Die Künstlerin in mir

Jeder Mensch hat Talente. Manche können besonders gut kochen.  Oder tanzen. Andere sind handwerklich begabt. Vielleicht bist Du ein Organisationstalent und hast immer alles im Griff. Oder Du hast einen grünen Daumen.

All das habe ich nicht. Ich bin da eher so der Typ Künstlerin. Zugegeben, eine verkappte Künstlerin. Denn nichts von dem was ich kann oder gern können würde, kann ich auch tatsächlich richtig gut. Der Hauptgrund dafür ist unter anderem akuter Zeitmangel. Und keine Zeit bedeutet also, dass man nicht die Gelegenheit hat, zu üben, sich zu verbessern.Weiterlesen »

Meine Ichs und ich

„Ach, Du bist doch die Mutter von…“ Kennt Ihr diesen Satz? Auch schon oft gehört? Irgendwann ist man eben einfach „die Mutter von“.

Und dann frage ich mich hin und wieder: Wer bin ich? Oder was bin ich? Ja, ich bin vor allem Ehefrau und Mutter – mit Leib und Seele. Die Hausfrau klammere ich mal bewusst aus. Aber ist das alles? Nein. Ich bin so viel mehr.

Bin ich die, die ich sein will? Nicht immer. Aber meistens schon. Ich bin ich, mit all meinen Facetten, manche bunt, manche grau, vielleicht sogar schwarz. Aber sie gehören zu mir.

Kann ich mich selbst leiden, so wie ich bin? Ich schaue in mich hinein. Halte mir vor Augen wer und was ich bin. Und dass die Antwort so umfangreich ist, verblüfft mich.

Die Vollzeitmutter

Ja, als mein Sohn geboren wurde, habe ich mich entschieden, meinen Job für drei Jahre an den Nagel zu hängen. Durch das Tochterkind sind es dann nun mindestens 5 1/2 Jahre, da ich auch nach ihrer Geburt drei Jahre Elternzeit eingereicht habe. Was sagt das über mich aus? Das ich zu faul bin zum Arbeiten? Ja, bestimmt. (Achtung: Ironie!) Das bedeutet aber vor allem, dass ich mich entschieden habe, in den wichtigsten, prägendsten Jahren voll und ganz für meine Kinder da zu sein. Da wir uns das finanziell glücklicherweise erlauben können und ich nicht zwingend arbeiten muss, stand diese Entscheidung für mich außer Frage. Und auch wenn es immer mal wieder Phasen gibt, in denen mir die Decke auf den Kopf fällt, so war es doch die beste Entscheidung, die ich für meine Kinder und mich treffen konnte. Und ich finde es schade, für alle, die sich nicht so entscheiden können, weil es nicht anders geht. Ich habe den schönsten, wenn auch zugleich anstrengendsten Job der Welt. Ich schaue meinen Kindern beim Wachsen zu.

Die Helikoptermutter

Na ja, das bin ich nur so halb. Ich ermahne meinen Sohn ständig zur Vorsicht, weil er einfach manchmal so ausgelassen ist, dass er alle Gefahren vergisst oder übersieht. Oft genug bekomme ich beinahe einen Herzstillstand, wenn er mal wieder einen Stunt gemacht hat. Und auch das kleine Mädchen legt gerade so richtig los. Doppelte Chance auf Herzklabaster. Eine Beule jagt die nächste. Am liebsten würde ich die beiden in Watte packen. Tue ich aber nicht. Denn schließlich bin ich auch…

Die coole Mutter

So besorgt ich zwar ständig bin, lasse ich sie doch gerne einfach mal machen. Ich kreise nicht permanent um sie herum und verbiete ihnen womöglich noch zu klettern oder dergleichen. Sie sollen tun, was sie sich zutrauen. Und ich mache gerne auch mit: Schaukeln, rutschen, klettern, toben, springen – obwohl ich zugegebenermaßen sehr schnell aus der Puste bin.

