Familienzeit mit Hindernissen

Wenn der Urlaub meines Mannes näher rückt, bin ich immer voller Vorfreude. Familienzeit. Was gibt es Schöneres?

Wir planen immer den ein oder anderen Ausflug, um für und mit den Kindern Erinnerungen zu schaffen und eine tolle Zeit zu haben. Außerdem erledigen wir in dieser Zeit immer einiges, was sonst liegen bleibt. Außerdem versuchen wir einiges zu erledigen, was sonst liegen bleibt.Weiterlesen »

Wenn Papa Urlaub hat…

…und wir nicht verreisen, heißt das nicht, dass nicht viel los ist. Im Gegenteil. Zwei Wochen Familienzeit wollen voll ausgenutzt werden. Und das haben wir auch!

Montag, 05.09.16

Während der Große den Vormittag im Kindergarten verbracht hat, musste mein Mann sich erst einmal dringend um die Steuererklärung kümmern. Sowas schieben wir immer ewig vor uns her. Aber jetzt gab es keine Ausreden mehr. Während er also dieses notwendige Übel erledigte, ging ich mit dem Tochterkind fast zwei Stunden spazieren. Es ging an der schönsten Stelle der Schwalm vorbei. Ich liebe diesen Ort. Früher gingen mein Mann und ich hier oft noch spät am Abend entlang, wenn keine Menschenseele mehr unterwegs war.

 

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Danach holte ich meinen Sohn vom Kindergarten ab und wir fuhren gemeinsam durch die Waschstraße. Das fand er total spannend. Er wollte sofort noch mal durchfahren. Am Nachmittag haben wir uns noch mit Freunden auf dem Spielplatz getroffen. Als die Kinder schließlich im Bett waren, aßen wir Tiefkühlpizza und schauten vier Folgen von „How to get away with murder“. Ziemlich spannend.

Dienstag, 06.09.16

Der Tag startete schon früh, denn es ging in den Zoo – und zwar in die Zoom Erlebniswelt Gelsenkirchen. Die Fahrt zog sich ein wenig, denn es war ziemlich viel Verkehr rund um den Pott. Aber es hat sich gelohnt, denn dieser Zoo ist wirklich fantastisch. Dort haben die Tiere wirklich viel Platz in wunderschönen, naturbelassen Gehegen. Besonders beeindruckt haben mich die Giraffen und die Nashörner, die ziemlich nah vor unserer Nase standen. Auch die Seehunde waren fast zum Greifen nah!

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Zwischendurch wurde natürlich am Spielplatz halt gemacht, damit die Kleine auch mal ein bisschen Bewegung bekommt. Sie hat erstaunlich gut mitgemacht, dafür dass sie so lange im Buggy sitzen musste. Allerdings fiel der Mittagsschlaf recht kurz aus. Die Rückfahrt war dann echt anstrengend, da beide Kinder alles andere als gut gelaunt waren. Dafür war aber der Tag echt toll!

Mittwoch – 07.09.16

Heute ging der Wildfang wieder in den Kindergarten. Wir wollten ihn jetzt nicht die ganze Zeit, in der Papa frei hat, aus der Kita raus lassen, da er sich schließlich gerade erst daran gewöhnt und es eh zur Zeit nicht so leicht ist.

Am Nachmittag machten wir uns dann auf den Weg nach Klein Zwitserland, einem Waldspielplatz hinter der niederländischen Grenze. Für den Großen war das total super. Da kann man so richtig nach Herzenslust klettern, spielen und toben. Die Kleine fand das aber nicht ganz so lustig, konnte man sie dort kaum irgendwo absetzen, außer in dem Bereich für die kleineren Kinder. Aber spätestens in zwei Jahren wird es der perfekte Ort für uns sein. Was mir daran besonders gefällt: Dass man es dort, im Schatten der Bäume, auch an sehr warmen Tagen gut aushalten kann. Und es gibt dort sogar einen Pool für die Kids. Echt super!

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Donnerstag – 08.09.16

Tag der Beule. Ich war mittags im Kinder-Secondhand-Laden, um dort einen großen Schwung Kleidung loszuwerden und gleichzeitig die Abrechnung der vergangenen Saison zu machen, als mein Mann anrief. Er musste den Wildfang früher aus dem Kindergarten abholen, weil er die Treppe eines Spielgeräts heruntergefallen ist und nun eine gewaltige Beule an seiner Stirn prangte.

