jemanden gefunden, wo sie ihrem Frust Raum geben konnte. Und ich höre gerne zu.

Damals, in meinem alten Job, war ich unter anderem als telefonische Kundenbetreuerin tätig. Kein einfacher Job, weil es herbei immer um Kunden ging, deren Konten keine Deckung aufwiesen. Auch hier war oft mein hörendes Ohr gefragt. Der Grund, warum das Konto nicht gedeckt war, war nicht selten eine schwierige Lebenssituation. Und viele Leute hatten niemanden, mit dem sie darüber reden konnten. So kam es, dass ich viele Geschichten gehört habe und oft lag es an mir, den Leuten etwas Mut zuzusprechen. (Ich hatte eindeutig die Berufswahl verfehlt!) Oft waren die Betroffenen hinterher erleichtert, weil sie einfach mal den Balast mit jemandem teilen konnten. Das kann natürlich anstrengend sein, aber man bricht sich keinen Zacken aus der Krone, wenn man sich die Zeit nimmt und einfach mal zuhört. Im Gegenteil!

Ein Lächeln verschenken

Lächeln. Einfach immer nur Lächeln. Manchmal ertappe ich mich selbst dabei, dass ich etwas finster drein blicke, wenn ich in Gedanken bin. Das fällt mir dann immer auf, wenn mich jemand anlächelt. Aber normalerweise habe ich auch immer ein Lächeln auf den Lippen. Für diejenigen, die mich anlächeln – und für die, die finster drein blicken. Ein Lächeln wirkt entwaffnend, lässt Dich für kurze Zeit das vergessen, was Dir gerade im Kopf herumgeistert. Und das Beste: Es kostet nichts und Du hast es immer dabei! Du kannst es immer und überall verschenken. Vielleicht entwickelt sich daraus sogar ein kleines Gespräch, ein paar nette Worte, die man auch mit wildfremden Menschen wechseln kann. Es verschönert einfach das Leben – und danach ist mein Lächeln meistens noch fröhlicher als zuvor.


Das Leben kann so viel schöner und leichter sein, wenn man nur ein paar kleine Dinge beachtet, oder für andere tut. Und es gewinnen immer zwei: Du und Dein Gegenüber! Also zieht mit offenen Augen durchs Leben und zaubert anderen ein Lächeln auf die Lippen!

Quelle: Pixabay
Quelle: Pixabay

Glotz nicht so blöd! Pack lieber mit an!

Menschen mit Behinderung oder einem anderen Handicap haben es meistens nicht leicht im Leben. Und das nicht nur wegen ihrer Krankheit, mit der sie eh schon genug zu kämpfen haben, sondern oft sind es andere, die es ihnen durch starrende Blicke oder Unachtsamkeit noch schwerer machen.

„Wir sind nicht nur verantwortlich für das was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun.“

Ich selbst war zwar schon immer hilfsbereit, doch wirklich bewusst war es mir nie, was es eigentlich bedeutet, wenn man nicht (mehr) so kann, wie man gerne will. Bis eine liebe Freundin durch eine chronische Erkrankung plötzlich an den Rollstuhl gebunden war. Das änderte meine Sichtweise immens. Mir wurde klar, wie wichtig es wirklich ist, auf andere zu achten und für sie da zu sein.

Auslöser für diesen Artikel sind jedoch mehrere kleine Begebenheiten gewesen, die ich jüngst beobachten konnte. Das fängt an mit einer Gruppe Teenager, die hier in der örtlichen Jugendherberge zu Gast waren. Sie waren in mehreren kleinen Grüppchen in der Fußgängerzone unterwegs. Jeweils eines der Kids saß im Rollstuhl. Nicht weil sie darauf angewiesen waren, sondern weil sie lernen sollten, was es bedeutet, wenn man auf einen Rollstuhl und auf die Hilfe anderer angewiesen ist. Einige haben sich darüber lustig gemacht, aber in manchen Gesichtern konnte man Nachdenklichkeit erkennen. Und das nur, weil ein Bordstein plötzlich zu einem unüberwindbarem Hindernis werden kann, wenn keiner da ist, der seine helfende Hand anbietet. Sie haben durch diese Erfahrungen gelernt, wie schwer das Leben sein kann und wie man durch Achtsamkeit anderen helfen kann. Ich finde das eine gute Sache. Solche Projekte sollte es öfter geben!