Die Ehefrau

Ich bin eine Frau, die aus ihren Fehlern gelernt hat. Was ich in meiner ersten Ehe falsch gemacht habe, mache ich heute richtig. Meistens zumindest. Nobody is perfect! Aber das muss auch nicht sein. Fakt ist: Wir führen eine sehr harmonische und glückliche Ehe! Und das ist gar nicht schwer – denn ich habe einen wundervollen Mann, in den ich mich zwar erst auf den 20. Blick verliebt habe, aber dafür ist es wohl auch so viel besser! Uns verbindet sehr viel, wir haben Spaß an den gleichen Dingen, führen viele un- und tiefsinnige Gespräche, lachen viel und auch schweigen ist bei uns niemals unangenehm. Und ganz wichtig: Wir schreien uns nicht an. Nie! Und außerdem ist mein Mann auch ziemlich froh, dass ich (fast gar) nicht an Stimmungsschwankungen leide und alles andere als zickig bin. Er rollt nur mit den Augen, wenn ich wieder mal meiner Shopping-Sucht verfallen bin. (Sorry, Schatz!) Das Paar sein kommt aber leider oft viel zu kurz, doch ich habe Hoffnung, dass es bald wieder ein bisschen mehr wird.

Die Besorgte

Als ich meinen Mann kennenlernte, überkam mich Sorge. Denn ich spürte, dass unsere Beziehung anders ist, besonders. Und das möchte ich festhalten. Wenn er mit dem Auto unterwegs ist – mache ich mir Sorgen. Seit sein lieber Vater seiner Krankheit erlag – mache ich mir Sorgen. Ich bin besorgt, dass er nicht heil nach Hause kommt, oder dass er krank wird. Noch schlimmer wurde es mit der Geburt unseres Sohnes. Nun hatte ich zwei Schätze, die es zu behüten galt. Heute sind wir zu viert – und die Sorgen übermannen mich immer wieder. Denn so wie es ist, so perfekt, so soll es immer bleiben. Zu Lieben bedeutet auch, sich zu sorgen. Immer.

Die Fröhliche

„Dauersmiley“ wurde ich mal auf der Arbeit genannt. Weil ich für jeden ein Lächeln übrig habe. Weil schlechte Laune für mich (normalerweise) ein Fremdwort ist. Alles was ich tue, das tue ich mit einem Lächeln. Außer putzen. Aber dabei hilft singen. Also, was ich sagen will: Ich habe von Grund auf ein sonniges Wesen. Es sei denn…

Die Gestresste

…ich bin gestresst. Im Berufsleben bin ich dann in der Regel zur Arbeitsmaschine mutiert. Jetzt, so als Zweifachmama, bin tatsächlich viel zu oft gestresst. Es gibt gute und schlechte Tage. An manchen Tagen ertrage ich den Stress mit stoischer Gelassenheit. An anderen Tagen breche ich regelmäßig in Tränen aus. Oder ich motze. Ich bin bei weitem nicht mehr so gelassen, wie ich es früher mal war – und das wünsche ich mir manchmal zurück. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass ich gerade jetzt alles perfekt machen will, denn ich erfülle schließlich die wichtigste Aufgabe meines Lebens. Und oft scheitere ich nur an meinen eigenen Ansprüchen.

Die Alberne

Oh ja – manchmal kann ich verdammt albern sein und dann auch noch stundenlang über meine eigenen dämlichen Witze lachen. Vor allem bin ich gern albern mit meinen Kindern. Was tut man nicht alles, um ihr wundervolles Lachen zu hören? Auch mein Mann muss meine Albernheiten hin und wieder ertragen. Überhaupt ist man viel zu selten albern, oder?

Die Emotionale

Ich fühle mit anderen mit und nehme mir ihren Kummer zu Herzen. Und das schließt nicht nur Freunde und Familie ein. Zum Beispiel nimmt mich auch das Schicksal der Flüchtlinge sehr mit. Und was sonst so auf der Welt passiert. Das ist auch einer der Gründe, warum ich kaum noch Nachrichten höre. Aber auch andere Dinge packen mich an meiner weichen Seite. Ein schönes Lied rührt mich nicht selten zu Tränen. Oder irgendeine Filmszene, ob traurig oder besonders glücklich. Heulen kann ich bei vielen Gelegenheiten. Mit Schwangerschaftshormonen war es noch doppelt so schlimm. Aber die sind zum Glück wieder abgeebbt.

