Das schwarze Brett – der Feind

Ich bin unfähig. Absolut nicht tauglich. Bitte sagt mir, dass es Euch auch so geht! Es geht Euch doch so, nicht wahr?

Denn: Ich bin nicht kitatauglich.

Ich komme jeden Morgen total gestresst im Kindergarten an, suche oftmals wie verrückt nach den Hausschuhen, die ich nicht immer finde, schaffe es gerade so, das Tochterkind davon abzuhalten, sich die Treppe hinunterzustürzen, während ich meinen Sohn beim Umziehen helfe.Weiterlesen »

Der neue Takt und seine Tücken

Der Wecker klingelt um 06.30 Uhr. Oder noch früher. Schlaftrunken taumle ich ins Bad, um mich auf Vordermann zu bringen. Es dauert auch nicht lange, bis ich mich einigermaßen wach und frisch fühle. Irgendwo in mir drin schlummert wohl doch noch die Frühaufsteherin von damals. Es fehlt mir dennoch, bis halb acht oder länger im Bett zu liegen. Ich vermisse den gemütlichen Start in den Tag, ganz ohne Eile.

Jetzt muss alles schnell gehen. Sobald ich fertig bin, wird das Kindergartenkind geweckt. Nur selten wird er von allein wach, ist er doch eigentlich ein Langschläfer. Verhältnismäßig. Trotzdem klappt es mit dem Waschen und Anziehen relativ reibungslos, hat er sonst alles dafür getan, um das so lange wie möglich hinauszuzögern. Dann geht es runter in die Küche. Ich stelle ihm ein kleines Frühstück hin und schmiere ein Brot für die Frühstückspause im Kindergarten, dazu Obst oder Gemüse. Während er in der Küche frühstückt, darf er ein Video auf dem Tablet anschauen, denn meistens muss ich ihn dort allein lassen, um seine kleine Schwester fertig zu machen. Dann werden alle in Jacken und Schuhe gepüngelt, Rucksack an und ab ins Auto, alle anschnallen.

Wir machen uns auf den Weg zum Kindergarten im Nachbarort. Wir fahren etwa 7 Minuten.

Währenddessen: „Warum muss ich immer in den Kindergarten, Mama?“ Die anfängliche Euphorie war schnell abgeebbt. Dann folgten tränenreiche Trennungen, womit ich echt zu kämpfen hatte. Nach knapp zwei Wochen war das zum Glück ausgestanden. Trotzdem geht er nicht gern. Weil ich immer wegfahre. Und weil da Erzieherinnen sind.

Wir sind schließlich angekommen. Wieder alle raus aus dem Auto, rein in den Kindergarten. Jacke aus, Hausschuhe an, Treppe runter, Rucksack aufhängen. Bis dahin alles gut. Mein Sohn versteckt sich hinter mir oder kuschelt sich an mich. „Fährst Du jetzt, Mama?“ Ja, ich muss… Zum Abschied winken wir uns immer noch am Fenster und werfen uns Küsschen zu. Das witzige ist, dass die Kleine das auch schon genau weiß und sobald wir zum Tor raus und Richtung Fenster gehen, fängt sie schon an zu winken.

Wieder rein ins Auto und dann geht es nach Hause. Ich habe großen Hunger und es fällt mir immer schwer, das Haus ohne Frühstück zu verlassen. Aber anders kriege ich es zeitlich nicht hin, sonst müsste ich noch früher aufstehen und es passt auch nicht zum 5-Stunden-Rhythmus meiner Diät.

Manchmal muss ich dringend ein paar Teile einkaufen. Das mache ich immer gleich, nachdem ich den Wildfang im Kindergarten abgeliefert habe. Hungrig. Gar nicht gut. Deswegen versuche ich das zu vermeiden, wenn es geht. Zuhause wird also erst einmal gefrühstückt. Um halb zehn bekommt die Kleine dann ihre Zwischenmahlzeit.

