Der Abriss

Jahrelang stand sie brach, achtlos fuhr jeder an ihr vorbei. Sie war schon dort seit einer Ewigkeit und sie wird sicher noch eine weitere Ewigkeit dort bleiben, so dachte ich – die alte Ziegelei bei uns im Ort.

Aber jetzt geht es ihr an den Kragen. So viel ungenutzter Platz. So viel Neues könnte hier entstehen. Und so soll es sein. Schneller als man gucken kann wird nun alles abgerissen, zertrümmert, in Schutt und Asche gelegt.

Eigentlich kann mir das egal sein. Ist es aber nicht. Denn tatsächlich ist es nicht einfach irgendeine alte Fabrik für mich. Es ist ein Stück Kindheit. Weiterlesen »

Begegnungen

Im Leben begegnet man vielen Menschen. Manche begleiten Dich viele Jahre und gehen den Weg mit Dir gemeinsam. Einige begleiten Dich nur eine kleine Weile. Und dann gibt es die, denen man nur kurz über den Weg läuft. Menschen, die für Dein Leben eigentlich nicht wichtig sind, und es dennoch bereichern.

Im Moment begegne ich täglich vielen Menschen, wenn ich morgens die kleine Pusteblume im Kinderwagen vor mir her schiebe und mit ihr durch die Natur streife. Manchen sage ich nur kurz Hallo, andere begleiten mich ein Stück. Oder vielleicht ist es auch umgekehrt. Manche Begegnungen bleiben in Erinnerung, so wie eine kleine Geschichte.

Ein paar dieser Geschichten schreibe ich auf. Für Euch. Für mich. Für diejenigen, die mir begegnet sind.Weiterlesen »

Mein Kind gehört zu mir

Neulich trafen wir vor dem Haus eine Nachbarin. Diese eine Nachbarin, die eigentlich ganz nett ist, die aber auch immer alles mitbekommt, die alles beobachtet, die zu allem eine Meinung hat.

Sie fragte meinen Sohn: „Na, kommst Du gerade aus dem Kindergarten? Wie hat es Dir denn gefallen?“ Und er antwortete: „Gut. Aber dann war mir die Zeit zu lang und ich wollte nach Hause.“ Sie daraufhin: „Ach was, es ist doch schön mit den anderen Kindern zu spielen.“ „Ja, aber manchmal vermisse ich Mama.“, sagte er.Weiterlesen »

Besiegbare Heldinnen

Bevor Du Mutter wurdest, wusstest Du da, was auf Dich zukommt? Hast Du es nur ansatzweise geahnt? War Dir bewusst, welche Gefühle Dein Kind in Dir auslösen würde?

Ich hatte eine gewisse Vorstellung davon, wie mein Leben als Mutter wohl aussehen würde. Mir war klar, dass sich vieles ändert, dass mein Kind von nun an meine Lebensaufgabe ist. Dass ich es sehr lieben würde. Dass ich bestimmt auch so manches Mal besorgt sein werde.

Doch diese Vorstellungen wurden übertroffen. Weit übertroffen. Geht es Euch ähnlich? Hat Euch das Mutterdasein gefühlsmäßig auch in eine völlig andere Welt katapultiert? Habt auch Ihr in Euch Kräfte entdeckt, von denen Ihr nicht mal ansatzweise geahnt habt, dass Ihr sie aufbringen könnt?

Was ich für mein Kind tue

Wenn man Mutter wird, ändert sich zunächst einmal alles. Von nun an trägt man eine ganz besondere Verantwortung: Für einen kleinen Menschen zu sorgen, für ihn da zu sein, ihn geborgen und behütet aufwachsen zu lassen.

Sich um ein Kind zu kümmern bedeutet in den ersten Wochen und Monaten vor allen Dingen, ihm Liebe zu schenken, es zu ernähren, es zu halten, in den Schlaf zu wiegen. Nähe und Geborgenheit sind die wichtigsten Dinge für solch einen kleinen, zerbrechlichen Erdenmenschen. Für uns als Eltern geht das meist mit Schlafmangel einher, manchmal mit Ratlosigkeit und Selbstaufgabe. Das Baby bestimmt in den ersten Wochen Deinen Lebensrhythmus, nicht andersherum.