Die Ausgeglichene

„Sie sind so ruhig, dass andere schon wieder unruhig werden“, sagte meine Chefin mal zu mir. Aber warum rotieren, wenn ich weiß, dass ich es auch mit Ruhe rechtzeitig schaffe? Gestresste Menschen werden schnell grantig. Das liegt eigentlich nicht in meiner Natur. Ich bin wie ein ruhender Pol, völlig im Einklang mit mir selbst…

Die Aufbrausende

…außer: Leider ist es mein Sohn, der mich oft zur Weißglut treibt. Oder die Autonomiephase. Er schafft es manchmal, dass ich wahrhaft explodiere und laut werde. Dabei ist genau das eigentlich das letzte was ich will. Oft gelingt es mir ruhig zu bleiben und seine Launen mit Geduld und Liebe zu nehmen, aber treibt er es auf die Spitze, schlagen auch meine Emotionen um. Er ist meine Stärke und Schwäche zugleich. Wir wachsen und lernen gemeinsam und ich hoffe, dass der Weg schon bald weniger holprig wird. Denn die Motzkuh, die ich manchmal bin, die kann ich überhaupt nicht ausstehen.

Die Lustige

Ich bringe andere gerne zum Lachen. Deswegen hab ich oft einen lockeren Spruch parat. Wer immer nur ernst ist, hat keinen Spaß. Und ich habe gerne Spaß. Außerdem habe ich den Hang zu (dämlichen) Sprüchen wohl von meinem Vater geerbt. Eindeutig.

Die Animateurin

Malen, tanzen, singen, bauen, toben, Ball spielen – um meine Kinder zu bespaßen, mache ich alles mit. Auch wenn ich nicht immer Lust dazu habe, ehrlicherweise. Manchmal braucht auch die beste Animateurin eine kleine Pause. Aber wann immer Zeit ist, mache ich mich auch gern zum Hampelmann.

Die Wissende

Mama weiß alles. Und was Mama nicht weiß, das weiß dann Google. Zum Beispiel all mein Fachwissen über sämtliche Dinosaurier. Wann und wo sie lebten, was sie fraßen, wie groß sie wurden. Um nur einige Beispiele zu nennen. Seit mein Kind das Wort „Warum“ entdeckt hat, ist mir klar, dass ich so ziemlich gar nichts weiß.

Die Anti-Hausfrau

Ein Putzteufel war ich noch nie. Das habe ich definitiv nicht von meiner Mutter geerbt. Ich mag Hausarbeit nicht. Aber ich hasse Unordnung. Ich schaue daher nach Möglichkeit, dass es aufgeräumt ist, aber ich tue nur das Nötigste. Das ist eine schlechte Angewohnheit. Aber ehrlich gesagt fehlt mir neben der Lust auch die Zeit. Und Zeitmangel ist eine gute Ausrede, oder?

Die Freundin

Ich habe einige wenige gute Freundinnen, die zwar leider viel zu kurz kommen, seit ich Mutter bin, aber mein Herz ist immer bei ihnen. Denn auch, wenn ich mich verändert habe in den letzten Jahren, bin ich doch irgendwie immer noch die Gleiche. Und wenn etwas sein sollte, tue ich mein Bestes, um für sie da zu sein. Ich genieße es sehr, wenn Freundinnenzeit angesagt ist. Stadtbummel, Essen, Kino, Konzert mit einem meiner Mädels – selten und kostbar. Und das tolle daran ist: Auch wenn man sich so selten sieht, ist es trotzdem immer so wie früher. Selten habe ich das Gefühl, dass der Zeitmangel zwischen uns steht. Und falls doch: Dann muss halt dran gearbeitet werden. Fakt ist aber, ich habe sie noch genauso lieb, wie es immer war.

