Als ich Dich verlor

Heute war wieder einer dieser Tage.

Dein Bruder war den ganzen Tag wütend. Er saß trotzig in seinem Zimmer. Deine Schwester hat geweint und geweint. Sie war nun endlich eingeschlafen.

Mein Schädel brummte. Ich wusste nicht mehr, wo mir der Kopf stand. Ich ließ mich auf mein Bett sinken und starrte in den strahlend blauen Himmel. Plötzlich musste ich wieder an Dich denken.

Als ich da so lag und aus dem Fenster schaute, war es wie damals, als ich Dich verlor…

Ich fühlte ich mich plötzlich um mehr als 1 1/2 Jahre zurückversetzt. – Es war ein heißer Sommertag im August 2014. Ich sollte heute meinen ersten Vorsorgetermin haben. Ich war gerade in der 9. Woche mit Dir schwanger.

Eigentlich hatten wir uns gerade erst entschieden, dass Dein Bruder ein Geschwisterchen bekommen soll. Wir hatten vor, noch ein wenig zu warten. Aber damit haben wir es nicht so genau genommen. Und ich ahnte vom ersten Tag an, dass ich wieder schwanger bin. Ich spürte gleich die Veränderung in meinem Körper, jedes noch so kleine Anzeichen nahm ich wahr. Als ich zwei Wochen später endlich einen Test machen konnte, hat sich mein Gefühl bestätigt.

Wir waren ein bisschen perplex, dass es so schnell ging, doch wir freuten uns auf Dich. Obwohl es mir ganz schön schlecht ging, in den nächsten paar Wochen. Mir war oft übel, ich hatte Kreislaufbeschwerden und ich sah außerdem ganz furchtbar aus. Aber damit konnte ich leben. Es dauerte gar nicht lange, bis mein Bauch schon wieder eine deutliche Wölbung zeigte, so dass es schwer war, Dich in der ersten, kritischen Zeit zu verstecken, bevor wir es aller Welt erzählen wollten.

Nun war es also endlich so weit – ich sollte erfahren, ob alles in Ordnung ist; die erste Untersuchung stand an. Doch genau in dem Moment, als ich dort ankam, wo ich Dich zum ersten Mal sehen sollte, spürte ich plötzlich, dass ich Dich verloren hatte. Es war mir sofort klar.

Als die Ärztin mich dann untersuchte, schüttelte sie nur mit dem Kopf. Ich konnte gar nichts sagen. Dort, wo Du hättest sein sollen, war nichts mehr zu sehen. Du hast Dich nicht weiterentwickelt, Dein Herz hat niemals angefangen zu schlagen.

Ich verließ die Praxis völlig regungslos, Doch als ich im Auto saß, brach es aus mir heraus. Ich musste Papa anrufen und es ihm sagen. Ich konnte es kaum aussprechen.

Wir sollten sofort ins Krankenhaus fahren, doch weil es schon so spät war, wurde an diesem Tag nichts mehr unternommen. So blieb ich über Nacht dort – allein mit mir und allein mit meinen Schmerzen. Ich starrte in die tiefschwarze Nacht, machte kein Auge zu.

Ich dachte an Dich, an das was ich verloren hatte, wo ich Dich doch gerade erst ein paar Wochen in meinem Leben wusste – auch wenn Du in dieser Zeit nicht viel mehr warst, als eine leere Hülle. Doch ich trug Dich in meinem Herzen, schmiedete Pläne, malte mir unsere Zukunft mit Dir aus. Du warst ein Teil von mir – und von einem Moment auf den anderen waren alle Hoffnungen und Träume wie eine Seifenblase zerplatzt. So verging die scheinbar nie enden wollende Nacht in Gedanken an Dich und auch an Deinen Bruder, den ich zum ersten Mal die ganze Nacht allein lassen musste, wo ich doch in diesen Stunden so gerne Trost bei ihm gefunden hätte.

Am nächsten Morgen wurde ich untersucht. Mein Körper hat scheinbar viel geleistet und eine OP blieb mir erspart. Mir wurden Tabletten gegeben, die Wehen auslösen und damit dafür sorgen sollten, dass nichts zurückbleibt – nichts von dem, woraus Du hättest entstehen sollen.

So lag ich dann ein paar Stunden später auf meinem Bett und starrte in den strahlend blauen Himmel. Die Tabletten zeigten ihre Wirkung. Nicht nur die Schmerzen, die immer wieder wie eine Welle anrollten, ließen mich den ganzen Tag in finstere Gedanken versinken, während ich zuhörte wie Dein Bruder draußen im Garten lachte und tobte. Stille und Trubel – so nah beieinander.