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Mein Mann wollte eigentlich gleich mit ihm zum Arzt fahren, aber da unser Sohn gut drauf war wie immer, entschieden wir uns dazu, ihn erst mal zu beobachten. Unsere Unternehmungen für den Tag ließen wir aber ins Wasser fallen, falls wir doch noch zum Arzt mussten. Doch es ging ihm weiterhin gut. Welch ein Glück!

Freitag – 09.09.16

Heute war jede Menge Me-Time angesagt. Ich war mit einem meiner liebsten Mädels verabredet und wir starteten den Tag mit einem gemütlichen, ausgedehnten Frühstück. Wir haben sehr viel geredet und hatten, was das angeht, echt jede Menge nachzuholen, sieht man sich inzwischen doch leider viel zu selten. Anschließend machten wir uns auf den Weg nach Aachen zu den Carolus-Thermen und ließen es uns richtig gut gehen. Das war längst überfällig und wir haben das beide sehr genossen.

Wochenende – 10. + 11.09.16

Der Samstag ging für Einkaufen, Wäsche u.s.w. drauf. Das Übliche halt. Unternommen haben wir ansonsten nichts, sondern die Zeit im Garten verbracht. Und auf dem Klo, weil der Wildfang offensichtlich Verstopfung und echt schlimm damit zu kämpfen hatte. In der Notapotheke, wo er gemeinsam mit Papa hinführen, gab man uns Babylax, doch wieder zu Hause ging es ihm scheinbar wieder gut.

Sonntag ging das Drama jedoch weiter, so dass wir uns entschieden ihm tatsächlich Babylax zu geben. Später waren wir bei Freunden eingeladen und haben dort einen gemütlichen Nachmittag mit Kuchen uns Antipasti verbracht. Und mit unzähligen Klogängen. Natürlich. Das war ganz schön stressig für uns alle. Am Abend war das Thema aber dann ausgestanden.

Montag – 12.09.16

Guten Morgen Schnupfnase! Es zeichnete sich am Abend zuvor schon ab. Ich bin krank. Herzlichen Glückwunsch! Passt ja wirklich wunderbar. Also wurden gleich fleißig Gegenmittel eingeworfen. Ich hing ziemlich in den Seilen. Daher war nicht mehr viel Programm angesagt, außer eine Anmeldung in einer Kita für die Kleine und ein paar Teile einkaufen.

Dienstag – 13.09.16

Der Tag startete mit Pärchenzeit und einem gemütlichen und wirklich leckeren Frühstück in einem Bauerncafé. Der Große war im Kindergarten und das Tochterkind wurde von Oma bespaßt. Wir haben das echt genossen. In aller Ruhe zu essen und dabei ungestört zu quatschen – das hat echt Seltenheitswert.

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Den Rest unserer Freizeit haben wir dann ganz romantisch im Baumarkt verbracht. Was für eine Vergeudung. Aber: Was sein muss, muss sein!

Am Nachmittag hatte ich noch einen Termin in Düsseldorf, zu dem ich bei Gelegenheit an anderer Stelle sicher noch etwas erzählen werde.

Mittwoch – 14.09.16

Den Vormittag an diesem wunderschönen Herbstsommertag nutzten wir für einen Spaziergang um einen nahe gelegenen See, an dem ich in meiner Kindheit und Jugend viel Zeit verbracht habe. Heute geht dort leider fast niemand mehr baden, was wirklich schade ist. Wir haben es immer geliebt. Und ich hätte auch in dem Moment echt Lust dazu gehabt. Immerhin bin ich wenigstens mit den Füßen ins Wasser gegangen.

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Und danach? Geplant war ein Schwimmbadbesuch am Nachmittag. Mein Sohn freute sich darauf. Eigentlich. Später war er nämlich plötzlich der Meinung, dass er doch lieber wieder in den Zoo will, und machte einen riesigen Aufstand. Nach langem Hin und Her wollte er aber doch ins Schwimmbad und es hat ihm natürlich ganz viel Spaß gemacht.

Donnerstag – 15.09.16

Heute wurde im Kindergarten blau gemacht und wir fuhren schon am frühen Vormittag nach Grevenbroich zum Bobbolandia Spielpark. Dieser ist in einem alten Freibad entstanden, das jahrelang brach lag. Erstaunlicherweise war dort rein gar nichts los. Wir tobten daher nach Herzenslust. Ich hatte auf dem Hüpfkissen wohl am meisten Spaß! Einen Splashpark gab es auch – perfekt für eine kleine Abkühlung. Dann suchten wir uns für die Kleine ein schattiges Plätzchen im Sand.