Die Musikliebhaberin

Ich liebe Musik. Schon immer war sie ein wichtiger Bestandteil meines Lebens. Dazu gehörte das Fan sein als Teenager, Dauer-Dröhnung aus meinem Kinderzimmer, lauthals mitgröhlen, Konzerte besuchen. Ob beim Lernen oder bei der Arbeit – Musik gehörte immer dazu. Damit geht alles viel leichter von der Hand. Und ich konnte immer alle Texte auswendig. Auch von Liedern, die mir gar nicht so gut gefielen. Aber in Verbindung mit Musik kann ich mir das alles verdammt gut merken. Heute höre ich nur noch sehr wenig Musik, weil meine Kinder ständig die Anlage ausschalten und ans Zuhören nicht wirklich zu denken ist. Aber sobald ich in die Küche komme, wird das Radio angeschaltet. Und ich genieße es, allein im Auto unterwegs zu sein und das Radio voll aufzudrehen. Musik ist Leben.

Die Vorlesetante

Ob Bilderbücher oder Geschichten – ich lese meinen Kindern jeden Tag etwas vor, verleihe den Figuren im Buch Leben und eine Stimme. Ich mache Tigeräusche und wühle mich durch Wimmelbilder. Ich erfinde manchmal auch selbst Geschichten und frage mich, warum ich nicht auch mal ein Kinderbuch schreibe. Lesen gehört für mich zum Leben und das möchte ich auch meinen Kindern ans Herz legen.

Die Beauty-Queen

Na ja, eigentlich bin ich das schon lange nicht mehr. Rannte ich früher immer perfekt gestylt aus dem Haus – und sei es nur, um den Müll runter zu bringen – habe ich doch inzwischen stark nachgelassen. Heute muss es schnell und praktisch sein. Und trotzdem mache ich mich gerne hübsch. Wenn ich mal etwas vor habe, dann verbringe ich gern mal etwas mehr Zeit im Bad für Haare, MakeUp und Co. Und wenn ich dann fertig bin mit meinem „Werk“, merke ich, dass es mir ein bisschen fehlt, nicht immer so auszusehen. Aber bestimmt kommt auch das irgendwann wieder.

Die Sängerin

Wie ich vorhin schon erwähnte, gröhlte ich schon immer gern sämtliche Lieder mit. Bis ich merkte, dass ich tatsächlich halbwegs passabel singen kann. Von da an sang ich in jeder freien Minute, sang in einer Band, hörte unzählige Songs, übte Texte, machte sie mir zu eigen. Ich liebte es! Und das tue ich noch heute. Aber es fehlt die Zeit. Wie so oft. Es gibt keine Band mehr und auch für mich allein in meinem Kämmerlein singe ich kaum noch. Dabei tut es so gut. Ich brauche das für mein Seelenheil und ich will wieder mehr davon. Das Singen ist eine Leidenschaft – und das wird immer so bleiben.

Die Schreiberin

Genau wie das Schreiben. Ich schrieb immer gern. Ich liebte es schon in der Schule Aufsätze zu schreiben. Was ich nicht liebte war, dass ich sie oft vor der ganzen Klasse vorlesen musste. Ich schrieb manchmal Kurzgeschichten, wollte immer ein Buch schreiben. Jetzt schreibe ich hier. Für Euch. Und das tue ich mit Herzblut, ebenso wie das Singen. Doch auch für tiefsinnige Texte fehlt mir Zeit. Im Moment. Aber auch das kommt wieder. Denn eine Schreiberin war ich schon immer.

Die Glückliche

So gestresst wie ich auch manchmal bin, oder so motzig, oder so voller Fernweh: Ich bin ein durch und durch glücklicher Mensch. Ich liebe das Leben mit meinen drei Lieblingsmenschen, meine Familie, meine Freunde, ich liebe die Abenteuer des Lebens, liebe gutes Essen, die Natur und alle die kleinen Dinge, die in der Summe so gewaltig sind und ich danke Gott, dass er diese Welt so wundervoll für uns gemacht hat, mit all ihrer Schönheit. Was ich habe, macht mich reich und erfüllt mich mit Glück. Auch wenn man das vielleicht nicht in jedem Moment so sieht, wie es ist. Es gibt immer Tage, die schwierig sind, stressig, nervenaufreibend. Aber die gehen auch vorbei. Über all dem steht eine glückliche Frau.