Ich ruhte mich das ganze Wochenende aus. Ein kurze Erholungsphase, zu kurz. Doch am nächsten Tag musste ich wieder voll funktionsfähig sein. Papa musste auf Geschäftsreise und Dein Bruder brauchte mich. Es war ein körperlicher Kraftakt – doch was lenkt einen besser ab, als fröhliches, pures Kinderlachen?

Dein Bruder war für mich die beste Medizin. Er hat das wirklich toll gemacht – ohne es zu wissen. Er und vermutlich auch die Tatsache, dass ich Dein Herzchen niemals habe schlagen hören, haben mir recht bald geholfen, mit dem Verlust umgehen zu können.

Etwa vier Monate später spürte ich neues Leben in mir. Deine Schwester hatte es sich in meinem Bauch gemütlich gemacht. Angst machte sich breit – Angst, dass ich auch sie verlieren könnte. Doch schon bald durfte ich erfahren, dass alles in Ordnung ist. Ihr Herz schlug und alles war so, wie es sein sollte.

Seit einigen Monaten ist sie nun bei uns und hat unsere Familie vollständig gemacht. Sie ist wirklich wundervoll. Doch manchmal ist es ein komisches Gefühl – denn wenn es Dich gäbe, dann gäbe es sie nicht.

Du hast den Platz für sie frei gemacht. Ein Platz, der Dir zustand, den Du ihr aber geschenkt hast. Genau wie sie und Dein Bruder wirst Du bei mir immer einen Platz haben. Du bist ein Teil von mir und wirst es immer sein – ich trage Dich in meinem Herzen.

Mein Körper gehört wieder mir: die Wahrheit über den After-Baby-Body

Drei Wochen ist es nun her, dass meine kleine Tochter auf die Welt kam. Unsere Familienplanung ist nun abgeschlossen und mein Körper gehört wieder mir ganz allein.

Zwei Mal war er für viele Monate der Wohnraum für zwei ganz besondere kleine Menschen. Eine magische Zeit, aber auch nicht immer ein Zuckerschlecken.

In der ersten Schwangerschaft ging es mir eigentlich super, bis auf einen angeknacksten Fuß, dessen Heilung etwas länger dauerte, weil ich nicht wirklich etwas einnehmen konnte. Und klar – gegen Ende wurde der Bauch einfach unbequem. Aber das war schon okay, sonst ging es mir wirklich gut.

Die zweite Schwangerschaft machte schon wesentlich weniger Spaß. Zu Beginn hatte ich ständig Kreislauf-Beschwerden und oft ein flaues Gefühl auf dem Magen. Dann kam kurzzeitig eine gute Phase. Und dann kam die Grippe. Die hat mich total umgehauen. Danach plagte ich mich permanent mit einer Schnupfnase herum. Außerdem wurde ich sehr kurzatmig. Im Sitzen, beim Gehen, bei jeder Tätigkeit: Ich hatte Schnappatmung! Gut ging es nur, wenn ich auf der Seite lag. Und der Bauch wuchs noch schneller und stärker als beim ersten Mal. Schon im 2. Trimester passten mir viele Klamotten nicht mehr, die ich in der ersten Schwangerschaft bis zum Ende tragen konnte. Alles war unbequem, alles zwickte und zwackte. Und da, wo der BH-Bügel auf meinen Rippenbogen traf, war alles taub. Nerv abgeklemmt. Oft gab es an dieser Stelle sogar einen stechenden Schmerz. Und der heiße Sommer bekam mir gar nicht gut. Nicht zuletzt, weil ich extreme Wassereinlagerungen hatte. Am Ende passte mir nur noch ein einziges Paar Sandalen. Meinen Ehering hatte ich schon Wochen zuvor ablegen müssen. Außerdem macht es einen großen Unterschied, ob man während der Schwangerschaft mit seinem Arsch faul auf einem Bürostuhl sitzt, oder ob man Animateur für ein sehr lebhaftes Kleinkind spielt, was mir im Laufe der Zeit zunehmend schwerer fiel. Ach ja, und dann war da ja auch noch die Sache mit der Landkartenzunge. Ich hatte vorher nie davon gehört, doch ich bekam zu spüren, was das bedeutet. Bei fast allem, was ich zu mir nahm, brannte meine Zunge anschließend wie Feuer. Vor allem bei histaminreicher Nahrung. Und sie sah auch ziemlich eklig aus.

Und jetzt?

Ich fühle mich irgendwie befreit! Nicht, dass ich meinen Bauch nicht gern als Herberge für mein Kind hergegeben habe, aber irgendwie ist es auch schön, dass mein Körper nun wieder mir ganz allein gehört. Was sich seitdem alles geändert hat?