Es regnet nicht? Dann geht es jetzt raus. Kind in den Kinderwagen und eine bis eineinhalb Stunden spazieren gehen. Wir laufen durchs Städtchen, durch die Schwalmauen, durch den Wald. Ich genieße es, wieder rauszukommen, in Bewegung zu sein, unter Leute zu kommen. Länger darf ich aber nicht gehen, denn entweder hat die Kleine dann keine Lust mehr, oder sie schläft ein. Beides nicht gut.

Wieder zuhause wird dann ein wenig gespielt, gekuschelt, Bücher angeschaut. Vielleicht auch etwas im Haushalt erledigt. Dann müssen wir auch schon wieder los. Um 12.15 Uhr müssen wir wieder am Kindergarten sein.

Wieder rein ins Auto. Die Kleine schreit oder schläft ein. Oder beides. Ich versuche immer, sie wach zu halten, klappt aber oft nicht. 7 Minuten später wieder raus aus dem Auto. Und da höre ich ihn schon: Den Freudenschrei! Überglücklich, dass ich wieder da bin, schreit und tanzt und singt mein Sohn. Ich höre mir an, dass er und sein Freund den halben Kindergarten unter Wasser gesetzt haben. Oder ständig auf die Klingel gedrückt haben. Oder eben anderen Blödsinn verzapft haben. Dass er allein auf dem Seilgarten geklettert ist. Dass er mehrmals auf dem Klo war. Irgendwas gibt es immer zu erzählen. Dann schnell umziehen, Treppe runter, Rucksack holen, Treppe rauf. Auf Wiedersehen.

Alle wieder rein ins Auto. Mein Arm schmerzt, weil ich die Kleine die ganze Zeit geschleppt habe. Auf der Rückfahrt unterhalten wir uns über den Kindergartentag. Die Kleine starrt ihren Bruder dabei pausenlos an. Die Müdigkeit ist vergessen. Dafür ist er müde. Angekommen, wieder alle raus aus dem Auto, rein ins Haus. Sofort wird der Mittagsbrei angerichtet und die Kleine gefüttert. Gleich danach geht sie ins Bett.

Wenn alles gut läuft, dann haben mein Sohn und ich nun etwa eineinhalb Stunden nur für uns. Manchmal möchte er einen Film anschauen, oft kuschelt er sich dann ganz nah an mich heran. Meistens möchte er aber mit seinen Dinosauriern spielen. Oder lesen. In den Garten. Was immer er möchte – die Zeit gehört ihm.

Wenn es schlecht läuft, hatte er bis dahin schon drei Wutanfälle. Wegen den kleinsten Kleinigkeiten, die volle Breitseite. Die Wut ist wieder da. War er in den letzten Wochen vor dem Kita-Start so ruhig und ausgeglichen, dass ich glaubte, es sei nun endlich geschafft, ist nun genau das Gegenteil der Fall. Da fällt ihm – nachdem er seinen Teller Nudeln fast leer gegessen hat – ein, dass er doch lieber Suppe wollte und plötzlich geht die Welt unter. Ich versuche dann, ihn zu trösten, zu beruhigen, ihn abzulenken. Manchmal hilft es. Aber genauso oft: Fehlanzeige. Ich mache es dann nur noch schlimmer und irgendwann platzt mir dann schließlich auch der Kragen, so sehr ich auch versuche, mich in Geduld zu üben, Verständnis zu zeigen. So krachen wir regelmäßig aneinander. Dabei war es doch vor kurzem noch so harmonisch. Und jetzt ist alles wieder anders.

Warum das so ist? Trennungsangstmüdigkeitswut.

Das frühe Aufstehen, mehr Förderung, mehr spielen und toben – das macht ganz schön müde. Und wir wissen es ja von uns selbst: Wenn wir übermüdet sind, können wir auch schon mal gern schlechte Laune haben. Nur, dass wir als Erwachsene in der Regel besser damit umgehen können. Den Mittagsschlaf wieder einzuführen, ist jedoch keine Lösung. Zum Einen, weil er das nicht will, zum Anderen, weil er dann Abends nicht vor 22.00 Uhr in den Schlaf findet.