Du trägst Dein Kind, Du fütterst Dein Kind, Du wickelst Dein Kind, spielst mit ihm, singst ihm vor, tröstest es und tust alles dafür, dass es ihm gut geht.

Wenn es größer wird, bringst Du ihm vieles bei, liest ihm vor, erklärst ihm die Welt, und wirst dabei selbst noch viel Neues erfahren. Du eignest Dir Wissen an, um es an Dein Kind weiterzugeben, Du sammelst für und mit Deinem Kind Erinnerungen, bereitest es auf das Leben vor, damit es später stark und selbstsicher eigene Wege beschreiten kann.

Du führst so manchen Kampf aus – meistens mit Dir selbst – wenn Dir bewusst wird, dass Du für Dein Kind perfekt sein willst, es aber nicht einmal annähernd bist. Selbstzweifel werden Dich vielleicht sogar all die Jahre begleiten, vor allem immer dann, wenn etwas schief läuft.

Du richtest Dein Leben nach Deinen Kindern aus, planst die wenige Freizeit die Du hast so, dass Deine Kinder glücklich sind und Spaß haben. Aber seien wir doch mal ehrlich: Nur wenn die Kinder glücklich sind, sind wir es als Eltern auch!

Was ich für mein Kind empfinde

Die Liebe zu meinen Kindern – ein Gefühl, dass ich vorher nicht kannte. Diese Liebe ist so rein, so tief und vollkommen bedingungslos.

Sie können den größten Mist bauen, den ganzen Tag meckern, motzen und toben. Manchmal ist man sogar wütend auf sie. Eine Partnerschaft würde das auf Dauer nicht verkraften – aber die Beziehung zu unseren Kindern lässt sich dadurch nicht erschüttern. Geht es Euch auch so?

Und platzt Ihr auch vor Glück, wenn Ihr Eure Kinder beobachtet, wie sie lachen und spielen und die Welt erkunden? Es gibt nichts Schöneres – und manchmal fühlt es sich an, als würde mein Herz vor lauter Liebe fast zerspringen.

Wir geben unser Bestes – immer

Jeder von uns weiß aber auch, wie anstregend es sein kann, sich um seine Kinder zu kümmern. Es ist tatsächlich ein 24-Stunden-Job, denn wir sind immer im Einsatz. Die Kinder wachen früh auf und Du quälst Dich manchmal förmlich aus dem Bett, um für sie da zu sein, obwohl Du so unfassbar müde bist. Denn die Nacht war kurz. Die Kinder haben wieder mal unruhig geschlafen oder vielleicht sogar die Nacht zum Tag gemacht. Wie so oft. Aber Du stehst auf, weil sie Dich brauchen, auch wenn Du Dich am liebsten noch einmal umdrehen würdest.

Du ziehst sie an, machst ihnen Frühstück, spielst mit ihnen, bringst sie vielleicht in die Kita oder zur Schule. Du trocknest ihre Tränen, Du kuschelst mit ihnen, Du lässt Dich als Klettergerüst und Hüpfburg missbrauchen, Du liest und singst ihnen vor, baust Luftschlösser mit ihnen.

Du schimpfst mit ihnen, glättest Wogen, beruhigst und tröstest sie. Du begleitest sie mit Liebe und Nerven wie Drahtseilen durch den Tag. Manchmal verlierst Du auch die Nerven – aber, hey! Das ist menschlich. Wir sind eben nicht perfekt und das müssen wir auch gar nicht sein.

Zwischen all dem versuchst Du, den Haushalt nicht völlig im Chaos versinken zu lassen, auch wenn das nicht immer gelingt. Erst recht nicht, wenn Du vielleicht auch noch arbeiten gehst. Manchmal räumst Du den ganzen Tag auf und tust und machst – doch am Ende des Tages sieht es trotzdem so aus, als hättest Du nichts gemacht.

Schließlich begleitest Du Deine Kinder nach einem langen Tag in den Schlaf. Doch oft wird Dein wohlverdienter Feierabend gestört, weil das Kind nicht schlafen kann, weil es Pipi muss, Hunger hat, oder Monster unterm Bett sind.