– Ich kann wieder durchatmen! In jeder Lebenslage. Der Druck auf meiner Lunge ist verschwunden und auch meine Schnupfnase hat sich verkrümelt.
– Das erste (heiße!) Bad, nach zwei Wochen nur duschen dürfen, habe ich in vollen Zügen genossen.
– Ich habe doch noch Füße.
– Ich kann mir wieder selbst Socken anziehen und sogar die Fußnägel lackieren!
– Meine Zunge hat sich regeneriert und ich kann wieder schmerzfrei essen.
– Die Stelle über dem Rippenbogen bleibt wohl für immer taub.
– Trotz des enorm großen Bauchs bin ich wieder ohne Risse davongekommen.
– Ich kann wieder mit meinem Sohn toben!
– Ich fühle mich leichter und beweglicher. Bereits zehn Tage nach der Entbindung hatte ich 10,1 kg verloren. Seitdem steht die Waage jedoch still. Und auch das Wasser ist noch nicht gänzlich verschwunden. Sämtliche Pumps sind immer noch zu eng, und auch der Ehering passt noch nicht wieder.
– Ich habe mich noch nicht getraut, eine meiner alten Jeans anzuprobieren.
– Noch 4,3 kg bis zum Startgewicht. Dann gerne nochmal 10 kg.
– Fettpolster in den Achselhöhlen. Wie zur Hölle soll man da bitteschön abnehmen? Die schleppe ich bereits seit Beginn der ersten Schwangerschaft mit mir herum. Da hilft nur noch wegschnibbeln!
– Die nackte Wahrheit: Ich sehe aus wie ein Hängebauchschwein! Der Bauch ist wabbelig und weich und ich habe keine Ahnung, ob sich das je wieder ändern wird.

Quelle Pixabay
Quelle Pixabay

Fotos von mir erspare ich Euch an dieser Stelle.

So sieht’s aus, Ihr Lieben! Vieles ist besser, aber es gibt noch viel zu verbessern.

Aber dieses Jahr nicht mehr. Abgesehen von meinem Rückbildungskurs, der im November startet, werde ich nicht mehr allzu viel tun. Damit starte ich erst nächstes Jahr. Noch brauchen wir zu viel Nervennahrung. Aber dann gibt es keine Ausreden mehr. Bisher habe ich als Grund, warum ich nie richtig abgenommen habe, immer vorgeschoben, dass ich ja wahrscheinlich noch mal ein Kind bekomme und dass sich das Abnehmen ja dann gar nicht lohnt. Aber da wir nun komplett sind, wäre es wirklich an der Zeit, meinen Körper wieder in Schwung zu bringen. Mal sehen, ob ich genug Disziplin an den Tag lege.

Ihr werdet es demnächst erfahren…

Willkommen im Leben, kleine Pusteblume!

Oder sollte ich eher sagen „Fräulein Ungeduldig“?

Die Familie ist komplett. Acht Tage zu früh hat sich unser kleines Mädchen ganz plötzlich auf den Weg zu uns gemacht. Ich war noch gar nicht richtig vorbereitet, ein paar Kleinigkeiten sollten noch für ihre Ankunft erledigt werden. Erst einen Tag zuvor habe ich meine Kliniktasche gepackt.

Am Donnerstag Vormittag war noch eine liebe Freundin bei mir und wir haben ausgiebig geklönt, während unsere Jungs miteinander spielten. Währenddessen flog eine erste, leichte Wehe vorbei. Ich dachte mir nicht viel, rechnete damit, dass dies nun endlich die Senkwehen seien – saß der Bauch doch noch ziemlich hoch. Die Wehen nahmen zu und man konnte quasi dabei zusehen, wie der Bauch absackte. Da die Schmerzen jedoch immer schlimmer wurden, nahm ich am Abend ein heißes Bad. „Echte“ Wehen sollen ja dadurch verstärkt werden, ansonsten nehmen sie wieder ab.

So war es aber nicht.

Als wir unseren Sohn abends ins Bett brachten, sagte ich ihm, dass es gut möglich sei, dass das Baby nun bald aus Mamas Bauch raus möchte und wir deswegen ins Krankenhaus fahren müssten. Dann würde Oma da sein, wenn er am nächsten Morgen aufwacht. Ich war mir nicht sicher, ob er wirklich wahrnahm, was ich ihm sagte, denn er ließ währenddessen nicht von seinem Spiel ab. Das beunruhigte mich ein wenig.

Als die Abstände zwischen den Wehen immer kürzer und ich immer unsicherer wurde, fragte ich meine Hebamme, ob wir denn schon ins Krankenhaus fahren sollten. Sie sagte ja, und so rief ich meine Mutter zu uns, damit sie bei unserem Großen bleibt.

Gegen 22.30 Uhr machten wir uns dann auf den Weg in die Klinik. Während der Fahrt wurden die Wehen noch heftiger. Im Krankenhaus angekommen, wurde sofort ein CTG gemacht. Doch das zeigte trotz meiner Schmerzen kaum Wehentätigkeit an.