Wenn mich demnächst jemand fragt: „Was machst Du so?“, dann werde ich wohl sagen: „Ich bin Mutter!“ oder auch „Ich bin die Mutter von…“

Im Hinterstübchen aber weiß ich: Ich bin so viel mehr als das! Ich bin ein Mensch voller Emotionen, gesegnet mit Liebe, mit Talenten und einem Haufen Macken.

Und Ihr? Wer seid ihr? Erzählt mir von Euch!

Wenn Fernweh zum Blues wird

Ich bin sehr gerne Zuhause. Wirklich. Unser Zuhause bedeutet für mich Rückzugsort, Geborgenheit, Zuflucht. Unser Haus ist gemütlich, bunt, mit Kinderlachen und Liebe gefüllt.

Und auch die Gegend, in der wir wohnen, liebe ich sehr. Ich möchte nirgendwo anders leben. Hier ist meine Heimat, hier bin ich aufgewachsen und hier sehe ich meine Kinder aufwachsen, hier möchte ich alt werden.

Und trotzdem habe ich ständig dieses Gefühl. Den Wunsch nach Veränderung. Nur für eine Weile. Die Sehnsucht, Neues zu entdecken, die Welt zu erkunden, die Seele baumeln zu lassen.

Fernweh.

Dieses Bedürfnis ist so tief in mir verwurzelt, dass es immer wieder ans Tageslicht kommt. Immer zieht es mich irgendwo hin. Manchmal sehne ich mich einfach danach, am Meer zu sitzen, dem Rauschen der Wellen zuzuhören, der Sonne dabei zuzuschauen, wie sie langsam untergeht und dabei den Himmel in ein Kunstwerk verwandelt. Ich möchte den Frieden und den Zauber dieses Augenblicks in mir aufsaugen, um eine Weile davon zehren zu können. In diesen Momenten fühle ich mich frei und unbeschwert, zusammen mit den Menschen, die ich am meisten liebe. Momente puren Glücks, fernab vom Alltagsstress.

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Oder der Entdeckerdrang in mir macht sich breit. Städte erkunden oder verwunschene Wälder, durch verträumte Landschaften ziehen. Erinnerungen zaubern für unsere Kinder. Und für mich. Unvergessene Momente schaffen. Ich schwelge so unfassbar gern in solchen Erinnerungen…

Jetzt im Moment ist gerade gefühlt jeder im Urlaub. Überall sieht man Bilder von glücklichen Kindern an traumhaften Stränden. Ich schaue mir diese Bilder so gerne, aber ehrlicherweise nicht ganz neidlos, an.

Dieses Jahr hatten wir unseren Urlaub in Holland verbracht. An sechs von sieben Tagen hat es geregnet. Es war trotzdem ein schöner Urlaub. Aber irgendwie „reicht“ es schon jetzt nicht mehr. Mich zieht es schon wieder weg.

Nicht mal weit weg, nein. Ich habe neulich einen Artikel über die Teufelsschlucht in der Eifel gelesen. Ich war fasziniert. Ich liebe verwunschene Wälder. Mein Mann und mein Sohn lieben den Wald auch. Ich würde am liebsten sofort hin. Und das beste: Gleich in der Nähe gibt es einen Dinosaurier-Park! Und mein Sohn liebt die Urzeit-Giganten gerade so sehr. Es wäre der perfekte Ausflug! Aber an einem einzigen Tag für uns nicht machbar. Wir würden zu viel Zeit im Auto verbringen.

Und so fing ich an zu träumen und suchte eine nette Ferienwohnung in einem nahe gelegenen Resort. Ein langes Wochenende dort, gar nicht mal so teuer. Und die reizvolle Eifel mit vielen Ausflugszielen gleich vor der Tür. Und wie ich so bin, habe ich mir das alles schön ausgemalt und fest in den Kopf gesetzt.

Und dann nahm mein Mann mir den Wind aus den Segeln. Berechtigterweise. Eigentlich ist er nämlich kein Spielverderber, im Gegenteil. Aber es steht noch so viel an. Neues Sofa, ein passender Tisch dazu, diverses an Kleinkram. Wir müssen daher ein bisschen besser haushalten im Moment. Und das weiß ich eigentlich auch selbst.