Wenn schließlich alle Monster verjagt sind, bist Du selbst so erschöpft, dass Du bei Deiner Lieblingsserie auf dem Sofa einschläfst.

Ihr findet Euch darin wieder? Ja, bestimmt. Denn vielen geht es so. Als Eltern leisten wir so viel. Wir investierten oft all unsere Kraft in unsere Kinder. Und jeder von Euch macht einen verdammt guten Job. Wirklich! Auch wenn Ihr manchmal an Euch selbst zweifelt – den ganzen Tag schenkt Ihr Eure Liebe und Eure Kraft, damit es den kleinen Menschen gut geht.

Und das macht Ihr sogar dann, wenn es Euch selbst nicht gut geht, wenn Ihr krank und erschöpft seid und eigentlich nicht könnt. Eltern müssen funktionieren – unsere Kinder sind der Motor, der uns antreibt. Wir geben für unsere Kinder immer das Beste!

Besondere Kräfte

Manche von Euch haben besonders hart zu kämpfen. Vielleicht seid Ihr selbst nicht gesund, leidet an Depressionen oder einer chronischen Erkrankung, die Euch immer wieder in die Knie zwingt. Oder an anderen körperlichen Gebrechen.

Oder Ihr müsst all das allein stemmen, weil Euer Partner Euch im Stich gelassen hat. Alles lastet allein auf Euren Schultern.

Vielleicht leidet Euer Kind unter Depressionen oder unter Mobbing und Ihr habt die schwere Aufgabe, sie immer und immer wieder aufzufangen, zu trösten, zu motivieren, zu stabilisieren, Ihnen zu helfen sich nicht selbst aufzugeben, seelischen Beistand zu geben – obwohl Euch selbst zum Heulen zumute ist.

Besonders hart ist es, wenn Euer Kind an einer schweren geistigen oder körperlichen Behinderung leidet. So sehr sie Euer Leben bereichern, genauso hart und steinig ist der Weg zu einem Leben, das für sie so angenehm und erträglich wie eben nur möglich ist. Ihr opfert Euch auf und gebt alles für sie.

Ihr alle habt meine Hochachtung und meinen Respekt, denn jeder von uns weiß, dass es selbst ohne diese Hürden oft nicht leicht ist.

Wir sind nicht unbesiegbar

All Ihr Kämpferinnen und Kämpfer da draußen – so sehr wir uns auch bemühen, wir können nicht jeden Kampf gewinnen. Auch wenn wir es wollen. Und diese Tatsache macht mir Angst.

Unfälle, Krankheiten, unvorhergesehenes Geschehen – all das kann jeden von uns treffen.

Verlorene Kämpfe

Ich denke an die Eltern, die ihr Kind niemals halten durften, weil es den Weg auf diese Welt nicht geschafft hat.

Ich denke an die Mutter, deren Kind in ihrem Arm gestorben ist, weil dieses zarte Wesen nicht gegen seine Krankheit ankam.

Ich denke an die Mutter, die nicht mehr die Einschulung ihres Kindes erlebte, weil sie selbst ihrer Krankheit erlag und diese Welt mit dem Gedanken verließ, dass sie ihre Kinder und ihren Mann zurücklassen muss.

Ich denke an den Vater, der sich nicht von seinem Kind verabschieden konnte, weil er niemals mehr von der Arbeit zurückkam.

Ich denke an all diejenigen, die Kämpfe verloren haben, die Verluste erlitten, welche kaum zu verschmerzen sind. Ihr habt gekämpft bis zum Schluß, denn Aufgeben war nie eine Option. Und Ihr kämpft weiter, auch wenn Ihr verloren habt – für diejenigen, die noch da sind und Euch brauchen.

Leider sind wir unvollkommen und besiegbar. Aber wir alle kämpfen eben so, als wären wir unbesiegbar! Wie echte Helden das nun mal tun…

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Das tolle Titelbild für meinen Artikel hat die liebe Nätty von Bilderbuchbaby gezeichnet. Vielen lieben Dank dafür! 