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Eine Untersuchung ergab, dass der Muttermund erst 1-2 cm weit geöffnet war. Ernsthaft? Geht es wieder genauso los, wie beim letzten Mal? Das Schlimmste war in dem Moment jedoch, dass uns gesagt wurde, unsere Kleine sei ein Sternengucker. Ich musste erst mal schlucken! Bitte nicht!

Und nun? Ich wurde vor die Wahl gestellt, noch einmal nach Hause zu fahren oder auf der Station aufgenommen zu werden. Ich wollte bleiben, da die Schmerzen zu stark waren. Daher bat ich um ein Einzelzimmer. Leider ohne Erfolg. Jedes Zimmer war belegt. Ich kam daher sogar auf die Privat-Station. Zu einer Mama, die an dem Tag Zwillinge zur Welt gebracht hatte. Das bedeutete auch, dass mein Mann wieder nach Hause fahren müsste, was natürlich genau das war, was ich nicht wollte. Wir gingen, nein, wir krochen viel mehr noch eine Weile über den Flur, bis ich nicht mehr konnte. Ich musste mich hinlegen. Also schickte ich ihn schweren Herzens heim. Und fühlte mich unglaublich verlassen.

Gegen 03.00 Uhr hielt ich die Schmerzen einfach nicht mehr aus und wollte daher wieder runter zum CTG, in der Hoffnung, es hätte sich etwas getan. Doch ehrlich gesagt fühlte ich mich nicht in der Lage, diesen Weg allein zu schaffen. So fuhr mich ein Pfleger im Rollstuhl runter zum Kreißsaal. Ich wurde von einer jungen und sehr netten Hebamme empfangen. Sie untersuchte mich und sagte mir, ich würde heute noch auf jeden Fall mein Kind bekommen. Vielleicht nicht mehr in der Nachtschicht, aber bis zur Spätschicht würde es keinesfalls dauern. Ein kleiner Hoffnungsschimmer. Sie brachte mich gleich in einen Kreißsaal und legte mir dort erneut das CTG an. Dieses Mal wurden starke Wehen angezeigt. Ich bat sogleich um eine PDA, da auch der Schmerztropf, an dem ich bereits hing, nicht die leiseste Linderung verschaffte.

Ruhige und gemütliche Atmosphäre im Kreißsaal
Ruhige und gemütliche Atmosphäre im Kreißsaal

Ich bat meinen Mann wieder zurückzukommen. Er hatte es gerade mal geschafft eine Stunde auf dem Sofa zu schlafen. Immerhin – mehr als ich.

Der Anästhesist ließ auf sich warten. Ich hatte bereits alle drei Minuten Wehen. Als er um 06.00 Uhr endlich da war, hatte ich schon die Befürchtung, es sei bereits zu spät für die PDA. Die Hebamme gab mir jedoch kurz vor der Spritze einen Wehenhemmer, so gelang es mir, ruhig zu halten. Es dauerte einige Minuten, dann kam endlich die Erlösung: Schmerzfrei. Durchatmen. Kraft tanken.

Es dauerte nicht lange, bis ich etwas essen wollte. Doch Frühstück gab es erst um 07.30 Uhr. Daher versuchte ich einfach ein wenig zu entspannen. Was schwierig war, denn alle 5 Minuten ging der Blutdruckmesser los. Ich starrte auf die Uhr. Mit dem Gongschlag schickte ich meinen Mann Frühstück holen. Und ich habe ordentlich gegessen. Ich brauchte ja schließlich Energie.

Zwischenzeitlich fand dann der Schichtwechsel statt und ich musste mich von meiner netten Hebamme verabschieden. Was mir jedoch dann nicht mehr viel Kummer bereitete, denn Ihre Ablösung war ebenso ruhig und nett. Das beruhigte mich sehr. Denn bei der Geburt meines Sohnes hatte ich zwar auch eine nette, dafür aber auch sehr nervöse und unruhige Hebamme. Das verunsicherte mich damals wirklich sehr.

Ich wurde immer mal wieder umgelagert, am Ende wurde ein Bein halb über meinen Körper auf einer Stütze abgelegt, was dabei helfen sollte, dass die junge Dame sich vielleicht unter der Geburt doch noch richtig dreht. Außerdem wurde ich an einen Wehentropf gelegt – was ich eigentlich vermeiden wollte. Aber es sei nötig.