Aber es frustriert mich. Nächste Woche hat mein Mann Urlaub, das Wetter ist toll. Es wäre perfekt gewesen. Und jetzt habe ich den Blues. Den Fernwehblues.

Ich will, dass er wieder abhaut. Den Ausflug können wir schließlich irgendwann nachholen. Das sagt der schlaue Kopf. Aber das sehnsüchtige Herz zeigt ihm ’nen Vogel.

Doch mein Kopf hat das Herz zurechtgestutzt und nun hat es klein beigegeben. Das ist zumindest die offizielle Version. Inoffiziell will ich immer noch weg.

Wir werden uns die Zeit aber auch ohne Urlaubsreise schön machen, das weiß ich.

Ich kann Dich nicht leiden, Fernweh! Du kannst nächstes Jahr wiederkommen. Dieses Jahr kann ich Dich nicht mehr gebrauchen.

Geht es Euch auch manchmal so? Zieht es Euch auch in die Ferne?

Muttermorphose

Seit drei Jahren bin ich Mutter. Drei Jahre, in denen viel passiert ist. Drei Jahre, in denen ich mich verändert habe. Drei Jahre, die dem Leben eine ganz neue, wunderbare Seite gegeben haben. Drei Jahre, die aus einem Paar eine kleine Familie gemacht haben.

Früher habe ich auf viele Dinge sehr hohen Wert gelegt, die heute nicht mehr so wichtig oder gar vollkommen in Vergessenheit geraten sind. Doch manchmal blitzen Gedanken hervor – Gedanken daran, wie unser Leben ohne Kinder war. War es schöner? Es war sehr schön, völlig anders als jetzt, aber nicht schöner, nein. Auch wenn es jetzt oft viel anstrengender und weniger spontan ist, auch wenn ich manche Dinge ein wenig vermisse, könnte es kaum schöner sein.

Als mein Mann und ich heirateten, waren wir uns noch nicht sicher, ob wir Kinder haben möchten. Wir gingen viel aus, machten Musik, reisten gerne und viel. Wir genossen das Leben. Eigentlich fehlte uns nichts. Dachten wir.

Heute wissen wir es besser.

Wir als Eltern? Irgendwann dachten wir darüber nach, ob wir es nicht einfach drauf ankommen lassen sollen. Unsicher waren wir beide ein wenig. Doch würden wir es später bereuen, wenn wir es nicht gewagt hätten? Also ließen wir es einfach auf uns zukommen. Wenn es klappt ist es gut, wenn nicht, dann würden wir es aber nicht auf Biegen und Brechen versuchen. Wir waren völlig frei im Kopf.

Und ich wurde sofort schwanger.

Was – so schnell? fragten wir uns ungläubig. Wir waren gerade im Urlaub, tranken Cocktails, genossen die Sonne, machten Ausflüge, sogar Wildwasser-Rafting. Doch irgendwann spürte ich eine Veränderung an meinem Körper. Ein eigenartiges Ziehen im Bauch. „Ich glaube, ich bin schwanger!“ Und jetzt? Im Urlaub einen Test machen? Nein, das haben wir aufgeschoben, bis wir wieder zuhause sind. Trotzdem trank ich von da an keinen Alkohol mehr, denn ich war mir bereits ziemlich sicher.

Zurück zuhause bestätigte uns der Test sofort, was wir bereits geahnt haben. Wir werden Eltern! Und es dauerte eine Weile, bis wir das begriffen hatten. Mit dem Bauch wuchs jedoch die Vorfreude und besonders mir machte es sehr großen Spaß, alles für unseren kleinen Schatz herzurichten.

Ich war auch fest davon überzeugt, dass ich eine gute Mutter werden würde, dass ich total entspannt sein würde, wenn das Baby weint oder es sonst irgendwie stressig wird. Denn bisher war es immer so, dass mich so schnell nichts aus der Ruhe brachte. Land unter in der Firma? Ich war der ruhende Pol. Streit unter Freunden? Ich war der Schlichter. Ich war die, die immer einen kühlen Kopf bewahrte.