 

Wegen Euch…

Wegen Dir, mein Sohn…

  • durfte ich erfahren, was Mutterglück bedeutet
  • habe ich viel zu lachen, denn mit Deinen Sprüchen heiterst Du mich immer auf
  • kenne ich den Unterschied zwischen einem Bagger und einem Radlader
  • bin ich zur fantasievollsten Lego-Baumeisterin geworden
  • weiß ich alles über Dinosaurier
  • gehe ich gern in den Indoorspielplatz
  • habe ich ständig Sand in den Schuhen
  • wurde ich zur Geschichtenerzählerin
  • wurde mir bewusst, wie wenig ich eigentlich weiß. Über alles.
  • habe ich mir schon mindestens hundert Mal „Die Eiskönigin“ angeschaut
  • ist es niemals leise in unserem Haus
  • kann ich nur schwer am Schleich-Regal vorbeilaufen, ohne etwas zu kaufen
  • sind ständig Krümel auf dem Sofa
  • ist das Eier-Fach im Kühlschrank stets mit Überraschungseiern gefüllt
  • ist Toben mit Dir zu meinem Sportprogramm geworden
  • finde ich Jungskram gar nicht mehr doof
  • wurde ich zum Muttertier
  • hat sich meine Welt verändert

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Wegen Dir, mein Mädchen…

  • wurde unsere Familie vollständig
  • darf ich nach Herzenslust Mädchenkram kaufen
  • gibt es mehr Glitzer in unserem Leben – und Glitzer kann man nicht genug haben
  • werde ich immer daran erinnert, wie ich als Baby aussah – nämlich haargenau wie Du
  • habe ich die Befürchtung, dass ich bald nicht mehr an „Hello Kitty“ vorbeikomme. Und ich hasse „Hello Kitty“.
  • stelle ich mir die Frage, ob es noch etwas Schlimmeres als „Hello Kitty“ gibt
  • wird ganz viel gekuschelt
  • mache ich mich gern zum Affen
  • muss ich die entzückenden Kleidchen nicht mehr im Laden hängen lassen, sondern darf sie endlich auch mal kaufen
  • habe ich ständig etwas in den Haaren kleben
  • muss immer Käse im Haus sein
  • bin ich voller Vorfreude und kann es kaum erwarten, dass Du sprechen lernst
  • habe ich nicht mehr das Gefühl, dass noch etwas (oder jemand) fehlt zu unserem Glück

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Wegen Euch…

  • ist unser Leben lauter, bunter, wilder
  • sind wir manchmal ganz schön müde
  • gleicht unser Wohnzimmer einem Kinderzimmer
  • klebt der Fußboden in der Küche – immer
  • ist vieles, das früher wichtig war, unwichtig geworden – und umgekehrt
  • lachen wir viel mehr
  • bin ich sehr glücklich darüber, eine Spülmaschine und einen Wäschetrockner zu haben
  • platzen wir manchmal fast vor Stolz
  • ist es oft ziemlich stressig
  • sehen wir die Welt mit anderen Augen
  • sind wir eine richtig coole Herde
  • gibt es Liebe und Glück im Übermaß

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Wendepunkt

Vor einigen Tagen erreichte mich die Nachricht, dass die Firma, in der ich angestellt bin, ihren Firmensitz von Mönchengladbach nach Düsseldorf verlegt und zudem einige hunderte Personalkürzungen vornimmt. Im Moment betrübt mich das nicht allzu sehr, bin ich doch schließlich noch zwei Jahre in Elternzeit. Wer weiß schon, was danach ist?

Diese Nachricht erinnerte mich jedoch daran, dass ich vor einiger Zeit schon einmal vor einem ganz ähnlichen Problem stand. Und mir wurde bewusst, an wie vielen Wendepunkten ich bereits in meinem Leben stand.

Ich heiratete jung, mit nur 22 Jahren, mein Mann war sogar noch zwei Jahre jünger. Ich weiß, das war sehr früh. Warum ich das tat? Vermutlich war ich blind vor Liebe. Und naiv. Ich war mir seiner Schwächen durchaus bewusst, was mich kurz vor der Hochzeit ziemlich ins Wanken brachte. Aber jetzt noch alles abblasen? Schließlich liebte ich ihn ja. Und an Problemen kann man arbeiten. Er kann sich ändern. Ich kann ihn ändern. Ich lache heute noch. Wie dumm man doch manchmal sein kann.