Irgendwann nahmen die Schmerzen wieder zu. Die PDA ließ nach und mir wurde mulmig, als die Hebamne mir sagte, dass der Muttermund fast vollständig geöffnet sei. Das bedeutet, dass die schmerzhafte Geburt nun bald bevorsteht. Doch zu meiner Überraschung und großen Erleichterung wurde das Medikament nochmals nachgespritzt. Damit hatte ich nicht gerechnet, aber ich war unendlich froh. Zusätzlich dankbar war ich über die permanente Anwesenheit und ruhige Art meiner Hebamme.

Es dauerte auch nicht mehr lange, bis ich einen starken und dennoch schmerzlosen Druck verspürte. Dieser nahm mit jeder Wehe zu. Eine Ärztin kam nun dazu und stellte sich vor. Ich sagte ihr, wir würden uns noch von der Geburt meines Sohnes kennen. Sie sagte zugleich : „Oh, möchten Sie, dass ich eine andere Kollegin hole? Ich habe gerade gelesen, dass Sie ein traumatisches Geburtserlebnis hatten…“ Ich war überrascht, mit einer solchen umsichtigen Reaktion hatte ich nicht gerechnet. Da die schwierigen Umstände damals jedoch nicht an ihr lagen, hatte ich keine Probleme damit, dass sie blieb. Im Gegenteil, ich fühlte mich sogar sehr ernst genommen mit meinem Problem.

Nun dauerte es nicht mehr lange, bis die Presswehen einsetzten. Diese waren zwar wirklich anstrengend, aber trotzdem so gut wie schmerzfrei. Ich konnte mein Glück kaum fassen. Sollte es jetzt wirklich so einfach sein? Ja! Nur vier oder fünf Presswehen später war der große Moment da: Ich hörte den ersten Schrei meines kleinen Mädchens und nur wenige Sekunden später lag sie auf meinem Bauch!

Tränen der Freude und der Erleichterung flossen in Strömen über mein Gesicht. Ich war überwältigt von dem Zauber dieses Augenblicks!

„Ist alles in Ordnung mit Ihnen?“, fragte die Ärztin. Ja, es ist wirklich alles in Ordnung, stellte ich ungläubig fest.

Wir blieben noch eine Stunde im Kreißsaal und durften in aller Ruhe die ersten Momente mit unserer kleinen, gesunden, wundervollen Tochter genießen. Immer wieder kämpften sich Tränen der Erleichterung hoch.

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Ein neues Leben war geboren – und es war alles so viel leichter, als ich es mir vorgestellt hatte, so viel besser, als ich es für möglich gehalten hatte.

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Ich war nun froh, dass ich mich doch gegen einen Kaiserschnitt entschieden hatte und dass ich feststellen durfte, dass eine Geburt auch ein positives Erlebnis sein kann.
Ich bin ausgesöhnt mit dem Vergangenen – und das ist gut so.

Der Countdown läuft: 10… – meine Schwangerschaft in der 39. Woche

Nun ist es bald so weit. Wir zählen von nun an die Tage runter…

Eine ganz schön aufregende Zeit! Es könnte ja jederzeit losgehen. Man achtet auf jedes Zwicken und Zwacken, wartet auf die ersten Wehen, oder – schlimmer noch – auf einen Blasensprung! (Hoffentlich passiert mir das nicht mal unterwegs!)

Heute hatte ich meine letzte Vorsorgeuntersuchung. Nur falls ich den Termin überschreite, soll ich mich noch mal in der Praxis blicken lassen.

Bis jetzt ist noch alles ruhig. Gestern Abend als ich im Bett lag, hatte ich mal eine etwas unangenehme Wehe, aber das war auch die Einzige. Heute am Wehenschreiber hatte ich eine Wehe mit einem Ausschlag von über 80, aber davon habe ich rein gar nichts gespürt.

Ansonsten ist noch alles gut. Das Baby liegt jetzt schon ein wenig tiefer im Becken, wenn auch noch nicht so richtig. Senkwehen habe ich keine bemerkt.

Ein Ultraschall wurde auch nicht mehr gemacht, ich habe also nicht die leiseste Ahnung, wie groß und wie schwer die junge Dame inzwischen sein könnte. Wir müssen uns also überraschen lassen!

Ich habe nun 14,2 kg zugenommen. Inzwischen ist sehr viel Wasser dabei. Ich habe tatsächlich nur noch ein einziges Paar Schuhe, das mir momentan passt. Und das sind ausgerechnet Sandalen! Zum Glück hat es aufgehört zu regnen.

Kaum zu glauben, aber: ich habe es heute endlich geschafft, meine Kliniktasche zu packen! Ich muss jetzt nur noch ein paar Sachen für’s Baby packen. Und das Geschwistergeschenk, das die Kleine ihrem großen Bruder mitbringt.