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Uns allen gefiel das Wabbelkissen ganz besonders, dort haben wir uns am längsten aufgehalten.

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Doch was machen wir jetzt mit dem angebrochenen Tag? Nachdem wir alles bespielt hatten, entschieden wir uns, nach Venlo zum Kinderbauernhof zu fahren und verbrachten dort zwischen Eseln, Schweinen und anderen Tieren noch einen schönen Nachmittag.

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Am Abend waren die Kinder so schmutzig, dass sie erst mal in die Wanne mussten.

Freitag – 16.09.16

Am Freitag war der Fotograf im Kindergarten und ich bin sehr gespannt auf das Ergebnis. Ansonsten wurden am Vormittag ein paar Kleinigkeiten erledigt.

Da das Sommerwetter vorbei war und es nach Regen aussah, entschieden wir uns heute für den Indoorspielplatz und fuhren somit zum dritten Mal über die Grenze rüber nach Holland. Spontan kamen sogar noch Freunde mit und die Jungs rannten und tobten und rannten und tobten, bis sie schließlich klatschnass geschwitzt waren. Als um 18.00 geschlossen wurde, wollten die beiden noch gar nicht nach Hause. Aber wir wollten nicht warten, bis man uns raus wirft.

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Wochenende – 17. + 18.09.16

Der Samstag fiel einkaufen und putzen zum Opfer, hatten wir die ganze Woche doch keine Zeit für so etwas. Natürlich blieb noch Zeit zum Spielen.

Und am Sonntag besuchten wir Oma und Opa und aßen Pflaumenkuchen.

So gingen die zwei Wochen rum wie im Flug. Es war wirklich schön. Aber es war auch ziemlich stressig. Denn der Große weinte noch einige Tage, wenn er in den Kindergarten musste. Das ist zum Glück nun überstanden. Zwischendurch hatte er auch noch so einige Wutanfälle, weil er alles und gar nichts wollte.

Schlimmer aber war es noch mit der Kleinen. Zuhause schrie sie eigentlich permanent und war mit nichts zufrieden. Das zerrte echt an den Nerven. Und dann hat sie die letzten Nächte (Abende) auch noch viel geweint und blieb dann gerne mal zwei, drei Stunden wach. So waren unsere gemütlichen Abendstunden im Eimer und haben sie getrennt voneinander verbracht. Einer musste sie immer tragen oder wenigstens bei ihr bleiben, damit sie wenigstens ruhig war – meistens war das Papa. In einer Nacht schlief ich sogar auf dem Boden vor ihrem Bett ein, wachte schmerzerfüllt wieder auf.

Es waren zwei Wochen voller Spaß und Abenteuer, aber auch zwei Wochen mit schreienden Kindern. Sonne und Schatten – gehört doch irgendwie zusammen.

Jetzt sind wir wieder im Alltag angekommen und auch hier geht es von nun an wieder wie gewohnt weiter.

Wenn Fernweh zum Blues wird

Ich bin sehr gerne Zuhause. Wirklich. Unser Zuhause bedeutet für mich Rückzugsort, Geborgenheit, Zuflucht. Unser Haus ist gemütlich, bunt, mit Kinderlachen und Liebe gefüllt.

Und auch die Gegend, in der wir wohnen, liebe ich sehr. Ich möchte nirgendwo anders leben. Hier ist meine Heimat, hier bin ich aufgewachsen und hier sehe ich meine Kinder aufwachsen, hier möchte ich alt werden.

Und trotzdem habe ich ständig dieses Gefühl. Den Wunsch nach Veränderung. Nur für eine Weile. Die Sehnsucht, Neues zu entdecken, die Welt zu erkunden, die Seele baumeln zu lassen.

Fernweh.

Dieses Bedürfnis ist so tief in mir verwurzelt, dass es immer wieder ans Tageslicht kommt. Immer zieht es mich irgendwo hin. Manchmal sehne ich mich einfach danach, am Meer zu sitzen, dem Rauschen der Wellen zuzuhören, der Sonne dabei zuzuschauen, wie sie langsam untergeht und dabei den Himmel in ein Kunstwerk verwandelt. Ich möchte den Frieden und den Zauber dieses Augenblicks in mir aufsaugen, um eine Weile davon zehren zu können. In diesen Momenten fühle ich mich frei und unbeschwert, zusammen mit den Menschen, die ich am meisten liebe. Momente puren Glücks, fernab vom Alltagsstress.