Und dann hat er auch noch damit zu kämpfen, dass ich ihn jeden Tag „allein“ zurücklasse. Am Anfang fand er es sicher noch aufregend, mal ohne Aufsicht von Mama oder Papa zu sein. Doch als ihm aufging, dass er nun jeden Tag von uns getrennt wird, fand er das nicht mehr so lustig. Er ist so traurig, wenn ich gehe und dann sind da ja auch noch die Erzieherinnen, die ihm plötzlich auch etwas zu sagen haben. Tatsächlich spielt er zwar den ganzen Tag schön und ich denke, es gefällt ihm schon, aber fast jeden Tag würde er doch lieber zuhause bleiben. Auch vor Personen, die er eigentlich sehr gern hat, wie seine Omas und der Opa, verschließt er sich neuerdings, will nicht mit ihnen reden, geschweige denn mit ihnen alleine spazieren gehen, was er sonst mit großer Freude gemacht hat. „Ich mag nur Mama und Papa.“, heißt es dann. Jeder Abschied von Mama oder Papa fällt schwer, auch wenn man nur mal für ein paar Minuten weg muss. Das kennen wir gar nicht von ihm.

Ich denke, es strömt gerade einfach zu viel Neues auf ihn ein und ich hoffe, dass er sich bald wieder rundum wohlfühlt und mit Freude in den Kindergarten geht.

Tatsächlich ist es neulich einmal dazu gekommen, dass er wütend und müde war und sich in sein Bett verkrochen hat. Er ist tief und fest eingeschlafen. Nach einer Dreiviertelstunde wollte ich ihn wecken, aber er sagte, er wolle noch weiter schlafen.

Doch normalerweise verbringen wir die Mittagszeit spielenderweise. Wenn die Kleine dann wach wird, gibt es ein zugegebenermaßen spätes Mittagessen. Danach wird gespielt, bei gutem Wetter gerne im Garten. Manchmal bekommen wir Besuch oder fahren zu Freunden.

Das Abendessen haben wir nun auf 18.20 Uhr vorgezogen und gleich danach geht es nach oben. Die Kinder werden beide bettfertig gemacht und dann wird noch eine Weile gespielt, gelesen oder gesungen. Die letzte halbe Stunde des Tages, ist komischerweise immer die entspannteste Zeit. Beide Kinder sind gut gelaunt und es wird viel gelacht.

Um halb acht wird das Tochterkind schließlich ins Bett gebracht. Das macht meistens der Papa und in der Zeit lese ich mit dem Wildfang ein Buch. Ist Papa nicht da, bringe ich die Kleine ins Bett und der Große muss so lange allein spielen. Wenn ich wieder zurück bin, wird anschließend noch ein Buch gelesen und dann geht es auch für ihn ins Bett.

Feierabend. Jetzt ist Zeit für ein Bad. Mein Magen hängt mir schon fast auf den Knien. Also noch schnell etwas essen und dann wird es sich vor dem Fernseher oder manchmal auch mit einem Buch gemütlich gemacht, bis es dann gegen 23.00 Uhr ins Bett geht.

Gute Nacht.

Was mir an dem neuen Tagesrhythmus gefällt: Ich komme wieder öfter vor die Tür und auch an den Tagen, wo mein Mann beruflich unterwegs ist, habe ich nicht mehr so schnell das Gefühl, dass mir die Decke auf den Kopf fällt. Trotzdem ist es komisch ohne den Wildfang. Es ist so verdammt ruhig hier. Und die ganze Fahrerei, Schlepperei, Ein- und Ausladerei ist etwas nervig und anstrengend. Aber ich denke, schon ganz bald ist das alles so in Fleisch und Blut übergegangen, dass es nicht mehr stört. Wir müssen uns alle noch ein wenig an den neuen Takt gewöhnen. Aber das wird schon.