So war ich also nun verheiratet und es dauerte nicht lange, bis wir ernsthafte Probleme bekamen. Er machte Schulden, verlor zudem immer wieder seine schlechten Jobs. Obwohl er einen vernünftigen Beruf erlernt hatte, der zugegebenermaßen wenig Zukunft hatte, arbeitete er letztendlich immer nur noch in Sicherheitsunternehmen als Security. Im Schichtdienst. Das Ende vom Lied? Wir sahen uns fast gar nicht mehr, weil er meistens im Spät-oder Nachtdienst arbeitete. Ich saß nach der Arbeit und auch am Wochenende immer wieder allein zu Hause. Die Stimmung war mehr als schlecht und ich fühlte mich gefangen. Doch einfach aufgeben? Nein, das liegt mir nicht. Unser „Ja“ sollte doch für immer gelten. So etwas wirft man nicht achtlos weg.

Irgendwann kam der Punkt, an dem er immer öfter nicht nach Hause kam, obwohl er eigentlich Feierabend hatte. Er übernachte bei Kollegen, kam oft als Ausrede. Anfangs machte ich mir noch Sorgen, wenn er nicht Heim kam. Irgendwann hörte ich jedoch damit auf. Ich war des Kämpfens müde geworden und fand schließlich immer mehr Indizien für das, was ich längst vermutet hatte. Er hatte sich ein anderes Nest gebaut. Und so stand ich an meinem ersten Wendepunkt.

Wir trennten uns. Vielmehr trennte ich mich von ihm, denn er selbst hatte nicht den Mumm dazu. Er versuchte tatsächlich noch alles abzustreiten, dabei schrie die Wahrheit förmlich danach, endlich ans Licht zu kommen. Als er es letztendlich zugab, warf er mir tatsächlich noch vor, dass ich ihm nachgestöbert hatte.

Er kündigte unsere gemeinsame Wohnung, ohne Absprache mit mir und so stand ich plötzlich da, befreit, aber allein. Doch halt! Ich war gar nicht allein. Denn genau zur gleichen Zeit machte mein Bruder das selbe durch. So wohnten wir plötzlich wieder zusammen und nun galt es in weniger als drei Monaten für jeden von uns eine neue Wohnung zu finden. Kurz vor Ablauf der Kündigungsfrist und 13 Wohnungsbesichtigungen später fand ich schließlich eine Bleibe, von der ich glaubte, mich dort wohlfühlen zu können. Und auch für meinen Bruder fand ich die passenden vier Wände.

Ich zog also um – und nun war ich wirklich allein. Ich war heilfroh, dass ich meinen Mann los war, aber trotzdem war die Erfahrung, wie es sich anfühlt wirklich einsam zu sein, ziemlich schmerzhaft. Obwohl ich viele gute Freunde und meine Familie hatte, die mich unterstützen, verschaffte das immer nur kurzzeitig Linderung. Dieser Zustand hielt lange Zeit an und wurde aufgrund der Tatsache, dass ich immer wieder an die falschen Männer geriet, nur noch verschlimmert.

Bis ich eine neue Liebe fand – die Musik. Dieser Wendepunkt fand ganz unscheinbar am Tresen mit einem Glas Wein in der Hand statt, als ein Bekannter erzählte, sie würden für Ihre Band noch Background-Sängerinnen suchen. „Ich mach das!“, wäre im nüchternen Zustand niemals über meine Lippen gekommen. Doch ich hatte es gesagt und fand mich schneller als ich gucken konnte in einem Proberaum wieder. Von da an war es vorbei mit der Einsamkeit. Ich sang in jeder freien Minute und fühlte mich endlich besser. Ich konnte das Leben wieder genießen und es war mir fast egal, dass ich nach wie vor allein war. Zwei weitere Jahre vergingen und ich konnte mir fast nicht mehr vorstellen, mich irgendwann noch mal an jemanden zu gewöhnen. Ich genoß meine Freiheit und liebte es, tun und lassen zu können, was mir gefällt, Ohne dabei auf jemanden Rücksicht nehmen zu müssen.