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Oder der Entdeckerdrang in mir macht sich breit. Städte erkunden oder verwunschene Wälder, durch verträumte Landschaften ziehen. Erinnerungen zaubern für unsere Kinder. Und für mich. Unvergessene Momente schaffen. Ich schwelge so unfassbar gern in solchen Erinnerungen…

Jetzt im Moment ist gerade gefühlt jeder im Urlaub. Überall sieht man Bilder von glücklichen Kindern an traumhaften Stränden. Ich schaue mir diese Bilder so gerne, aber ehrlicherweise nicht ganz neidlos, an.

Dieses Jahr hatten wir unseren Urlaub in Holland verbracht. An sechs von sieben Tagen hat es geregnet. Es war trotzdem ein schöner Urlaub. Aber irgendwie „reicht“ es schon jetzt nicht mehr. Mich zieht es schon wieder weg.

Nicht mal weit weg, nein. Ich habe neulich einen Artikel über die Teufelsschlucht in der Eifel gelesen. Ich war fasziniert. Ich liebe verwunschene Wälder. Mein Mann und mein Sohn lieben den Wald auch. Ich würde am liebsten sofort hin. Und das beste: Gleich in der Nähe gibt es einen Dinosaurier-Park! Und mein Sohn liebt die Urzeit-Giganten gerade so sehr. Es wäre der perfekte Ausflug! Aber an einem einzigen Tag für uns nicht machbar. Wir würden zu viel Zeit im Auto verbringen.

Und so fing ich an zu träumen und suchte eine nette Ferienwohnung in einem nahe gelegenen Resort. Ein langes Wochenende dort, gar nicht mal so teuer. Und die reizvolle Eifel mit vielen Ausflugszielen gleich vor der Tür. Und wie ich so bin, habe ich mir das alles schön ausgemalt und fest in den Kopf gesetzt.

Und dann nahm mein Mann mir den Wind aus den Segeln. Berechtigterweise. Eigentlich ist er nämlich kein Spielverderber, im Gegenteil. Aber es steht noch so viel an. Neues Sofa, ein passender Tisch dazu, diverses an Kleinkram. Wir müssen daher ein bisschen besser haushalten im Moment. Und das weiß ich eigentlich auch selbst.

Aber es frustriert mich. Nächste Woche hat mein Mann Urlaub, das Wetter ist toll. Es wäre perfekt gewesen. Und jetzt habe ich den Blues. Den Fernwehblues.

Ich will, dass er wieder abhaut. Den Ausflug können wir schließlich irgendwann nachholen. Das sagt der schlaue Kopf. Aber das sehnsüchtige Herz zeigt ihm ’nen Vogel.

Doch mein Kopf hat das Herz zurechtgestutzt und nun hat es klein beigegeben. Das ist zumindest die offizielle Version. Inoffiziell will ich immer noch weg.

Wir werden uns die Zeit aber auch ohne Urlaubsreise schön machen, das weiß ich.

Ich kann Dich nicht leiden, Fernweh! Du kannst nächstes Jahr wiederkommen. Dieses Jahr kann ich Dich nicht mehr gebrauchen.

Geht es Euch auch manchmal so? Zieht es Euch auch in die Ferne?

Auf den Spuren der Sioux

Donnerstag Morgen. Der Tag fängt spät an, beide Kinder schlafen relativ lange. Eigentlich könnte ich total entspannt sein. Eigentlich. Doch eine leichte innere Unruhe, gemischt mit Vorfreude, hat sich in mir breit gemacht.

Heute starten wir das Experiment Musical. Mein Sohn und ich. Nur wir beide. Wir würden heute zum YAKARI-Musical fahren.