Wie war oder ist es bei Euch, als Eure Kinder in den Kindergarten kamen? Hat sich viel für Euch verändert?

Ein gelungener Start*

*Hindernisse inklusive

Seit gut einer Woche ist mein Sohn nun ein richtiges Kindergartenkind. Nach den drei erfolgreichen Schnuppertagen, die er bereits vor einigen Wochen im Kindergarten verbringen durfte, hat er sich richtig darauf gefreut und war stolz wie Oskar, als es nun endlich losging!

2016-08-31-13-46-15-843_1.jpg

Und wie erwartet, war das Loslösen von Mama auch überhaupt kein Problem. Er wurde gleich von einer Erzieherin an die Hand genommen, sagte mir noch kurz Tschüss und schon war ich abgeschrieben. Ich fuhr mit einem recht guten Gefühl nach Hause.

Im Haus war es ziemlich ruhig. Das Tochterkind schlief noch tief und fest, nachdem sie die Nacht mehr oder weniger durchgemacht hat. An diesem Morgen war ich sehr dankbar, dass ich meinem Mann das Babyphone einfach auf den Schreibtisch stellen konnte. Ein Hoch auf das HomeOffice!

Und so saß ich zunächst eine ganze Weile auf dem Sofa, horchte in die Stille und wusste nichts mit mir anzufangen. Als die Kleine schließlich wach wurde und wir gefrühstückt hatten, packte ich sie gleich in den Kinderwagen und los ging’s! Spaziergänge gab es bisher nur am Wochenende oder wenn Oma dabei war, denn mit beiden Kindern konnte ich allein nicht gehen, da der Wildfang nach wie vor der Wegläufer ist. Das soll sich nun ändern. Mit der Kleinen werde ich nun regelmäßig vor die Tür gehen – endlich wieder! Raus kommen, Frischluft tanken und mehr Bewegung.

Die Zeit war ruck zuck rum und um 12.15 mussten wir wieder am Kindergarten sein, um den großen Bruder abzuholen. Er freute sich, uns zu sehen! Die Erzieherinnen sagten mir, dass alles super gelaufen ist. Und auch mein Sohn erzählte mir freudig von seinem Tag.

„Wir hat es Dir denn heute gefallen, mein Schatz?“ „Es war toll, Mama!“ „Und, möchtest Du morgen wieder in den Kindergarten gehen?“ „Nein Mama! Ich möchte jetzt lieber in die Schule gehen!“

Okay! Er sagte mir aber dann, was er alles so gemacht hat, welches Lied sie gesungen haben, dass er draußen gematscht hat…alles wunderbar.

Zuhause wartete eine Überraschung auf das Kindergartenkind.

Wir nahmen diesen besonderen Tag zum Anlass, ihm ein TipToi-Starterset zu schenken und noch ein paar andere Kleinigkeiten. Die Großeltern hatten auch etwas dazu beigesteuert und so hat er passend zum TipToi-Stift auch noch drei Dinosaurier-Figuren bekommen.

Am nächsten Tag ging er wieder freudig in den Kindergarten. Es war sehr heiß und ich nutze den noch halbwegs angenehmen frühen Morgen für eine kleine Runde durch den Wald. Als ich meinem Sohn mittags wieder abholte, fragte er mich: „Aber warum fahren wir denn schon wieder nach Hause? Ich möchte noch im Kindergarten bleiben.“ So ging es an den nächsten beiden Tagen auch.

Weil es mir zu heiß war zum Spazieren, nutze ich den Donnerstag tatsächlich für ein wenig (die Betonung liegt auf wenig) Hausarbeit, soweit es die Kleine zuließ. Es geschehen noch Zeichen und Wunder! Das Zeitfenster für sowas ist aber wirklich klein, denn irgendwann ertönt großes Protestgebrüll aus dem Laufstall.