Doch dann kam alles anders

Nach einer traumatischen Geburt kam keine harmonische Kennenlernzeit. Die ersten Monate waren von sehr viel Geschrei geprägt. Mein Sohn weinte bis zu 12 Stunden am Tag. Kann man dabei entspannt bleiben? Nein. So sehr ich es auch wollte, aber ich wurde in dieser Zeit an meine Grenzen gebracht. Dabei wollte ich doch, dass alles perfekt ist, wollte alles richtig machen und für meinen Sohn der Mensch sein, bei dem er Ruhe und Geborgenheit bekommt. Aber wie soll das auch funktionieren, wenn ich selbst alles andere als ruhig bin?

Aus Angst, ihn zu überfordern verließen wir kaum mit ihm das Haus und ich fühlte mich abgekapselt. Außerdem kam ich fast um vor Sorge, weil ich nicht wusste was ihm fehlte. Bis wir zur einer Osteopathin gingen, die ihm endlich half.

Die ersten sieben Monate waren wirklich hart. Auch für uns als Paar. Unsere ganze Kraft investierten wir nur in unseren Sohn und wechselten uns Abend für Abend ab und trugen ihn durchs Haus. Wir schauten nicht fern, wir unterhielten uns nur im Flüsterton und waren meilenweit davon entfernt, Zeit für uns zu haben.

Doch zum Glück ging es irgendwann bergauf. Von da an konnte ich mit meinem Sohn jeden Tag raus gehen, ohne schräg angeguckt zu werden, warum das Kind die ganze Zeit schreit. Wir machten lange Spaziergänge, gingen auf den Spielplatz, Eis essen, verabredeten uns.

Und es war auch wieder möglich hin und wieder mal etwas als Paar zu unternehmen.

Doch ein zweites Kind stand lange Zeit nicht zur Debatte, war die Angst vor der Geburt und davor, dass die ersten Monate wieder so schwer sein würden, viel zu groß. Und dennoch – tief in mir drin, ließ mich das Gefühl nicht los, dass irgendetwas fehlt. Oder eher irgendjemand. Als wir uns beide schließlich sicher waren, wurde ich sofort wieder schwanger. Doch in der 9. Schwangerschaftswoche erlitt ich eine Fehlgeburt. Von da an wollte ich es umso mehr. Und mir wurde klar, wie zerbrechlich das Glück doch sein kann.

Nach vier Monaten wurde ich erneut schwanger. Angst und Vorfreude waren in dieser Zeit meine ständigen Begleiter. Im September letzten Jahres machte unsere kleine Tochter die Familie komplett. Alles lief ganz wunderbar und meine Sorgen hatten sich glücklicherweise nicht bestätigt. Seitdem fühlen wir uns vollständig.

Wir wissen nun, was Glück wirklich bedeutet – auch wenn ich das erst ziemlich spät erfahren durfte.

Allein unter Müttern

Als meine Freundinnen alle Kinder bekamen, war ich gerade geschieden worden. Das war gar nicht so leicht für mich. Sie gründeten alle Familien und ich stand ganz allein da. Aber es hatte auch Vorteile: Ich hatte Zeit! Ich besuchte meine Freundinnen mit ihren Kindern regelmäßig und ich habe das genossen. Das war auch eine schöne Zeit.

Doch als ich dann Mutter wurde, hatten sie ihre Kinder alle schon mehr oder weniger groß. Das fand ich sehr schade. Und so wie ich sie damals regelmäßig besuchte, als ihre Kinder klein waren, ist es umgekehrt leider nicht. Zumindest nicht in einer gewissen Regelmäßigkeit. Aber das mache ich niemandem zum Vorwurf. Ich weiß, dass man mit Kindern irgendwie ständig verplant ist. Und wenn man dann nicht mal einen fahrbaren Untersatz hat, erschwert es die Sache enorm.