Ich freute mich darauf, doch gleichzeitig hatte ich große Zweifel, ob Mr. Wibbel es schaffen würde, so lange Zeit ruhig sitzen zu bleiben. Er selbst freute sich jedoch auch und erzählte immer wieder stolz: „Heute fahren wir zum Yakari-Musical!“

Als Oma dann um kurz vor 12 kam, um auf die kleine Schwester aufpassen, ging es also los. Wir setzten uns ins Auto, um die etwa einstündige Fahrt nach Essen anzutreten. Mein Sohn durfte während der Fahrt einen Film anschauen. Wir fuhren kaum eine halbe Stunde, da musste ich dringend aufs Klo. Und das obwohl ich zuhause noch zwei Mal gegangen bin und extra nicht mehr als meine Tasse Tee beim Frühstück getrunken hatte. So fuhr ich am nächstbesten Rastplatz raus. Doch dort lungerten so komische Typen herum, die mir nicht ganz geheuer waren und ich fuhr dann lieber weiter.

Die nächsten fünf Rastplätze: Hatten alle keine Toilette. Hilfe! Auf dem Navi sah ich dann einen Rasthof kommen. Endlich! Und dann musste ich kurz vorher rausfahren. So kurvte ich etwa 15 Minuten durch Essen, meine Blase zum Bersten voll, auf der Rückbank ein Kind, dass im 30-Sekunden-Takt fragte, ob wir denn gleich da sind.

Schließlich dauerte es dann auch nicht mehr lange, bis wir am Ziel ankamen. Nur den Parkplatz hatte ich irgendwie verpasst, übersehen, keine Ahnung. Ich fand mich plötzlich vor einem IKEA-Parkplatz wieder. Mit Schranke. Keine Chance mehr zum Drehen. Also fuhr ich wohl oder übel drauf. Und dann drehte ich Runde, um Runde, um Runde. IKEA halt. Brechend voll. Ich fuhr daher ins angrenzende Parkhaus. Dort fand ich nach nur drei Runden schließlich einen Platz.

Das Parkhaus war meinem Sohn irgendwie nicht ganz geheuer. Mir auch nicht. Also nix wie weg. Zum Glück war es von dort bis zum Colusseum nicht allzu weit. Doch auch kurze Wege werden mit dem Wildfang an meiner Hand, an einer stark befahrenen Straße, zum Abenteuer. Er war kaum zu bremsen, weil er unbedingt endlich Yakari treffen wollte.

Im Theater angekommen mussten wir jedoch erst einmal unsere Karten abholen. Und mein Sohn bekam auch noch ein Poster und ein kleines Pixi-Buch geschenkt.

So, und jetzt erst mal zum Klo. Die Toiletten sind natürlich ganz oben im Theater. Macht das Sinn? Egal. Trepp auf, Trepp auf, Trepp auf. Dann endlich erlöst. Trepp ab, Trepp ab, Trepp ab und huuuuiiiiii…weg war mein Sohn. Wie immer kaum zu halten, musste er erst einmal alles erkunden. Aber gut, soll er mal rennen. Sitzen muss er schließlich noch lang genug.

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Viele Kinder waren sogar als Indianer verkleidet. Ein Mädchen sogar sehr professionell. „Schau mal Mama, da ist ‚Kleines Blatt‘!“ Sie hatte es ihm angetan. Wie sie uns erzählte, durfte sie später mit auf die Bühne. Sie hatte das gewonnen. Auf jeden Fall war mein Sohn begeistert, von dem „echten“ Indianer-Mädchen und rannte ihr ständig hinterher. Und auf einmal – war er weg. Er sauste so schnell um die Ecke, das er plötzlich aus meinem Sichtfeld verschwand. Ich rannte zwar schnell hinterher, aber er war nirgends zu sehen. Mir wurde heiß und kalt. Weit konnte er doch nicht sein. Ich rief ihn. Nichts. Ich rannte hin und her und rief immer wieder nach ihm. Er war nicht zu sehen. Und jetzt?

Ich ging wieder zurück zu der Treppe, auf der ich vorher saß. Und er rannte munter dort hinauf und hatte mich nicht mal vermisst. Durchatmen. Tief durchatmen.

Ich ging zu ihm und redete mit ihm, dass er nicht einfach wegrennen darf. Obwohl wir das vorher schon besprochen hatten. „Es ist doch alles gut, Mama! Jetzt bin ich ja wieder da!“ Ja, ein Glück.

Dann ertönte endlich der Gong. „Was war das, Mama?“ Gleich würde es losgehen. So gingen wir schließlich in den Saal und suchten unsere Plätze. Von da an war ich etwas entspannter. Es gab nicht mehr so viele Fluchtmöglichkeiten. Wir hatten wirklich gute Plätze und da die Reihe vor uns teilweise frei war, hatten wir sehr gute Sicht.