Das Beistellbett steht schon im Schlafzimmer bereit, der Stubenwagen für’s Wohnzimmer ist startklar. Heute habe ich noch den Bezug vom MaxiCosi gewaschen. Ich hoffe, ich bekomme den jemals wieder richtig drauf gezogen, falls er noch rechtzeitig trocken wird!

Ihr seht: es ist (fast) alles bereit! Sie darf also bald kommen!

Aber bitte nur nicht am Dienstag…denn da hat Papa einen Geschäftstermin. Er ist dann zwar „nur“ 110 km von zu Hause entfernt, aber wer weiß – vielleicht wird es ja eine Sturzgeburt! Wo ich durchaus nichts gegen hätte! Aber bitte nur nicht an diesem Tag! Papa muss schließlich an meiner Seite sein.

Aber eigentlich ist ja auch noch bis nächsten Samstag Zeit.

So lange darf sie auch gerne noch in meinem Bauch bleiben…nur bitte nicht länger…

Bist Du bereit, großer Bruder?

Diese Frage stelle ich mir sehr oft in der letzten Zeit. Habe ich alles getan, um meinen Sohn darauf vorzubereiten, dass er bald ein Geschwisterchen haben wird? Kann man ein kleines Kind überhaupt auf solch eine große Veränderung vorbeiten?

Bisher war er der alleinige Herrscher in seinem Reich. Alles hier drehte sich um ihn. Ausschließlich. Und nun steht bald die Entthronisierung bevor. Vieles wird sich dann ändern. Keine Kleinigkeit für ein Kleinkind.

Was also kann man tun, um einen möglichst sanften Start in dieses neue, andere Leben zu finden?

Ich habe meinem Sohn schon recht früh erzählt, dass wir bald ein Baby bekommen werden. Natürlich war das zu dem Zeitpunkt noch nicht wirklich greifbar, war ja noch nicht mal an Mamas Bauch zu erkennen, dass sich da etwas tut.

Bücher können da sehr hilfreich sein. Es gibt eine ganze Reihe Bücher, in denen dem Geschwisterkind erklärt wird, was da gerade vor sich geht und wie dieses neue Leben entsteht. Hier ist es wichtig, das passende – dem Alter entsprechende – Buch zu finden.

Für uns war es letztendlich dieses hier:

Wir sind jetzt vier - Ravensburger Ministeps
Wir sind jetzt vier – Ravensburger Ministeps

In einfachen Worten und Bildern wird hier erklärt, warum Mama immer dicker und unbeweglicher wird und wie es werden kann, wenn das Baby dann endlich da ist. Das nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen sein wird, weil das Baby am Anfang noch so viel Aufmerksamkeit braucht und noch gar nichts alleine kann. Und dass das für den großen Bruder oft ziemlich doof sein kann.

Schön war für uns in diesem Buch jetzt besonders, dass der große Bruder eine kleine Schwester bekommt – wie es auch bei uns der Fall ist – und so haben wir die Namen der Kinder beim Vorlesen immer entsprechend abgeändert (was übrigens gar nicht so einfach ist, ohne beim Lesen regelmäßig ins Stocken zu geraten).

Als der Bauch dann langsam größer wurde, und die Schwangerschaft damit plastischer, haben wir unseren Sohn auch zwei Mal mit zum Ultraschall genommen. Natürlich hat er auf dem Bildschirm nicht viel erkannt, das ist ja für uns schon schwer. Aber die Ärztin hat versucht, ihm alles gut zu erklären.

Wir versuchen außerdem immer alles gut zu erklären. Zum Beispiel, warum Mama so oft müde ist und nicht mehr so wild toben kann, wie sonst.

Er hat auch getestet, wie sehr so ein großer Bauch doch stören kann...
Er hat auch getestet, wie sehr so ein großer Bauch doch stören kann…

Wir erzählen ihm, dass das Baby am Anfang ganz klein ist und wahrscheinlich oft weinen wird. Und schlafen. Und nur Milch trinken kann. Dass es noch eine Weile dauern wird, bis er mit seiner Schwester spielen kann und dass er auch einmal so klein war.

Beim Einrichten des Zimmers wurde er auch ein wenig eingebunden. Er durfte Papa zum Beispiel die Schrauben reichen, als er den Schrank aufgebaut hat. Er hat auch geholfen ein paar seiner alten Spielzeuge für seine Schwester rauszusuchen und hat sie in ihre Spielzeugkiste geräumt.

Manchmal streichelt er meinen Bauch und sagt: „Hallo Baby! Rauskommen!“ Dann erzähle ich ihm, dass es jetzt nicht mehr lange dauert, bis das Baby raus will und dass Mama und Papa dann zusammen ins Krankenhaus fahren. Und dass dann Oma so lange bei ihm bleibt. Er wirkt dann immer so, als würde er genau verstehen, was passiert. Aber sicher bin ich mir nicht wirklich.