Freitag Morgen war ich dann seit Monaten zum ersten Mal wieder einkaufen mit Kind. Für Pusteblume war es tatsächlich der erste Einkauf. Sie hat sogar ganz gut mitgemacht und selig war sie dann, als sie auch noch eine Scheibe Käse bekam.

Samstag Morgen wollte der Wildfang dann wieder in die Kita. Wir mussten ihn auf Montag vertrösten. Ich war erfreut, dass er sich dort offensichtlich wohl fühlt.

Am Dienstag jedoch war die Nacht schon um 04.20 vorbei. Das Kind: krank! Nach nur einer Woche ist er tatsächlich schon krank. Gleich sechs Mal musste er sich übergeben, der arme kleine Kerl. Doch es dauerte nicht allzu lange, bis es ihm wieder besser ging. Aufs Sofa gekuschelt, „Ice Age“ im TV und Zwieback in der Hand – und schon ging es bergauf. Tatsächlich hatte er an dem Tag einen gesunden Appetit und aß sogar Möhrengemüse – drei Portionen!

Offenbar hatte die Schonkost gewirkt und er war am Nachmittag wieder putzmunter. Die Nacht war ebenfalls ruhig, der nächste Morgen war da.

„Hast Du noch Bauchschmerzen?“ „Nein, alles wieder gut, Mama!“ Und in den Kindergarten wollte er auch wieder.

Doch dort angekommen, klammerte er sich an mich und wollte unbedingt wieder mit nach Hause. Die Erzieherin und ich redeten beruhigend auf ihn ein, doch er wollte einfach nicht spielen gehen. Schließlich nahm sie ihn einfach, obwohl er sich mit Händen und Füßen wehrte, und sagte mir, ich solle fahren. Schweren Herzens ging ich – ihn weinen zu hören brach mir fast das Herz.

Noch bevor ich Zuhause ankam, hatte die Erzieherin schon angerufen, um uns zu sagen, dass er sich beruhigt hätte und dass es gut möglich sei, dass es öfter solche Abschiede geben wird, es aber keinen Sinn machen würde, wenn wir ihn dann wieder mit nach Hause nehmen. Sicher – sie haben da mehr Erfahrung, aber es ist verdammt noch mal nicht einfach sein Kind gegen seinen Willen einfach dort zu lassen.

Ich saß unruhig herum und schließlich entschied ich mich dazu, spazieren zu gehen. Ich bin nicht weit gekommen. Die Kita rief an – unser Sohn hat sich zwar beruhigt, dafür hat er jetzt aber Durchfall. Ich sollte ihn bitte abholen.

Dort angekommen, wollte er aber gar nicht weg. Ich zog ihm die Hausschuhe aus und schneller als ich gucken konnte, hatte er seine Gummistiefel an und war draußen auf dem Spielplatz. Ihn zum Weggehen zu bewegen, war gar nicht so einfach.

Ich werde ihn nun einen Tag zu Hause lassen. Sollte er wieder richtig fit sein, geht es Freitag wieder in den Kindergarten. Mal sehen, ob er dann bleiben möchte, oder nicht.

Ich hoffe auf einen leichten Abschied. Für uns beide.

To be continued…

Notiz an mich: Der Kindergarten geht bald los!

Kaum zu glauben: In weniger als zwei Wochen ist mein Sohn ein richtiges Kindergartenkind. Zwei Wochen! Und die fliegen jetzt wahrscheinlich nur so an uns vorbei.

Ich denke, er wird mir sehr fehlen. Es wird ziemlich ruhig hier, auch wenn seine kleine Schwester inzwischen ebenfalls lautstark durch die Gegend zieht. Manchmal ist sie sogar lauter als er.