Und ich bin ganz ehrlich – mir selbst ist es zu stressig mit Sack und Pack „mal eben“ eine Freundin zu besuchen, was schon bei der Autofahrt anfängt und ich, dort angekommen, nur damit beschäftigt bin, meine Kinder davon abzuhalten, irgendwelche Schränke aus- und abzuräumen, weil es dort nicht (mehr) kindersicher ist. Ich kann sowas dann einfach nicht genießen. Denn ich bin: gestresst! Was ich früher nicht von mir kannte. Am liebsten treffe ich mich daher in meiner kinderfreien Zeit mit ihnen – wenn ich den Kopf frei habe und mich wirklich auf sie konzentrieren kann.

So haben sich alte Freundschaften gewandelt – und ich weiß, dass manch einer zu kurz kommt. Manchmal habe ich ein schlechtes Gewissen deswegen, obwohl mir klar ist, dass das nicht nur an mir allein liegt.

Natürlich habe ich aber einige andere Mütter kennengelernt und mit einigen treffen wir uns regelmäßig, damit die Kinder zusammen spielen können und Kontakt zu Gleichaltrigen haben. Das war mir von Anfang an sehr wichtig und daraus sind schöne Freundschaften entstanden.

Eine Frau im Wandel

Ich selbst habe mich sehr verändert – innerlich wie äußerlich. Dass ich viel schneller gestresst bin, sagte ich ja gerade schon. Das nervt mich unglaublich. Gleichzeitig denke ich, dass es normal ist und vor allem menschlich. Aber auch dieser Gedanke ändert nichts daran, dass es mich nervt, dass ich nicht einfach gelassen reagieren kann, sondern so oft am Rande des Wahnsinns stehe.

Doch natürlich äußert sich das Mutter sein nicht nur negativ – im Gegenteil! Denn vor allem bin ich auch glücklicher. Manchmal habe ich das Gefühl, mein Herz würde platzen vor Glück, wenn ich meine Kinder ansehe, wenn ich sie lachen höre, wenn sie sich in meine Arme kuscheln. Und ich bin so unfassbar stolz, auf jede Kleinigkeit die sie lernen. Und wir haben so viel Spaß! Unser Sohn bringt uns mit seinen Sprüchen immer wieder zum Lachen – und bald wird die Kleine mitmachen.

„Ich hab‘ Dich so lieb, Mama!“ Gibt es Worte, die süßer klingen? Mein Herz quillt über vor Liebe für meine Familie. Aber mein Herz spürt auch Angst, ist ummantelt von Sorge, ob dieses Glück von ewiger Dauer ist. Wenn ich mir vorstelle, einem von uns könnte irgendetwas zustoßen… Ich möchte diesen Gedanken nicht zu Ende denken, versuche ihn beiseite zu schieben – doch er ist allgegenwärtig.

Meine Gefühlswelt hat sich völlig verändert und wurde mit so viel mehr Liebe und Glück, aber eben auch mit Sorgen und Stress gefüllt. Ich bin so stolz auf alles, was meine Kinder lernen, stolz auf alles, was ich für sie leiste. Und trotzdem immer besorgt, dass es nicht genug ist.

Und auch äußerlich bin ich längst nicht mehr die Alte. Ich bin nicht mehr die, die immer nur komplett durchgestylt das Haus verlässt, obwohl mir das so wichtig war. Heute sitzt nicht mehr jede Haarsträhne perfekt, geschminkt wird sich nur noch in Kurzfassung. Auch (und leider) passe ich auch nicht mehr in Kleidergröße 36/38. Davon bin ich weit entfernt und deswegen oft unzufrieden. Aber daran kann man ja arbeiten.

Reisen und Ausflüge sind auf die Kinder ausgerichtet, nicht mehr nur auf uns und unseren persönlichen Luxus.

Wir gehen kaum noch aus und unser Geld geben wir fast nur für die Kinder aus.

Doch stört mich das? Manchmal vielleicht. Nein – eigentlich nicht. Denn das Wichtigste ist, dass es unseren Kindern gut geht, dass sie glücklich sind und sich geborgen und geliebt fühlen. Dann ist es auch für uns perfekt!

Ich habe mich verwandelt – von einer ganz normalen Frau in ein liebendes, gefühlsduseliges Muttertier. Und das ist gut so!

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