Trotzdem spüre ich, dass ihn das alles beschäftigt. Denn momentan ist er oft wütend. Nicht offiziell wegen dem Baby. Es sind Kleinigkeiten an denen er sich hochzieht und sich so sehr hineinsteigert, dass wir alle nicht mehr wissen, wo vorne und hinten ist. Und das ist so extrem, dass ich nicht glauben kann, dass es sich um „normale“ Wutanfälle handelt. Vielmehr glaube ich, dass es ihn sehr beschäftigt, dass eine große Veränderung ansteht. Ich bin mir sicher, er spürt das.

Ist er also gut vorbereitet? Ich denke nicht. Trotzdem versuchen wir unser Bestes. Und hoffen einfach, dass die erste Zeit für ihn so erträglich wie nur möglich sein wird.

Es geht vorbei #MeinBriefAnMich

Mein liebes Ich aus 2013,

Du liegst gerade im Kreißsaal und denkst, Du kannst nicht mehr. Du hast keine Kraft mehr. Obwohl Du vorher so entspannt warst und ohne Ängste in die Geburt gegangen bist. Aber nach drei Tagen mit Wehen, mit drei Einleitungen und allen möglichen Versuchen, die Geburt Deines ersten Kindes zu beschleunigen, mit Schmerzen, die fast nicht mehr zu ertragen sind, weil Du mit Deinen Kräften einfach am Ende bist, ist es nur verständlich. Aber glaube mir – Du schaffst es! Halte noch ein wenig durch!

Bald wirst Du Deinen Sohn zum ersten Mal im Arm halten und ihn bewundern können. Auch wenn Du Dich am liebsten nur noch ausruhen möchtest nach all den Strapazen, Du wirst ihn halten, weil er schreit, denn er braucht Dich. Auch wenn Du erschöpft bist. Aber es geht vorbei.

Nach ein paar Tagen werdet Ihr zu dritt das Krankenhaus verlassen. Erst dann kommt die schwierigste Zeit. Dein Sohn wird weinen, schreien – panisch, hysterisch. Den ganzen Tag, die ganze Nacht. Tagaus, tagein. Wochenlang. Monate lang. Und Du wirst völlig ratlos und hilflos sein. Irgendwann kommst Du an den Punkt, an dem Dir selbst auch nur noch zum Weinen zumute ist. Das ist okay. Lass es raus!

Aber zweifle nicht daran, ob Du eine gute Mutter bist. Du wirst Dein Bestes tun für Dein Kind, auch wenn Du immer wieder an Deine Grenzen kommen wirst. Aber Dein wundervoller Mann ist an Deiner Seite und stärkt Dir den Rücken. Er entlastet Dich so gut er kann. Ohne ihn würdest Du es nicht schaffen.

Und umgekehrt wird es genauso sein. Du wirst mit dem schreienden kleinen Bündel unzählige Nächte im Wohnzimmer verbringen, Dein Kind tragen und halten, während Du Runde für Runde durch den Raum wandelst, Kilometer um Kilometer, nur damit er schläft. Und damit Papa auch seinen Schlaf findet. Du wirst erschöpft auf’s Sofa sinken und Dich nicht trauen, Dich zu bewegen, weil Du Angst hast, Dein Baby wieder aufzuwecken, wenn es endlich in den Schlaf gefunden hat. Du wirst ein Schatten Deiner selbst sein. Aber glaube mir – es geht vorbei.

Du wirst Dich über viele Leute ärgern. Über die, die Dir nicht glauben, was Ihr gerade durchmacht. Die sich nicht vorstellen können, dass ein so kleines Baby unentwegt schreit. Sie verstehen es nicht, weil sie so etwas nicht selbst erlebt haben.

Dann wirst Du immer wieder zu hören bekommen „Lass ihn doch einfach schreien!“ oder „Du kannst ihn doch nicht die ganze Zeit tragen. Du verhätschelst ihn viel zu sehr!“ Lass Dir nichts einreden. Du machst alles richtig!

Und glaube mir – es geht vorbei! Nach etwas mehr als drei Monaten wirst Du jemanden finden, der Deinem kleinen Schatz helfen kann. Und Du wirst unglaublich erleichtert sein. Trotzdem bleibt es noch schwierig. Aber noch ein paar Monate weiter wird es so viel besser sein. Du wirst merken, dass es immer einfacher wird, dass es ihm immer besser geht und Du wirst stolz sein, in welch rasendem Tempo er sich plötzlich entwickelt und alle anderen noch überholt.

Und mit nicht mal acht Monaten wird er durchschlafen. Dann wirst Du endlich wieder Deinen Akku ein wenig aufladen können. Es kommen glückliche Zeiten auf Euch zu!