Aber wir waren nun über drei Jahre lang jeden Tag zusammen und nun gebe ich ihn in die Obhut von Fremden. Ich mache das, weil ich glaube und hoffe, dass es ihm gut tut, dass er dort Spaß haben wird, Freundschaften knüpft und Neues lernt.

Aber eigentlich würde ich ihn am liebsten festhalten. Ganz nah bei mir. Denn tief im Inneren bin ich doch eine Glucke. Ja, das bin ich wohl.

Woran ich persönlich mich auch gewöhnen muss: Weniger Schlaf. Jetzt kann ich nicht mehr bis halb acht im Bett liegen bleiben, oder sogar noch länger. Nein. Dann heißt es früh aufstehen, beide Kinder wecken, sich morgens abhetzen, damit er pünktlich um spätestens 08.30 dort ist.

Und dann? Es wird sich einiges ändern. Der Vormittag gehört dann seiner kleinen Schwester. Mehr getan bekomme ich dadurch jedoch wohl nicht, denn sie fordert mich zur Zeit schon sehr. Aber bestimmt bekomme ich endlich wieder mehr Bewegung. Denn nur mit ihr allein, kann ich auch wieder regelmäßig spazieren gehen.

Mal sehen, wie wir die Zeit verbringen, bis wir ihn um 12.15 wieder abholen können. Bestimmt fällt uns jede Menge ein. Doch es wird auch eine Umstellung. Für uns alle.

Wir alle müssen einen neuen Rhythmus finden. Und wir werden uns gegenseitig vermissen. Ich ihn wohl mehr, als er mich. Sicher braucht es eine Weile, bis wir uns daran gewöhnt haben.

Noch zwei Wochen, dann muss ich mein Baby hergeben, das schon längst kein Baby mehr ist. Hach…

Kita-Luft geschnuppert

Letzten Donnerstag war es so weit. Mein Sohn sollte seinen ersten Schnuppertag im Kindergarten haben.

Um ihn ein wenig auf die Kita vorzubereiten, haben wir ihm das Buch Mein Kindergarten gekauft, welches er sehr gerne liest. Ich habe ihm in den Tagen davor immer wieder erzählt, dass er jetzt bald schon mal für einen Tag in den Kindergarten gehen kann. Wir haben ihm extra dafür auch Hausschuhe gekauft und ich sagte ihm, dass er allein im Kindergarten bleiben kann, wenn er das möchte. Und wenn nicht, würde ich bei ihm bleiben.

Als der Tag dann kam und ich ihn morgens geweckt habe, sagte er gleich: „Ich will nicht in den Kindergarten!“ Obwohl er sich die Tage zuvor so darauf gefreut hat. Und es dauerte keine fünf Minuten, da hatte er seine Meinung auch schon wieder geändert.

Deshalb machten wir uns nach dem Frühstück auf den Weg und auf der Fahrt sagte ich ihm nochmal, dass ich nach Hause fahren würde, wenn es für ihn in Ordnung ist, und dass die Erzieherinnen auf ihn aufpassen würden. „Aber Du sollst nicht wegfahren!“

Das wäre auch okay, doch das hatte er schon längst wieder vergessen, als wir am Kindergarten ankamen. Wir waren pünktlich um 08.30 Uhr dort. Kaum hatten wir den Gruppenraum betreten, sagte er nur noch „Mama, kannst Du mir meine Hausschuhe anziehen?“, und weg war er! Von dieser Sekunde an war ich total abgeschrieben. Eine Erzieherin fragte ihn nach ein paar Minuten, ob er mir noch Tschüss sagen wollte, und er rief dann nur aus der Ferne „Tschüss Mama!“ und hat kurz gewunken. Wie, und das war’s jetzt? Kein Küsschen? Nicht mal drücken? Ich blieb noch zwei Minuten stehen und sah ihm zu, wie er alles erkundete, ging dann noch mal kurz zu ihm und sagte „Ich fahre dann jetzt. Ich hole Dich später wieder ab.“ Er sah mich nicht mal richtig an. „Bis später, Mama!“

Tja, so ging ich dann – schweren Herzens und erleichtert zugleich. Als ich im Auto saß, konnte ich mich aber nicht mehr zusammenreißen und heulte erst mal eine Runde.