Bis ich wieder an einen Wendepunkt kam, der jedoch lange Zeit verpuppt war. Ich erhielt eines Tages eine Nachricht von einem Fremden, der in meinem Online-Profil gesehen hat, dass ich singe. Zufällig betrieb er mit seinem Freund ein Tonstudio und sie würden hin und wieder mal Sängerinnen brauchen. Auf die Frage, ob ich denn nicht mal kommen und etwas einsingen möchte, reagierte ich zögerlich. Als ich schließlich doch bejahte, ahnte ich noch nicht, dass das mein Leben grundlegend verändern würde.

Wir machten also ein paar Aufnahmen, arbeiteten gemeinsam an einem Song, unterhielten uns über die Musik. Es gingen viele Wochen ins Land, bis sich klammheimlich ein Gefühl von Vertrauen und Geborgenheit einschlich. Die Chemie zwischen uns stimmte einfach und langsam wuchs die Blume der Liebe. Bis es mich schließlich erwischt hat. Volle Breitseite.

Gleichzeitig sollte mein Leben aber noch eine ganz andere Wendung nehmen. Die Firma, in der ich seit fast 15 Jahren arbeitete, verlegte ihren Firmensitz von Viersen nach Mülheim. Was sollte ich nun tun? Mein Chef wollte mich unbedingt halten, doch die Vorstellung täglich so viele Kilometer zurückzulegen und zu viel kostbare Zeit und Nerven im Auto zu verbringen, für einen Job der eigentlich doch eh auf der Kippe stand, war mir zuwider.

Alles auf Anfang

Ich traf Entscheidungen. Die wichtigste und beste, war die Entscheidung für die Liebe! Plötzlich ging alles ganz schnell. Wir waren uns einfach sicher und wir wollten heiraten.

Und was meinen Job anging, entschied ich mich schweren Herzens dazu, das sinkende Schiff zu verlassen.

Ich fing ganz neu an. Ich setzte mein Leben auf Null, ließ die Vergangenheit hinter mir und wagte den Schritt in ein neues Leben. Manche reagierten mit Unverständnis darauf. Andere freuten sich mit mir.

Mein letzter Arbeitstag fiel mir schwer. Nach so langer Zeit ging ich zum letzten Mal durch diese Tür. Einige Tränen sind geflossen. Aber ich war auch erleichtert. Ich war mir sicher, dass es für mich das Beste war zu gehen. Obwohl ich erst einmal ohne Job da stand.

Dafür stürzte ich mich in die Hochzeitsvorbereitungen. Denn ein paar Wochen später sollte es bereits so weit sein. Und ehe ich mich versah, stand ich vor dem Traualtar, strahlend vor lauter Glück.

Es veränderte sich plötzlich so viel, ich war nun wieder Ehefrau, nicht mehr auf mich allein gestellt. Und es fühlte sich von Anfang an so an, als wäre es schon immer so gewesen, als wären wir schon immer ein Fleisch. Wir gehören einfach zusammen. Alles stimmt, alles fühlt sich richtig an. Ich bin endlich angekommen.

Ein neuer Job fand sich schließlich auch. Eben dieser, der jetzt wieder auf der Kippe steht.

Lange arbeitete ich dort nicht, gerade mal etwas mehr als zwei Jahre, bis unser Leben eine neue, aufregende Wendung nahm: Wir wurden Eltern.

Seitdem schreibt das Leben die schönsten Geschichten, in den buntesten Farben. Oft ist Weg zwar etwas holprig, anstrengend und vor allem ermüdend, aber die Belohnung dafür könnte man mit keinem Geld der Welt aufwiegen: Kinderlachen und pure, bedingungslose Liebe!

Werde ich irgendwann wieder an einen Wendepunkt kommen? Ganz bestimmt. Und werde ich es schaffen, alles zu überstehen? Mit Sicherheit.

Die Wendepunkte des Lebens – oft sind sie schwer zu meistern, manchmal wenden sie jedoch alles zum Guten. Egal in welche Richtung es geht und wie steinig der Weg auch sein mag, es gibt immer eine Lösung, einen rettenden Anker – und vielleicht wartet am nächsten Wendepunkt das große Glück.