Ja, es werden immer wieder schwierige Zeiten kommen. Dein Sohn ist lebenslustig, neugierig und fröhlich, wissbegierig und voller Bewegungsdrang, aber ebenso stark ausgeprägt ist sein Wille, seine Wut – übermannt von heftigen Gefühlen, die er nicht versteht. Er wird oft schreien und toben und Du wirst ratlos und überfordert sein. Noch kann ich es nicht genau sagen, aber ich bin mir ziemlich sicher: es geht vorbei. Versuch einfach durchzuhalten und nicht den Mut zu verlieren.

Denn in so vielen schönen und lustigen Momenten wirst Du sehr glücklich sein und Kraft tanken können.

Dennoch wirst Du weiterhin fest davon überzeugt sein, dass Du kein zweites Kind möchtest. Denn die Angst vor der Geburt ist noch da. Und die Angst davor, dass die ersten Monate wieder so schwer werden können. Aber glaube mir – es geht vorbei. Denn irgendwann wirst Du diese Gedanken einfach verdrängen und sie weit weg in irgendeine Schublade stecken, als wäre es nie passiert.

Ich wünschte ich könnte Dir sagen, dass das falsch ist. Verdrängen ist die falsche Lösung. Denn wenn Du zwei Jahre später Dein zweites Kind erwartest, kommen all diese Ängste wieder hoch. Doch der Wunsch nach einem Geschwisterchen für Deinen Sohn war so groß. Du wolltest nie wirklich, dass er alleine bleibt. Unterschwellig war der Gedanke immer da. Und kam irgendwann ans Tageslicht.

Mit dem Bauch wachsen die Ängste und Zweifel jedoch wieder. Zweifel, ob Du es schaffst zwei kleinen Kindern gerecht zu werden. Zweifel, ob Du genug Kraft hast. Zweifel, ob keiner von beiden zu kurz kommst und ob Du beiden all das geben kannst, was sie brauchen.

Aber es fühlte sich so richtig an. Und ich bin mir sicher, es ist richtig. Aber das kann ich Dir erst sagen, wenn ich Dir in ein, zwei Jahren wieder schreibe.

Sicher wird es in dieser Zeit nicht immer einfach sein. Aber ganz bestimmt werde ich Dir dann sagen können: „Es geht vorbei! Du machst alles richtig, auch wenn Du oft an Dir selbst zweifelst. Deine Kinder sind Dein größtes Glück, Euer größtes Glück und Du hast einen Mann, auf den Du Dich immer verlassen kannst – Dein ruhender Pol und der beste Vater, den Du Dir für Deine Kinder wünschen kannst. Ihr werdet als Familie eine wundervolle Reise erleben!“

Also, bleib stark und verzweifle nicht! Vergiss die schwierigen Zeiten und behalte all die unzähligen wundervollen Momente fest in Erinnerung! Die Zeit geht so schnell vorbei.

Deine Nadine (aus 2015)


Mit diesem Artikel nehme ich an der wundervollen Blogparade „Mein Brief an mich“ vom Hebammenblog teil. Danke, für diese tolle Idee!

Sie macht, was sie will – die 35. Schwangerschaftswoche

Unser Mädchen ist eine kleine Turnerin. Sie schlägt noch regelmäßig FlicFlacs in meinen Bauch, anstatt so liegen zu bleiben, wie sie sollte. Überhaupt ist sie ständig in Bewegung. Also, von mir hat sie das bestimmt nicht!

Ansonsten ist nach wie vor alles in bester Ordnung mit ihr. Sie ist nun ca. 48 cm groß und wiegt etwas über 2.600 Gramm. Mal sehen, wie viel sie noch wächst.

Mir selbst geht es mal gut, mal nicht so gut. Auf die heißen Tage könnte ich nach wie vor gut verzichten. Vor allem, weil ich inzwischen gut Wasser eingelagert habe. Meine Hände fühlen sich manchmal an, als würden sie platzen. Den Ehering habe ich schon länger abgelegt. Meine Fußgelenke gleichen den Stampfern eines Elefanten. Es gibt nicht mehr viele Schuhe, in die meine zarten Füße hineinpassen.

Auf der Waage macht sich das Ganze nun auch bemerkbar. So habe ich inzwischen 11 kg zugenommen.

Im Kinderzimmer steht inzwischen der Kleiderschrank und das Bettchen (welches mein Sohn am liebsten für sich beanspruchen möchte).

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Der Wickeltisch und die Regale fehlen noch, weil es uns immer irgendwie an Zeit mangelt. Aber ich hoffe, dass wir das dieses Wochenende endlich über die Bühne bringen. Und dann werde ich es Euch natürlich zeigen, wenn alles fertig ist.

Habt noch ein bisschen Geduld! Oder kommt zum Helfen vorbei!