Den Kindern Wurzeln zu geben, ist nicht schwer. Ihnen Flügel zu verleihen hingegen ist gar nicht so einfach. Was die Muttergefühle so mit einem anstellen – unglaublich.

Nun war er also zum ersten Mal in der Obhut von Fremden. Bisher haben ihn nur die Großeltern betreut, wenn wir mal etwas vor hatten. Und obwohl ich traurig war, obwohl mir dabei ein bisschen mulmig war, war ich doch auch froh, dass es so reibungslos klappte und er keine Angst hatte. Das zeigte mir nur umso mehr, wie reif er schon längst dafür ist.

Als ich zuhause ankam, saß mein Mann auf dem Sofa und fragte nur „Und?“ – und schon fing ich wieder an zu heulen. „So schlimm?“ Ich sagte nur „Muttergefühle“ und brauchte dann wieder eine Weile, um mich zu erholen.

Die Kleine schlief auch noch und es war so furchtbar ruhig im Haus, wo hier doch sonst immer jemand rumwuselt, der ohne Punkt und Komma quasselt, Fragen stellt oder singt. Zuerst wusste ich nicht viel mit mir anzufangen, doch dann entschloss ich mich dazu, den riesigen Korb mit Kindersachen für den Verkauf bei eBay zu fotografieren, der schon seit Wochen unbeachtet in der Ecke stand.

So ging die Zeit doch recht schnell um, und um 12.00 Uhr machte ich mich dann schließlich auf den Weg, um den Wildfang wieder abzuholen.

Als ich an der Kita ankam, waren alle Kinder draußen auf dem Spielplatz. Ich habe meinen Sohn sofort entdeckt. Er stand an einem großen Eimer, der mit Wasser gefüllt war, und warf Sand hinein. Natürlich. Wo es etwas zum Matschen gibt, ist er zur Stelle. Ich blieb ein paar Meter entfernt stehen und beobachtete ihn. Er schien absolut zufrieden zu sein. Als er mich nach einer Weile entdeckte, kam er angerannt und rief: „Mama, endlich bist Du wieder da!“ und sagte jedoch im gleichen Atemzug: „Ich möchte aber noch ein bisschen hier bleiben!“ Und schon war er wieder weg.

Die Erzieherin erzählte mir, dass alles sehr gut geklappt hat. Er hat mit den anderen zusammen gefrühstückt, sich vorlesen lassen und mit ein bisschen Überredungskunst auch die Windel wechseln lassen. Die meiste Zeit rannte er jedoch herum, wie ein aufgescheuchtes Huhn und ich sagte ihr, dass er meistens in Bewegung ist. Erst recht, wenn es so viel Neues zu entdecken gibt. Dann hat er noch mit einer Tube Klebstoff alles eingesaut und ich musste innerlich ein bisschen schmunzeln. Das ist typisch für ihn.

Als wir schließlich wieder im Auto saßen, erzählte er mir, was er alles gemacht hat. „Wir haben im Kreis gesessen und dann haben wir gesungen. Drei Lieder haben wir gesungen. Auch das Lied von der Schlange. Die macht immer Tzzz,Tzzz, Tzzz! Und wir haben gefrühstückt und mit den Autos gespielt und dann waren wir auf dem Spielplatz!“ Er schien begeistert zu sein und ich war froh, dass er offensichtlich so viel Spaß hatte. Er freut sich jetzt schon auf das nächste Mal!

Nun hat er jeweils im Juni und im Juli noch einen Schnuppertag, bevor es dann am 22. August richtig losgeht. Ich bin sehr gespannt, wie er es findet, bald jeden Tag in die Kita zu gehen. Ich werde natürlich davon erzählen, wenn es so weit ist.