Dann waren Herr Sohn und ich neulich im Drogeriemarkt einkaufen. Wir suchten gerade neue Zahnbürsten aus. Ein paar Meter weiter stand eine junge Frau mit einem Rollator am Kosmetikregal, direkt daneben eine weitere Frau. Der jungen Frau fiel etwas runter, die andere glotzte nur doof und drehte sich wieder um, anstatt sich mal kurz zu bücken und es aufzuheben. Dabei war es offensichtlich, dass es der jungen Frau nicht leicht fallen würde, es selbst aufzuheben. Mir platzte fast der Kragen, aufgrund dieser Ignoranz und ich eilte sofort zu Hilfe. Ich erntete dafür ein dankbares Lächeln.

Als ich das letzte Mal mit meinem Mann essen war, entstand wieder eine mir völlig unverständliche Szene. Wir waren in einem Café, das einmal im Jahr ein Spanferkel – Essen anbietet. Das Café befindet sich auf zwei Ebenen. Wir saßen oben. Ebenso eine Gruppe von vier Herren, so um die 50, würde ich sagen. Einer von ihnen hatte Probleme mit dem Bein, konnte nicht gut laufen. Nun war es so, dass man sich das Essen in der unteren Etage selbst abholen musste. Die Vier gingen also runter, zurück kamen jedoch erstmal nur drei. Der Mann mit dem steifen Bein hatte große Mühe damit, die Treppe mitsamt dem vollen Teller hinauf zu kommen. Ich hatte die Treppe im Rücken, hörte nur irgendwann die Kellnerin runter rufen „Warten Sie, ich trage Ihnen den Teller hoch!“
So ging die Kellnerin runter, nahm den Teller entgegen, den anderen Arm vollgepackt mit leerem Geschirr und balancierte alles zum Tisch, damit der Herr sich voll und ganz darauf konzentrieren konnte, selbst die Treppe heil hochzukommen. Da frage ich mich: Warum hat nicht einer seiner Freunde einfach seinen Teller getragen? Seine FREUNDE sollten doch ein Auge dafür haben, oder sehe ich das falsch?

Sowas macht mich völlig fassungslos. Warum sind viele Menschen einfach zu bequem anderen zu helfen? Oder zu blind? Sogar die eigenen Freunde? Man bricht sich keinen Zacken aus der Krone, wenn man anderen die Hand reicht! Im Gegenteil!

„Nicht behindert zu sein ist wahrlich kein Verdienst, sondern ein Geschenk, das jedem von uns jederzeit genommen werden kann.“ Richard v. Weizsäcker

Das sollten wir nie vergessen! Aber leider ist es manchen tatsächlich einfach zu unbequem. Wenn Du plötzlich krank wirst, stellst Du erst fest, wer wirklich Deine Freunde sind. Manche ziehen sich zurück, weil es ihnen zu kompliziert ist, andere vielleicht, weil sie nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen. Es wird ja schon schwierig bei der Freizeitgestaltung. Man kann zum Beispiel nicht mehr in jedes x-beliebige Kino gehen. Zu viele Treppen, kein Aufzug! Oder das Lieblingsrestaurant wird plötzlich zum Hindernis, weil im Eingangsbereich Stufen sind, oder die Toiletten im Keller liegen. Es ist auch gar nicht so einfach, einen Rollstuhl ins Auto zu hieven und noch schwerer ihn wieder raus zu heben. Aber mir ist das egal. Ich tue es trotzdem. Und dann suchen wir uns halt ein neues Lieblingsrestaurant, das auf alle Bedürfnisse abgestimmt ist. Auf jeden Fall würde ich niemanden im Stich lassen, nur weil es plötzlich etwas komplizierter geworden ist. Denn es kann uns jederzeit selbst treffen. Nur an Zeit mangelt es mir oft. Weshalb ich nicht selten ein schlechtes Gewissen habe.

Ob man gesund ist oder krank: Man braucht Menschen, auf die man sich verlassen kann. Immer!

Also, reicht anderen Eure helfende Hand – und Ihr werdet Dankbarkeit als Geschenk erhalten!

Gemütliche Wolken sind mir lieber…

In den letzten Tagen war es oft stürmisch und man konnte schweren, grauen Wolken dabei zusehen, wie sie allzu hastig vorbeizogen, sich an den anderen vorbei drängten, ohne sie zu beachten.

So ist es auch oft im wirklichen Leben.

Die Zeit wird immer schnelllebiger. Es war gerade erst Montag und schon ist die Woche wieder vorbei. Voll gepackt mit einer Masse an Terminen, 1.000 Dingen, die man zu erledigen hat. Und doch hat man nichts geschafft, ausser sich selbst zu stressen. So vergehen Wochen und Monate wie im Flug. Man hastet nur noch durchs Leben, statt es in vollen Zügen zu genießen. Geht es Euch auch so? Fragt Ihr Euch auch oft, wo die Zeit geblieben ist?