Neben meinen Sohn setze sich ein Mann, der ebenfalls mit seinem Sohn dort war.  „Wer ist das, Mama?“ Er stellte sich vor. Er heißt Thomas. Mein Sohn quatschte ihn eine Weile zu, dann kam wieder der Gong. Die Türen wurden geschlossen, das Licht ging aus, Musik ertönte.

Ich war aufgeregt. Wie würde der Wildfang das alles auffassen? Er saß da, wie gebannt. Es schien ihm zu gefallen. Ich entspannte mich und genoß die Show.

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Als dann endlich „Kleiner Donner“ zum ersten Mal auf die Bühne kam, strahle mein Sohn so sehr! Er sah so glücklich aus, dass ich das Wasser in den Augen stehen hatte.

Ihr erinnert Euch noch an Thomas? Bei jeder neuen Figur, die auf die Bühne kam, hat er sich schlapp gelacht. So, dass ich mich natürlich auch nicht zusammenreißen konnte. Besonders bei dem Lied „Glück ist bunt“, als zwei Herren als Blumen verkleidet über die Bühne schwoften, gab es kein Halten mehr. Was haben wir gelacht!

Dann durften wir zwischendurch noch alle einen Regentanz machen, was die Kinder total super fanden.

Ein wenig nervig fand ich persönlich den Pelikan „Tiefer Schnabel“. Etwas zu überdreht für meinen Geschmack. Doch das Mädchen zwei Plätze neben mir, hat so sehr gekichert Wegen dieses Vogels, dass es schon wieder süß war.

Gegen Ende des ersten Teils sagte mein Sohn dann: „Ich möchte den Film jetzt nicht mehr gucken!“ Aber dann kam auch schon bald die Pause und er rannte wieder los. Ich dachte schon, dass es sicher schwierig wird, ihn gleich wieder zum reingehen zu bewegen, doch als der Gong wieder ertönte, rannte er freiwillig wieder in den Saal.

Trotzdem war die zweite Hälfte etwas schwierig. Er konnte und wollte nicht mehr sitzen. Ich gab ihm einen Keks nach dem anderen. Doch irgendwann waren die Kekse schließlich leer. Und er sprang vom Stuhl, dessen Sitzfläche donnernd hochklappte, dann wieder rauf, wieder runter… Und schließlich wieder: „Ich möchte den Film nicht mehr gucken!“ Doch dann kam ein Feuer, und das fand er wieder spannend. Und dann war es auch schon fast aus.

Das große Finale mit dem Song „Freunde fürs Leben“ hat mich, wie immer zu nah am Wasser gebaut, zu Tränen gerührt. Am liebsten hätte ich laut mitgesungen.

Schließlich war es vorbei und mein Sohn sagte sofort: „Können wir das nochmal gucken, Mama?“

Es war wirklich schön. Und es hat viel besser geklappt, als ich erwartet hatte. Überhaupt: Ich war erstaunt, wie gut all die Kinder mitgemacht haben. Nur zwei Mal habe ich ein Kind weinen hören. Die meiste Zeit guckten sie alle ganz gespannt auf die Bühne.

Nun war es Zeit für die Heimfahrt. Mein Sohn war natürlich wieder kaum zu bremsen und wollte losrennen. Dennoch blieb er an meiner Hand. Ich war froh, als wir dann aber schließlich wieder im Auto saßen.

Doch aus der Stadt rauszukommen dauerte ewig. Mitten im Berufsverkehr. Als wir endlich auf der Autobahn waren und ich den Stau auf der Gegenfahrbahn stadteinwärts sah, war ich froh, dass wir in die andere Richtung mussten.

Es regnete. Und der Regen wurde immer stärker. Ich fuhr daher ganz gemütlich. Schließlich kamen wir aber auch noch in einen Stau. Mein Sohn saß ganz ruhig hinten und schaute seinen Film. Erstaunlich, wo er doch schon so lange sitzen musste. Letztendlich dauerte die Heimfahrt etwa doppelt so lang, wie die Hinfahrt.

Als wir gegen 18.00 endlich zuhause ankamen, waren wir beide ganz schön müde. Aber auch froh, dass wir einen schönen Tag hatten.

Und ich stelle fest, dass er schon so groß geworden ist und dass man mit ihm inzwischen schon viele Dinge unternehmen kann, an die vor kurzem noch nicht zu denken war. Mein großer Junge!