Du brauchst nur in den Supermarkt zu gehen, um Dir bewusst zu werden, wie stressig alles doch ist. Das fängt schon damit an, dass Dir jemand den Parkplatz vor der Nase wegschnappt, weil er es eilig hat. Oder einfach auf einem Elternparkplatz, oder – noch schlimmer – auf dem Behinderten- Parkplatz parkt, nur weil er zu faul ist, 3 Meter mehr zu laufen als nötig. Und schon hat jemand anderes, der diesen Parkplatz dringend benötigt Stress und Probleme.

Weiter geht es im Laden. Da wird man schon mal gerne von einem anderen Einkaufswagen gerammt. Erst recht kurz vorm Wochenende. Die Läden sind eh überlaufen und viele nehmen sich nicht die Zeit auf andere zu achten, ziehen stur ihr Programm durch. Ich gebe zu, ich wäre am liebsten auch innerhalb weniger Minuten wieder aus dem Laden raus. Vor allem, wenn ich mit Kind unterwegs bin. Ich stehe dann eh unter Strom, weil ich ständig meine Augen überall haben muss. Und dann wird man auch noch regelmäßig schräg angeguckt, wenn der Zwerg Palaver macht, weil er keine Lust mehr hat. Trotzdem fehlt mir nie die Zeit, anderen ein Lächeln zu schenken oder vielleicht sogar mal ein kurzes Gespräch mit wildfremden Menschen zu führen. Oder jemanden an der Kasse vor zu lassen, weil er nur ein paar Teile hat und ich aber einen ganzen Wagen voll mit Zeug. So nimmt man einfach mal ein bisschen Tempo aus dem stressigen Alltag – nicht nur für sich selbst.

Es sind oft nur kleine Dinge, die man ändern muss. Auf andere achten, mit offenen Augen durchs Leben gehen, sich an Dingen zu erfreuen, die für uns alltäglich oder selbstverständlich geworden sind, einfach zwischendurch mal innehalten.

Als ich noch im Job stand, war mein Leben auch noch viel turbulenter. Nach Feierabend war der Terminkalender immer voll gestopft und manchmal hetzte ich von einem Termin zum anderen ohne Luft zu holen. Heute ist es immer noch turbulent – aber anders. Ich habe auch jetzt noch oft die Woche voll durchgeplant. Das sind aber meistens Verabredungen mit Herrn Sohns Freunden oder ein Besuch in der Spielgruppe, im Schwimmbad, auf dem Spielplatz. Lauter Dinge die Spaß machen. Das Leben hat sich nun mal gewandelt seit ich Mutter geworden bin. Es ist oft stressig, sehr sogar. Aber es ist ein ganz anderer Stress, als der den ich früher zwischen Job und einem Haufen anderer Termine hatte.

Pünktlich zu sein ist nicht (immer) so wichtig. Wenn Herr Sohn seine Jacke nicht anziehen möchte und statt dessen lieber noch 10 Runden um den Tisch laufen will, dann ist das halt so. Ich setzte mich dann einfach hin und warte bis er von selbst kommt. Was meistens nach ein paar Minuten passiert. Anfangs hat mich das genervt, aber irgendwann habe ich mich gefragt, warum ich uns beide mit solchen Kleinigkeiten stresse und deswegen lasse ich es einfach (wenn es nicht unbedingt sein muss). Oder wenn er noch drei Mal zurück geht, um sich den großen Bären vor dem Spielzeugladen anzusehen, dann schauen wir ihn uns halt an. So oft er will.

Ich entschleunige mein Leben dadurch, indem ich versuche vieles mit Kinderaugen zu betrachten. Mein Sohn ist mein Lehrmeister! Der Beste, den ich kriegen konnte!

Also, lasst Euch nicht stressen und genießt die kleinen Dinge im Leben! Schaut einfach mal eine Weile den Wolken am Himmel zu und denkt an nichts, außer daran, wie schön das Leben ist!

Aufpassen, zuhören und gleichzeitig entspannen?

Genau das kann nicht. Zumindest nicht, wenn Herr Sohn und ich uns in einem Raum aufhalten, wo nichts vor ihm sicher ist. Da wo man so unglaublich viel Blödsinn anstellen kann, was ja auch toll ist, denn in einem fremden Haus gibt es ja sooo viel zu entdecken. So auch gestern, als wir eine Freundin und ihre kleine, süße Tochter besuchten…

Die kleine Motte krabbelt noch nicht, das heißt, sie räumt bisher zuhause noch keine Schränke aus. Sie macht noch nicht die Gegend unsicher und läuft auch noch nicht Gefahr die Treppe herunterzukullern.

Aber das macht es für mich umso stressiger. Denn mein Sohn räumt ALLES aus. Er reißt überall dran rum, macht sämtliche Schränke und Schubladen auf, fummelt an Steckdosen herum, reißt Sachen vom Tisch. Er hat halt nur Ussel im Kopf. Das ist ja auch verständlich, schließlich ist er ja dabei die Welt zu erobern, da muss man alles abchecken. Aber das geht nun mal nicht immer und überall. Das musste er gestern am laufenden Band feststellen. Egal wofür er sich gerade interessierte – ich habe ihn gleich wieder davon abgehalten, habe ihn keine Sekunde aus den Augen gelassen.

Denn er ist der Zerstörer! Und er ist schnell!

Alle 5 Sekunden musste ich ihm irgendwas verbieten. Das tat mir gleich doppelt Leid: Für meine Freundin, weil ich einfach „keine Zeit“ dazu hatte, ein vernünftiges Gespräch mit ihr zu führen. Weil ich immer nur mit halbem Ohr zugehört habe, und ich meine Augen nur auf das nächste nahende Unheil gerichtet hielt, um rechtzeitig zu vermeiden, das irgendwas zu Bruch ging. Sie sagte irgendwann „Du erzählst ja gar nichts!“ Ja, ich weiß. Das ist so schwierig und ich wünschte, ich könnte das irgendwie abstellen. Entweder unterhalte ich mich in Ruhe und hinter mir wird die ganze Bude abgerissen, oder ich bin stets um Schadensbegrenzung bemüht und habe die Ohren deswegen auf Durchzug gestellt. Ich war sowas von unentspannt dabei, dass ich den Nachmittag fast gar nicht genießen konnte.

Und zum anderem tat es mir auch für den kleinen Mann so Leid, dass ich ihm alles verboten habe und nur hinter ihm her war. Und dass ich auch für ihn nicht wirklich Zeit hatte. Ich hatte ihm zwar ein wenig von seinem Spielzeug mitgebracht, aber dafür interessiert man sich ja in der Regel nicht, wenn man gerade im Entdeckermodus ist, um eine neue Umgebung zu erkunden. Doch das Babyspielzeug interessierte ihn natürlich ebenfalls nicht. DVD-Hüllen, Fernbedienungen, Kabel, Gläser…all das war doch viel cooler! Und verboten!

Zuhause weiß er inzwischen genau Bescheid, was er darf und was nicht. Er hat seine Schublade, die er ein- und ausräumen darf. Er darf auf dem Sofa herumhüpfen, mit seinem Bobbycar gegen sämtliche Wände und Schränke donnern (nur bitte nicht ganz so doll), er darf Taschentücher in 1.000 Kleinteile zerfetzen…dafür ist er halt Kind. Und alles was „verboten“ ist, haben wir vor ihm gesichert. Da ist es schwer zu verstehen, dass er nicht auch woanders schalten und walten kann, wie er will.

Nach nur zwei Stunden machten wir uns schon wieder auf. Und dann noch die 50 minütige Heimfahrt im Dunklen bei Nieselregen… Das hat es auch nicht besser gemacht. Ich bin quasi nachtblind und muss mich sowieso schon immer anstrengen, und dann findet Herr Sohn das Autofahren eh nicht so toll, erst recht nicht, wenn er nix sieht. Darum habe ich die Innenbeleuchtung angemacht, damit er wenigstens seine Bücher gucken konnte. Was mir die Sache mit der Sicht umso mehr erschwerte.
Zuhause angekommen warf ich mir erst mal eine Kopfschmerztablette ein. Mein Nacken war auch total verspannt.

Das Schlimmste aber war ein zweifaches schlechtes Gewissen! Ich hätte so gern mehr aus dem Tag gemacht – für meine Freundin UND meinen Sohn – aber ich war einfach viel zu gestresst. Nicht böse sein! Bestimmt klappt es beim nächsten Mal besser.

Ich werde darum bemüht sein. Ich versuche mir anzutrainieren gleichzeitig zuzuhören und meinen Sohn zu unterhalten. Denn das fällt mir in letzter Zeit viel zu oft auf: Ich bin kein guter Gesprächspartner, wenn mein Sohn dabei ist. Denn ich habe den Blick stets auf ihn gerichtet, wenn er da ist, dreht sich meine Welt um ihn – er ist die Hauptperson!

Ist das verkehrt? Sicher nicht. Aber dennoch fühle ich mich nicht gut dabei, dass alles andere oft nur „so nebenher“ läuft.

Daher muss ich es irgendwie schaffen, beides zu verbinden: Ein guter Freund zu sein, während ich eine gute Mutter bin. Oder umgekehrt!

Das kriegen andere doch schließlich auch hin…